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19.02.08

Meeresforschung

Thunfisch droht desaströser Niedergang

Meeresforscher und Artenschützer warnen vor dramatischen Zusammenbruch zahlreicher Thunfischbestände. Grund sind veraltete Fangmethoden der Entwicklungsländer, die mit ihren Flotten auch die Jungtiere wegfischen. Die Folge: Der Tierbestand sinkt bedrohlich – und die Wirtschaft verliert Millionen.

© EPA_FILES
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Die ungezügelte Überfischung sei nicht nur verheerend für die Tiere, sie bedeute bereits heute einen gewaltigen wirtschaftlichen Schaden, berichtete Jose Ingles von der Umweltstiftung WWF-Philippinen zum Abschluss der Jahrestagung des US- Wissenschaftsverbands American Association for the Advancement of Science (kurz: AAAS) in Boston. Allein der philippinischen Fischereiflotte entgingen durch den Fang zu junger Fische mindestens 1,2 Milliarden US-Dollar (umgerechnet: 820 Millionen Euro) pro Jahr.

Dem Thunfisch drohe vielerorts ein ähnliches Schicksal wie dem Kabeljau. Dessen Bestände brachen in den vergangenen Jahrzehnten teilweise drastisch ein. So sei in nur drei Jahren der wirtschaftliche Ertrag aus der Jagd auf den Gelbflossen-Thunfischs im zentralen Westpazifik um mehr als 40 Prozent gesunken, berichtete Rashid Sumaila von der Universität von British Columbia in Kanada. Zum Vergleich: Im Jahr 2001 brachte der auf dem japanischen Sushi-Markt beliebte Fisch noch 1,9 Milliarden US-Dollar - 2004 waren es nur noch 1,1 Milliarden Dollar.

Grund sind die oftmals veraltete Fangmethoden der Entwicklungsländer. Während reiche Länder wie Japan oder die USA schon mit modernen Methoden gezielt erwachsene Thunfische jagen, fischen Entwicklungsländern wie die Philippinen noch mit kilometerlangen Reusen und Schwarm anlockenden Techniken. Nachteil: Auch Jungfische verheddern sich in den Netzen. Für diesen sogenannten Beifang an Gelbflossen- Thunfischen rechnete Ingles vor: "Wenn die Fische heranwachsen dürften, wären sie mehr als 1,5 Milliarden US- Dollar jährlich wert – deutlich mehr als die rund 236 Millionen Dollar, die derzeit mit jungen Fischen erzielt werden."

Die Fischereiexperten sehen den Thunfisch an der Schwelle zu einem "desaströsen Niedergang". Sie erinnerten daran, dass mit der Kabeljaufischerei auch ganze Wirtschaftszweige vieler Länder zusammengebrochen seien. "Auf ihrem Gipfel brachte die kanadische Kabeljaufischerei im Atlantik 1968 einen Ertrag von 1,4 Milliarden US-Dollar", erläuterte Sumaila. "2004 brachte sie nur noch 10 Millionen US-Dollar ein." Aus diesem katastrophalen Zusammenbruch müsse die Thunfisch-Fischerei lernen, mahnten die Experten auf der Jahrestagung der AAAS.

Die jährliche Konferenz gilt als größtes fachübergreifendes Forschertreffen der Welt. In Boston hatten sich nach Veranstalterangaben rund 9000 Teilnehmer aus mehr als 60 Ländern zusammengefunden.

Quelle: DPA/BG
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