07.04.08

Australien

35.000 Jahre altes Steinwerkzeug entdeckt

Wissenschaftler und Aborigine sind begeistert: Archäologen sind bei Ausgrabungen am Rande einer Eisenerzmine im Nordwesten Australiens auf mindestens 35.000 Jahre alte Steinwerkzeuge gestoßen. Der Fund sei eine Sensation und schließe große Wissenslücken über das Leben der ersten Australier.

Foto: AP
Uralte Steinwerkzeuge belegen, dass Teile Australiens früher besiedelt waren als angenommen
Uralte Steinwerkzeuge belegen, dass Teile Australiens früher besiedelt waren als angenommen

Zu den in einem ehemaligen Stammeslager am Rande einer Eisenerzmine gefundenen Objekten gehören ein Feuerstein sowie Hunderte kleinere Schneidewerkzeuge. Ein Aborigine-Oberhaupt und mehrere Wissenschaftler reagierten begeistert auf die Funde. Nachfahren der australischen Ureinwohner hatten die Ausgrabungen in die Wege geleitet.

Für Slim Parker, Stammesältester der Aborigine-Gruppe Martidja Banyjima, liefern die Funde den endgültigen Beweis dafür, dass seine Ahnen das Land bereits vor mehreren zehntausend Jahren erfolgreich besiedelt haben. "Ich bin ganz aus dem Häuschen, weil es jetzt nicht mehr von der Hand zu weisen ist", sagte er per Telefon aus Westaustralien. Die Ureinwohner hätten schon immer gewusst, dass ihre Vorfahren in der Region gelebt hätten. Aus überlieferten Erzählungen und Liedern gehe hervor, "dass das ein wichtiger Teil unserer Geschichte ist".


Die Fundstätte liegt 950 Kilometer nordöstlich der westaustralischen Stadt Perth im wenig erschlossenen Nordwesten des Landes. Aborigines hatten Archäologen von der Behörde für das Kulturerbe bestellt, damit diese auf dem Gelände des Minenbetreibers Rio Tinto nach Zeugnissen ihrer Vergangenheit suchen. Die Wissenschaftler bargen die Werkzeuge aus den unteren Bodenschichten eines ehemaligen Aborigine-Lagerplatzes in zwei Metern Tiefe. Neben den steinernen Objekten kamen auch Pflanzensamen und Baumrinde zum Vorschein.


Der Archäologe Neil Draper unterstrich die wissenschaftliche Bedeutung des Fundes. Die ältesten bislang in diesem Teil von Australien entdeckten Lagerstätten seien um die 20.000 Jahre alt gewesen. "Plötzlich sind wir in der Zeit von vor 35.000 Jahren angelangt. Wir schließen Erkenntnislücken über das Leben der ersten Australier in grauer Vorzeit", sagte Draper. Genauere Analysen der gefundenen Schneidewerkzeuge sollen Aufschluss über die Essgewohnheiten der Ureinwohner geben.

Die Tragweite der Entdeckungen betonte auch Iain Davidson, Archäologieprofessor an der University of New England im australischen Armidale. Sie lieferten einen Beleg dafür, dass Menschen bereits früher als bisher angenommen in die ariden Zonen Australiens vordrangen und sich an die dort herrschenden klimatischen Bedingungen anpassten. Die Erstbesiedelung der Pilbara-Region müsse offensichtlich zurückdatiert werden. "Sie lernten ziemlich schnell, dort zu überleben."

Minenbetreiber Rio Tinto unterbrach nach eigenen Angaben die Erweiterungsarbeiten an der Eisenerz-Mine "Hope Downs" für die Ausgrabungen. Das Unternehmen wolle seine Ausbaupläne ändern, um die Lagerstätte zu erhalten, hieß es.

Quelle: AP/OC
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