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09.02.12

Infektion

Schmallenberg-Virus verarbeitet Tierhirn zu Brei

Schafe, Rinder und Ziegen leben in deutschen Ställen derzeit gefährlich: Das Schmallenberg-Virus breitet sich immer weiter aus. Einen Impfstoff gibt es noch nicht.

© dapd
Mücken übertragen ein Virus in deutsche Ställe. Bei Rindern und Schafen waren hohes Fieber, weniger Milch und Lahmheit beobachtet worden
Mücken übertragen ein Virus in deutsche Ställe. Bei Rindern und Schafen waren hohes Fieber, weniger Milch und Lahmheit beobachtet worden

Da Schmallenberg-Virus verbreitet sich ungebremst: Seit November 2011 kommen immer mehr Lämmer, Ziegen und Kälber tot oder missgebildet zur Welt – oder sie sterben direkt nach der Geburt.

Das Friedlich Löffler Institut (FLI) für Tiergesundheit meldet täglich neue Fälle. Die aktuelle Bilanz: 377 Höfe und Ställe in 13 Bundesländern sind von dem Erreger betroffen, der durch Stechmücken übertragenen wird.

Am stärksten betroffen ist Nordrhein-Westfalen: Hier wurden in 161 Schaf- und sechs Ziegenhaltungen infizierte Tiere gezählt.

Blick ins Großhirn

Der Fötus infiziert sich höchstwahrscheinlich zwischen dem 25. und 45. Tag über das Muttertier. Bei Kälbern liegt die empfindliche Trächtigkeitsphase zwischen dem 55.und 110. Tag. Verdrehte Beine, verkürzte Halswirbelsäulen und deformierte Schädel sind die Nachweise der Krankheit. Im Labor offenbart ein Blick in das Großhirn: Wo normalerweise eine feste Substanz mit klaren Hirnwindungen wäre, findet sich nur eine breiige Flüssigkeit.

"Eine Seuche wäre es erst dann, wenn wie bei der Blauzungenkrankenheit nicht nur Lämmer, sondern auch Muttertiere sterben", erklärt ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

Dieses Detail ist wichtig, weil die Tierseuchenkasse den wirtschaftlichen Schaden der Schafzüchter, der laut einer Hochrechnung des Schafzuchtverbands Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr bei 280.000 Euro liegt, nicht kompensieren muss, wenn es sich "nur" um eine Tierkrankheit handelt. Die Hälfte der Entschädigungen der Tierseuchenkasse trägt das Land, die andere Hälfte der Tierhalter.

Nachweis auch in anderen Ländern

Ein Impfstoff kann frühestens bis 2013 entwickelt werden. Die Sprecherin des FLI, Elke Reinking, rät den Schaf- und Rinderzüchtern, bis dahin Schutzmittel gegen blutsaugende Insekten wie Gnitzen zu verwenden.

Laut FLI ist es unklari, ob es sich beim Überträger um einen Neueintrag dieses exotischen Virus' handle oder ob es bereits seit längerer Zeit bei Wiederkäuern in Europa vorkomme.

Auch den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Frankreich war das Schmallenberg-Virus nachgewiesen worden. Für Menschen besteht nach bisheriger Einschätzung kein Risiko.

Quelle: dapd/dpa/afu/cl
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