12.03.08

Medizin

Die seltensten Krebserkrankungen

Darm- und Lungenkrebs zählen in Deutschland zu den häufigsten Krebsformen. Doch kennt man weit mehr Krebsarten als diese. Einige davon treten eher selten auf und sind deshalb oft unbekannt. Morgenpost Online stellt die fünf seltensten Krebsarten in Deutschland vor.

Foto: dpa-Zentralbild
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Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin analysiert seit 1980 Daten der Krebsregister aus den einzelnen Bundesländern. Nun veröffentlichte das RKI seinen aktuellen Bericht zu den Krebserkrankungen in Deutschland, dessen neuste Zahlen aus dem Jahr 2004 stammen.

Addiert man die Zahlen der Neuerkrankungen 2004 bei Frauen und Männern, dann ist Morbus Hodgkin , früher auch Lymphogranulomatose genannt, die seltenste Krebsart. Sie macht etwa 0,5 Prozent der Krebsneuerkrankungen aus. "Bei den Erkrankten befinden sich im vor allem in den Lymphknoten sogenannte Sternberg-Reed-Riesenzellen", erklärt Prof. Wolf-Dieter Ludwig von der Berliner Robert-Rössle-Klinik. Morbus Hodgkin tritt besonders häufig im Jugendalter auf. Wie es zu dieser Erkrankung kommt, ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. Diskutiert werden angeborene oder erworbene Besonderheiten des Immunsystems und Infektionen durch Viren. Die Chance, die Krankheit zu überleben, liegt bei über 90 Prozent.

Kehlkopfkrebs ist die zweitseltenste Krebsart in Deutschland, wobei Männer deutlich häufiger erkranken als Frauen. Die Krankheit tritt um das 64. Lebensjahr herum auf. Wer viel raucht, dazu Alkohol konsumiert und wenig Obst isst, setzt sich einem besonders hohen Risiko aus. Arbeiter, die beruflich mit Asbest oder Nickel zu tun haben, sind ebenfalls gefährdet. Die Chance, Kehlkopfkrebs zu überleben, liegt bei rund 60 Prozent.

Dreimal so viele Männer wie Frauen erkrankten 2004 an Speiseröhrenkrebs . Bei Männern bricht die Erkrankung im Durchschnitt mit 65 Jahren aus, bei Frauen mit 70 Jahren. Die häufigen Plattenepithelkarzinome entstehen vor allem im mittleren und unteren Teil der Speiseröhre. Alkohol- und Tabakkonsum erhöhen auch beim Speiseröhrenkrebs das Risiko für eine Erkrankung. Indirekt spielen auch Fehlernährungen und Übergewicht eine Rolle. Da Speiseröhrenkrebs nur schwer zu diagnostizieren ist, liegen die Überlebenschancen nicht sehr hoch. Insgesamt haben sie sich jedoch in letzter Zeit verbessert.

Auch Schilddrüsenkrebs zählt in Deutschland zu den eher selteneren Krebsarten. An den vier unterschiedlichen Typen von Schilddrüsenkrebs erkranken deutlich mehr Frauen als Männer. Das Durchschnittsalter der Neuerkrankten liegt bei rund 55 Jahren. Gefährdet sind Menschen, die vor allem im Kindesalter ionisierender Strahlung, also z.B. radioaktiver Strahlung, ausgesetzt waren. Das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu sterben, ist gering. Es liegt bei etwa 10 Prozent.

Mit etwa 9100 Neuerkrankungen zählen auch die Leukämien zu den fünf seltensten Krebsarten in Deutschland. Dabei kommen die sogenannten chronischen Leukämieformen nur bei Erwachsenen vor. Die akute lymphatische Leukämie ist wiederum die häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. Alle Leukämien haben ihren Ursprung im Knochenmark. Die Auslöser der Erkrankungen sind weitgehend unbekannt. Ein ungenügendes Training des Immunsystems im Kindesalter wird als eine mögliche Ursache diskutiert. Auch könnten ionisierende Strahlung und bestimmte Chemikalien, wie etwa Benzol, die Auslöser von Leukämien sein. Kinder haben weit bessere Chancen eine Leukämieerkrankung zu überleben als Erwachsene.

Die Gefahr, an einer seltenen Krebsart zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. "Eine Krebserkrankung hängt jedoch von einer Vielzahl an Faktoren ab", sagt Prof. Ludwig. "Eine generelle Regel für seltene Krebsarten gibt es nicht."

Warum bestimmte Organe nur sehr selten von Krebs betroffen sind, versuchen die Mediziner aktuell zu erforschen. "Vermutlich ist beispielsweise das Herz deshalb nicht betroffen, weil der Blutfluss die Tumorzellen wegspült", erläutert Ludwig. Ansonsten sei bei allen Krebsarten das Milieu entscheidend für die Ansiedlung von bösartigen Tumorzellen. "Ein Aspekt ist dabei die Versorgung der Tumorzellen mit Nährstoffen durch die umliegenden Zellen." Die Forschung in diesem Bereich stehe noch am Anfang, so Ludwig. Darüber hinaus seien die Heilungschancen für seltene Krebsarten aber nicht schlechter als für häufige.

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