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19.07.07

Studie

Mangel an Pflegepersonal gefährdet Patienten

In den vergangenen Jahren sind Zehntausende Pflegestellen in Kliniken eingespart worden. Nun warnen Experten vor dramatischen Missständen: Operierte Patienten können nicht mehr in jedem Fall optimal versorgt werden. Eine Studie hat dazu Angaben aus mehr als 250 Kliniken ausgewertet.

© pa
PERSONNEL HOSPITALIER - HOSPITAL STAFF
Arbeitsbelastung des Personals steigt flächendeckend an: Patienten haben das Nachsehen

Der Abbau von Pflegepersonal in den Krankenhäusern gefährdet einer Studie zufolge zunehmend die Versorgung der Patienten. Seit 1995 seien rund 50.000 Pflegestellen in Kliniken eingespart worden, heißt es in einer in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip). Gleichzeitig müssten in den Kliniken jährlich rund eine Million Patienten mehr als vor zwölf Jahren medizinisch versorgt und gepflegt werden. Zugleich nehme die Pflege- und Betreuungsbedürftigkeit der Patienten zu. Im vergangenen Jahr hätten die Pflegekräfte so viele Überstunden geleistet, dass dafür rund 5000 Pflegekräfte mehr hätten eingestellt werden müssen.

Nach Einschätzung der Pflegedirektoren von mehr als 250 Krankenhäusern wirke sich die angespannte Personalsituation auf die Patientenversorgung aus. Umlagerungen, Übungen zur Herstellung der Bewegungsfähigkeit, Schmerzmittelverabreichungen und Überwachungen von operierten Patienten könnten nicht mehr in jedem Krankenhaus optimal gewährleistet werden, schreibt das Institut. "Wenn in jeder dritten Klinik die Mobilisation der Patienten, etwa nach einer Operation, häufig nicht mehr fachgerecht durchgeführt werden kann, dann ist das mehr als Besorgnis erregend", warnte Studienleiter Franz Weidner.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklärte, bei fast allen Berufsgruppen setze sich der Personalabbau in den Kliniken im vierten Jahr in Folge fort. Maßgeblich verantwortlich seien die seit Jahren gedeckelten Budgets, kritisierte Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Umso unverständlicher sei es, dass den Kliniken durch Spargesetze und den mit der Gesundheitsreform beschlossenen Sanierungsbeitrag rund 700 Millionen Euro entzogen würden.

Nach Ansicht des Katholischen Krankenhausverbands belegt die Studie eindrücklich, dass die Kostendämpfungspolitik im Krankenhaussektor zu Lasten der Mitarbeiter und Patienten geht. Der Punkt sei erreicht, an dem die Versorgungsqualität deutlich gefährdet sei. Die Krankenhäuser hätten keine Ressourcen mehr.

Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Klinikärzteverband Marburger Bund warnten vor einer Verlagerung originärer ärztlicher Tätigkeiten auf Pflegeberufe, wie dies Vertreter des Deutschen Pflegerates gefordert hatten. Die Behandlung und Heilung von Patienten könnten nicht von anderen ausgeführt werden; es dürfe keine "Medizin light" geben.

Quelle: rtr/oc
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