Britische Auktion
Chirurgenbesteck aus KZ wird doch nicht versteigert
Ein Aktionshaus hat die Versteigerung chirurgischer Instrumente aus dem KZ Theresienstadt abgesagt. Zuvor war eine Verwechslung des Besitzers bekannt geworden.
Wie Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebten. Die Ausstellung "Im Gedenken der Kinder" in der Berliner Topographie des Terrors zeigt Bilder, die Kinder in der psychiatrischen Abteilung der Charité malten.
Ein britisches Auktionshaus hat die geplante Versteigerung von chirurgischen Instrumenten aus dem KZ Theresienstadt abgeblasen. "Wir haben eine Menge E-Mails und Anrufe von Leuten bekommen, die mit der Versteigerung nicht einverstanden waren – daraufhin haben wir den Posten auf Anweisung der Polizei gestern Abend zurückgezogen", sagte eine Vertreterin des südwestenglischen Auktionshauses Villa Hall Auctions, Grace Cloke. Dass die Angaben zum Besitzer der Geräte umstritten sind, will sie nach eigenen Angaben nicht gewusst haben.
Villa Hall Auctions hatte die Versteigerung des Chirurgenbestecks, das angeblich dem früheren KZ-Kommandanten Anton Burger gehört haben soll, für Samstag angekündigt. Nach Recherchen von "Morgenpost Online" gehörte das Besteck jedoch nicht dem SS-Offizier, sondern stammte von dem fast gleichnamigen Anton Bürger, dem Inhaber einer Dresdner Fabrik für chirurgische und orthopädische Instrumente.
Auktionshaus habe von all dem nichts gewusst
Die Initialen AB auf jedem der Instrumente seien das Markenzeichen der Fabrik. Laut Cloke wusste das Auktionshaus von all dem nichts. Es habe nach gutem Glauben gehandelt, im Rahmen seiner Möglichkeiten aber eigene Recherchen unternommen.
Wie "Morgenpost Online" berichtet hatte, kamen zuerst dem Theresienstadt-Experten und Journalisten Roland Wildberg Zweifel an dem angeblichen Besitzer. Denn auf den Fotos von dem mit Samt ausgeschlagenen Holzkoffer mit dem Besteck sei klar lesbar "Anton Bürger" und "Dresden" eingeprägt gewesen.
KZ-Kommandant Burger aber stammte aus Österreich und habe niemals länger in Dresden gearbeitet.
Nach Angaben des Auktionshauses hatten Überlebende des Holocausts unter nicht ganz geklärten Umständen den Koffer mit den Instrumenten an sich genommen – die Schwiegertochter der Familie habe sie dann nach dem Tod ihres Mannes zur Versteigerung freigegeben. Das Chirurgenbesteck dürfte einem nach Theresienstadt deportierten jüdischen Arzt gehört haben.
Das heute in Tschechien liegende KZ Theresienstadt war ursprünglich als "Altersghetto" für deutsche Juden gegründet worden. 33.000 Juden starben dort, 88.000 wurden weiter in Vernichtungslager deportiert. Lagerleiter Anton Burger wurde nach dem Krieg zum Tode verurteilt, konnte aber untertauchen. Bis zu seinem Tod 1991 im Alter von 80 Jahren lebte er unter falscher Identität in Deutschland.
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