Medizin
Piercings und Brust-OPs an Jugendlichen verbieten
Freitag, 12. November 2010 16:10Vergrößerungen der Brüste, Absaugen von Körperfett sowie Piercings und Tattoos: Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl von fragwürdigen Eingriffen bei Kindern und Jugendlichen. Experten warnen seit langem vergeblich vor gesundheitlichen Risiken. Nun fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ein grundsätzliches Verbot.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat ein gesetzliches Verbot von Piercings und Tätowierungen für Kinder und Jugendliche gefordert. „Die zunehmenden Eingriffe schon bei Kindern unter zehn Jahren machen uns große Sorge“, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Es komme zu Entzündungen, Komplikationen und Verletzungen.
Besonders problematisch seien Piercings in dubiosen, nicht vom Gesundheitsdienst überwachten Studios, die häufig nicht die vorgeschriebene Einwilligung der Eltern verlangten. „Die Infektionsgefahr ist groß, Dauerschäden nicht selten“, warnte der Mediziner.
Mit großer Skepsis sähen die Ärzte auch das Ohrlochstecken bereits bei Säuglingen. Mittlerweile habe schon jedes fünfte Mädchen im Alter von einem Jahr Ohrlöcher. „Die Stecker wachsen oft ein, es gibt langwierige Entzündungen, die Verletzungsgefahr ist groß“, zitiert die Zeitung Hartmann in ihrer Montagausgabe.
Der Verbandsfunktionär sprach sich den Angaben zufolge auch dafür aus, medizinisch nicht notwendige Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu verbieten. Sie spielten zwar in Deutschland noch keine große Rolle, sagte Hartmann: „Aber wir müssen aufpassen – in den USA gibt es die Brust-OP als Geschenk zum Abi.“
Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hält ein solches gesetzliches Verbot für unumgänglich, weil es zu wenig Selbstbeschränkung der Ärzte gebe. Es gehe dabei nicht um medizinisch notwendige Operationen, sondern um echte Schönheitseingriffe wie Brustvergrößerungen oder -verkleinerungen oder Fettabsaugen.
Pro Jahr gebe es rund 100.000 fragwürdige Eingriffe bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren, sagte Lauterbach weiter. Die treibende Kraft sei ein „verirrtes Schönheitsideal“ schon bei Kindern. Sie würden schon sehr früh darauf vorbereitet, Idealfigur zu entwickeln, und träumten davon, Model zu werden.
„Besonders problematisch sind Eingriffe wie beispielsweise Brustvergrößerungen bei jungen Mädchen oder aber Schönheitsoperationen, wo es nicht um medizinische Hintergründe geht, sondern wo man versucht, durch operative Eingriffe den Körper so zu stylen, dass man dem Schönheitsideal der Modebranche entspricht“, so der der Gesundheitspolitiker. Mit einem Operationsverbot müssten harte Strafen bei Zuwiderhandeln gesetztlich verankert werden.
Ein Verbot von Tattoos und Piercings sei dagegen schwieriger. Viele Kinder Kinder und Jugendliche ließen sich ohne Einwilligung der Eltern tätowieren oder piercen lassen. „Selbstverständlich sollten wir dies unter Strafe stellen. Aber es ist in der Praxis sehr schwer zu kontrollieren, weil Tattoos und auch Piercings häufig im halblegalen Raum durchgeführt werden“, sagte Lauterbach.
Piercings fielen nicht in die Kategorie der wirklich sehr gefährlichen Eingriffe, Tätowierungen seien gar keine medizinischen Eingriffe. Trotzdem sollten nach seiner Ansicht flächendeckende Tattoos bekämpft werden. „Wir suchen im Moment nach Wegen, wie wir das am besten hinbekommen bei Kindern“, sagte er.AP/DPA/AFP/OC
Erschienen am 21.04.2008
















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