Klimawandel
Trinkwasser-Versorgung aus den Bergen bedroht
Die Erderwärmung bringt die Wasserspeicher der Anden, des Himalaya, aber auch der Alpen zum versiegen: Forscher warnen vor einem Teufelskreis, bei dem der Wasserverbrauch wegen der steigenden Temperaturen ständig steigt, während die Ressourcen schwinden. Auch in Deutschland dürften die Folgen zu spüren sein.
Der Klimawandel und direkte Eingriffe durch den Menschen lassen die Gebirgsketten weltweit austrocknen. Auf diese Trinkwasser-Reservoire sind jedoch etwa sieben Prozent der Menschheit angewiesen, wie eine Studie der Universität Bern ergab. Die Wasserversorgung durch die Rocky Mountains, die Anden, aber auch die Alpen oder den Himalaya sei gleichermaßen bedroht, betonten Geowissenschaftler aus Europa und den USA auf der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in dieser Woche in Wien. Daran nehmen 8000 Wissenschaftler und Pädagogen aus aller Welt teil.
Besonders betroffen werden Menschen in trockenen Regionen sein, doch auch Länder wie Deutschland oder Holland dürften die Folgen zu spüren bekommen. Angesichts der erwarteten klimatischen Veränderungen und des berechneten regionalen Bevölkerungswachstums könnte der Anteil der Menschen, die auf Gebirgswasser angewiesen sind, in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu 37 Prozent steigen, erwartet der schweizer Wissenschaftler Daniel Viviroli. "Wir können davon ausgehen, dass angesichts der steigenden Temperaturen und wachsender Trockenheit in den Niederungen - besonders in den semi-ariden Zonen - der Druck auf die Versorgung durch die Berge steigen wird", glaubt der Hydrologe.
Die Berge liefern über die Schnee- und Gletscherschmelze Jahr für Jahr überdurchschnittlich viel Wasser. "Im Vergleich zu einer Steppenlandschaften liegt der Faktor bei 2,6 und bei Trockengebieten sogar bei 7,2", erläutert Viviroli. Vor allem in solchen Gebieten wäre eine beständige Wasserversorgung also überlebenswichtig. Besonders in den höheren Regionen der Gebirge gibt es gewöhnlich mehr Niederschläge als im Flachland. In der kalten Jahreszeit fallen sie als Schnee und wirken damit, so Viviroli, wie ein "natürlicher Wasserturm", der das Trinkwasser gleichmäßig wieder abgibt. Selbst während trockener Sommer wird durch die Gletscherschmelze ein Teil als Schmelzwasser abgegeben, die Flüsse bleiben so gefüllt und bewässern stromabwärts gelegene Gegenden.
Doch der Klimawandel mit der zunehmenden Erwärmung bringt die Funktion der Gebirge ins Wanken. Nach verschiedenen, in Wien vorgestellten Studien nimmt der Abfluss aus Gebirgen bereits ab. In Afghanistan schrumpft die Zahl der rund 3500 Gletscher wegen der abnehmenden Niederschläge ständig, berichtete der US-Hydrologe Bruce Molina. Und nach einer Langzeituntersuchung der Universität von Savoyen (Frankreich) in den Alpen hat der Abfluss von Trinkwasser in den beobachteten Gebieten seit 1985 ohne direkten Eingriff des Menschen um 25 Prozent abgenommen; und dies - so die Hydrologin Carmen de Jong - bei einem ständig steigendem Verbrauch in den Ebenen.
Dies könne zu einem wahren Teufelskreis führen, bei dem der Wasserverbrauch wegen der steigenden Temperaturen ständig steigt, während die Ressourcen wegen der steigenden Temperaturen schwinden. Besonders betroffen dürften die Landwirte sein, die zur Lebensmittelproduktion schätzungsweise 70 Prozent des weltweit vorhandenen Trinkwassers benötigen. "Alle Bergregionen haben das gleiche Problem", warnt de Jong. Das Phänomen müsse deshalb weltweit angegangen werden. Bisher allerdings "gibt es dafür noch keine Wassermanagement-Strategien".
Weitere Informationen im Netz: http://meetings.copernicus.org/egu2008
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