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02.07.08

Drogen

Gefährliche Partydroge schlägt zu

Die Partydroge Liquid Ecstasy soll Glücksgefühle und Entspannung auslösen. Immer häufiger wird sie konsumiert. Doch die Wirkung der Substanz wird häufig unterschätzt. Ein paar Tropfen zu viel reichen aus, um sich in die Bewusstlosigkeit zu katapultieren. Im schlimmsten Fall kann es tödlich enden.

© dpa
Polizei Hamburg stellt Liquid Ecstasy sicher
Liquid Ecstasy wird meist als Flüssigkeit in kleinen Ampullen verkauft. Die Substanz ist farblos, geruchlos und schmeckt leicht salzig

Der Name ist mehr als irreführend. Liquid Ecstasy hat sowohl chemisch nichts mit dem bekannten Ecstasy zu tun, sondern hat auch eine völlig andere Wirkung. Um die Substanzen besser voneinander zu unterscheiden sollte man beim Liquid Ecstasy besser von GHB sprechen. GHB wird in der Medizin als intravenöses Narkotikum zum Beispiel bei Kaiserschnittentbindungen verwendet. Seit Ende der 1990er Jahre wird die Substanz verstärkt als Partydroge unter dem Namen Liquid Ecstasy genutzt.

Die Abkürzung GHB steht für Gamma-Hydroxybutyrat. Der Stoff wurde 1961 in Frankreich entdeckt und als Antidepressivum untersucht, erläutert das Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Freiburg. Populär wurde GHB in den 80er Jahren als Aufbausubstanz für Bodybuilder. Seit 2002 fällt es unter das Betäubungsmittelgesetz. Weitergabe und Besitz sind demnach verboten.

Nichtsdestotrotz wird GHB vor allem von Jugendlichen konsumiert. Es wird meist pur oder gemixt getrunken, sagt Marita Völker-Albert von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln. Wie häufig, ist allerdings nicht bekannt. "Wir gehen davon aus, dass das Problem weiter wächst", sagt Volker Auwärter von der Forensischen Toxikologie der Uniklinik Freiburg. Das liegt unter anderem daran, dass die GHB-Vorläufersubstanz GBL (Gamma-Butyrolacton) frei verkäuflich ist. Sie wird beispielsweise als Graffiti-Entferner verkauft.

"Das muss man sich mal vorstellen: Die Leute trinken freiwillig so ein Zeug", sagt Stephan Hog vom Verein Eclipse in Berlin, der sich für akzeptanzorientierte Drogenarbeit einsetzt – Drogen also nicht generell verteufelt, sehr wohl aber über die Risiken aufklären will. Seiner Ansicht nach ist GHB, auch wenn der Szenename Liquid Ecstasy anderes nahe legt, keine Partydroge. "Sie hat wohl bei einer niedrigen Dosierung eine euphorisierende Wirkung." Glücksgefühle und Entspannung werden beschrieben, es macht aber auch schläfrig.

Aufmerksamkeit erregte GHB als K.O.-Tropfen. Es gab Berichte, dass Frauen heimlich GHB ins Getränk gemischt wurde und sie anschließend vergewaltigt wurden. Grundsätzlich ist das denkbar, was an zwei Eigenschaften von GHB liegt. Es macht Lust auf Sex, und bei einer Überdosierung fallen die Leute in komaähnlichen Schlaf. "Wir haben Fälle erlebt, wo Leute beim Tanzen plötzlich einschliefen und umfielen", erzählt Hog. Darin sehen die Drogenexperten auch das größte Risiko. Kommt der Schlaf plötzlich, stürzen die Betroffenen und können sie sich dabei erheblich verletzen, sagt Auwärter. Bei einer Überdosierung leiden die Konsumenten zudem an Schwindel, Kopfschmerzen und Verwirrtheit, ihnen wird übel und sie müssen erbrechen. Wenn sie dann als Folge der Überdosis auch bewusstlos werden, können sie an dem Erbrochenen ersticken.

Das es zu diesem unerwünschten Effekt kommt, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Da bei GHB der Grat zwischen gewolltem Rausch und Überdosierung extrem schmal ist, sagt Auwärter. "Das passiert sehr leicht, wenn man ein bisschen mehr nimmt oder zwischen dem Konsum zu kurze Abstände liegen."

GHB wird meist als Flüssigkeit in kleinen Ampullen verkauft. Da die Leute nie wissen, wie hoch das angebotene GHB konzentriert ist, lässt es sich nicht genau dosieren, sagt Hog. Er vergleicht das Abmessen nach Gefühl mit Russischem Roulette.

Zwei weitere Merkmale von GHB sorgen dafür, dass es schwer ist, Vergewaltigungen nachzuweisen. Zum einen haben die Konsumenten nach einer Überdosis den sogenannten "Filmriss" und können sich nach dem Aufwachen an nichts erinnern. Zum anderen ist GHB im Blut nur rund vier Stunden messbar, im Urin zwölf Stunden. Haben Frauen also den Verdacht, dass sie unter GHB-Einfluss missbraucht wurden, müssen sie möglichst schnell einen Bluttest machen lassen – sonst ist der Nachweis nicht mehr möglich.

Stephan Hog warnt eindringlich vor einem Mix von GHB mit anderen Drogen. Hier sind die Folgen noch schwerer abzuschätzen. Auch wenn GHB nicht besonders toxisch ist, kann es aus den genannten Gründen sehr gefährlich werden, warnt Auwärter. "Wir hatten im vergangenen Jahr bereits vier Todesfälle im Raum Freiburg."

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