Medizin
Testosteron hilft gegen Multiple Sklerose
Freitag, 8. Oktober 2010 15:10Das männliche Hormon erweist sich in einer Studie als ungeahnt wirkungsvoll gegen den unheilbaren Verlauf der nervenzerstörenden Autoimmunkrankheit. Was bei Männern u.a. die Spermienproduktion reguliert, könnte bei Frauen jedoch zu haarigen Problemen führen.

Das Männlichkeitshormon Testosteron kann die Auswirkungen der Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS) mindern. Darauf weisen die Ergebnisse der Pilotstudie eines Wissenschaftlerteams an der Universität von Kalifornien in Los Angeles hin, die in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Archives of Neurology“ veröffentlicht wurde.
Darüber hinaus gewannen die Probanden durchschnittlich 1,7 Kilogramm Muskelmasse hinzu. Weiterhin verbesserten sich die Wahrnehmung und Auffassungsgabe der Probanden um etwa 5 Prozent infolge der Einnahmen. Im normalen Verlauf verschlechtert sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns mit dem Voranschreiten der Krankheit.
Die Behandlung mit dem Hormon sei von den Studienteilnehmern gut vertragen worden, schrieben die US-Forscher. Da durchschnittlich zweimal mehr Frauen als Männer an Multiple Sklerose leiden, vermuten die Forscher, das männliche Hormone eventuell den Krankheitsverlauf lindern oder sogar verhindern könnten.
Bei der Krankheit wendet sich das körpereigene Immunsystem gegen den eigenen Körper und zerstört die schützende Hülle der Nerven. Infolgedessen wird die Leitfähigkeit der Nervenbahnen vermindert und es kommt zum typischen Kribbeln, Spastiken, Lähmungen oder auch Sehstörungen.
Bislang noch nicht getestet wurde der Behandlungseffekt des Hormons bei erkrankten Frauen. „Theoretisch könnte es auch bei erkrankten Frauen wirken“, so Rhonda Voskuhl von der Universität Kalifornien. Die Nebenwirkungen - eine „Vermännlichung“ mit vermehrtem Bartwuchs und tieferer Stimmlage – schreckt jedoch Patientinnen ab.
Die Forscher wollen in weiteren Studien untersuchen ob mit Testosteron auch andere neurologische Krankheiten wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) auf diese Weise behandelt werden könnten.afp/hem
Erschienen am 16.05.2007
















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