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10.02.12

Wetter

Als der Kalte Krieg in Berlin auf der Skipiste tobte

Vor 25 Jahren rüsteten West- und Ost-Berlin zur 750-Jahr-Feier der Stadt. Ein Höhepunkt: Der 114 Meter hohe Teufelsberg im Grunewald wurde zur Weltcup-Piste.

pa/dpa

Das Gebäude auf dem Teufelsberg im Berliner Stadtteil Charlottenburg diente Briten und Amerikanern im Kalten Krieg als Abhöranlage. Von hier aus konnten sie den Ost-Block bis in 700 Kilometer Entfernung belauschen.

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Große Kälte kann ja zu den merkwürdigsten Ideen führen. Zum Beispiel im Winter 1986/87, den zu übertrumpfen sich der aktuelle gerade anschickt, machte man in Berlin aus der Not, Frontstadt des Kalten Krieges zu sein, eine Tugend und erklärte sich zum Wintersportort, mit Weltcup, Weltstars und Ski-Hasen. So als wollte man nicht nur der Jahreszeit Tribut zollen, sondern auch dem Umstand, dass die ideologische Eiszeit einem neuen Höhepunkt zuzustreben schien.

Die 750-Jahr-Feiern Berlins standen vor der Tür. Und sowohl im West- als auch im Ost-Teil der Stadt rüstete man dafür. Bei der Suche nach immer ausgefeilteren Höhepunkten kam man im Westen auf die Idee, in den Ski-Circus einzusteigen. Schließlich liegt die zweithöchste Erhebung der Stadt (nach dem Großen Müggelberg im Osten) im Westen, im Grunewald. Und noch besser: Sie ist ganz und gar künstlich.

Gegen die Propaganda-Show der SED

Der Teufelsberg ist auch ein Ergebnis der Ideologien. In diesem Fall der nationalsozialistischen, die ein Trümmermeer hinterließ. Von 1950 bis 1972 wurden auf dem Gelände einer ehemaligen Gasanstalt 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt abgeladen, Reste von 15.000 zerbombten Häusern und am Rande eines Naturschutzgebietes gelegen. Amerikaner und Engländer nutzten die höchste Erhebung in ihren Sektoren, um eine Abhöranlage zu installieren. Daneben wurde am Südhang Wein angebaut, das "Wilmersdorfer Teufelströpfchen".

Hier sollte der Weltcup-Circus Station machen und damit ein deutliches Zeichen gegen die propagandistischen Pläne des SED-Regimes setzen, das zur 750-Jahr-Feier seinen urbanen Alleinvertretungsanspruch herauszustellen suchte. Das Gelände war ideal dafür. Rodelbahn, Sprungschanze und Schlepplift waren bereits vorhanden. Am 28. Dezember 1986 fanden sich 21 Spitzenathleten und 14.800 Zuschauer an der 400 Meter langen Piste ein. Ritter-Fräuleins heizten ihnen ein.

Nicht unbedingt zur Freude aller Beteiligten waren allerdings erschwerte Bedingungen zu meistern. Bei 4 Grad plus regnete es, Kunstschnee war in mühsamer Kleinarbeit aufgetragen worden. "Der schwerste Boden für mich", kommentierte DSV-Ass Markus Wasmeier den Parcours, der auch prompt in der ersten Runde ausschied.

Es ging um Weltcup-Punkte im Parallel-Slalom. Zahlreiche Stars stürzten sich die 82 Höhenmeter messende Piste hinab, darunter Slalom-Seriensieger Ingemar Stenmark aus Schweden und Slalom-Weltcupsieger Bojan Krizaj aus Jugoslawien. Doch am Ende sorgte der Österreicher Leonhard Stock für die große Überraschung, der Abfahrts-Olympiasieger von 1980 war nach langer Verletzungspause wieder in Form und besiegte im Finale auch noch Krizaj. "Das war eine Werbung von den Skisport", kommentierte der Schweizer Trainer Karl Frehsner, "sollte man wiederholen".

Sein Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Tatsächlich blieben die Veranstalter, die mit doppelt so vielen Zuschauern gerechnet hatten, auf einem satten Minus sitzen. Und Michael Eder aus Berchtesgaden freute sich zwar über seinen dritten Platz, übte aber heftige Kritik an den lokalen Fans: Deren Anfeuerungsrufe seien höchst "lau" gewesen.

Drei Jahre später hatte die Weltgeschichte die weltanschauliche Begründung für die alpinen Übungen in Berlin bekanntlich kassiert. Nach dem Fall der Mauer war eingetreten, worüber gegenwärtig viele Bewohner noch streiten: die Klimaveränderung, in diesem Fall zwischen den ideologischen Blöcken .

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