Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
28.10.11

Neurologie

Träume sind kein einfaches Schlafkino

Was im Schlaf und was in der Realität passiert, ist weniger weit voneinander entfernt als angenommen: Geträumte Bewegungen aktivieren das Gehirn ähnlich wie eine Handlung.

© pa / beyond
Im Traum beobachten wir nicht einfach nur passiv ein Geschehen
Im Traum beobachten wir nicht einfach nur passiv ein Geschehen

Ohne technische Hilfe die Lüfte zu erobern – im Traum wird das zur Wirklichkeit. Von hoch oben erscheinen Landschaften winzig, und der Träumende spürt förmlich den Wind an sich vorbeiziehen. Doch wie diese intensiv erlebten Bewegungen, Bilder und Gefühle in unserem Kopf entstehen, war für die Wissenschaft lange ein Rätsel.

Nun ist es Max-Planck-Forschern in Zusammenarbeit mit Kollegen der Berliner Charité gelungen, die Aktivität des Gehirns während des Träumens zu analysieren. Möglich wurde dies mithilfe sogenannter luzider Träumer. Das sind Menschen, die sich ihres Träumens besonders bewusst sind und deren Inhalte willentlich steuern können.

Seit einigen Jahren können bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) die Gehirnaktivität während des Schlafs sichtbar machen und genau lokalisieren. Doch die Analyse von Träumen war bislang dennoch schwierig: Welche Regung gehört zum Traum und welche nicht? Um zu erkennen, ob die Gehirnaktivität einen Traum widerspiegelt, mussten bisher der Zeitpunkt des Traums im Schlaf sowie der Inhalt bekannt sein.

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, der Charité und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben sich in ihrem Experiment die Fähigkeit luzider Träumer zunutze gemacht, bewusst zu träumen. Ihre Messungen zeigen nun, dass das Gehirn bei einer Traumhandlung ähnlich aktiv ist wie bei der tatsächlich ausgeführten Handlung im Wachzustand.

In ihrem Versuch legten sich neun "Klarträumer" im fMRT zur Ruhe. Dann träumten sie davon, zuerst die linke und dann die rechte Hand für zehn Sekunden wiederholt zu einer Faust zu ballen. Die Wissenschaftler maßen zunächst die Gehirnströme des Probanden mittels Elektroenzephalogie und konnten so den Eintritt in den Rapid-Eye-Movement-(REM-)Schlaf messen – einer Schlafphase, in der Träume besonders intensiv empfunden werden.

Die ab diesem Zeitpunkt im fMRT gemessene Aktivität des Gehirns spiegelte den vereinbarten "Traum" wider. So wird in den Bildern des fMRT deutlich, dass tatsächlich eine Region der sensomotorischen Großhirnrinde des Gehirns aktiviert wurde, die für die Ausführung von Bewegungen im Wachzustand zuständig ist. Auch wenn die wachen Probanden sich anschließend die Bewegung der Hand nur vorstellten oder sie ausführten, reagierte der sensomotorische Teil der Gehirnrinde ähnlich.

Die Übereinstimmung der gemessenen Gehirnaktivität von Traum und bewusster Handlung zeige, dass Trauminhalte gemessen werden könnten. "Wir können mit dieser Kombination aus Hirnströmen während des Schlafs, bildgebenden Verfahren und luziden Träumen jedoch nicht nur einfache Bewegungen im Traum untersuchen, sondern auch die Aktivierungsmuster im Gehirn, beispielsweise bei visuellen Traumwahrnehmungen, messen", sagt Martin Dresler, Schlafendokrinologe am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

"Unsere Träume sind also kein 'Schlafkino’, in dem wir lediglich passiv ein Geschehen nur beobachten, sondern schließen Aktivität in denjenigen Hirnregionen mit ein, die für die Traumhandlung relevant sind", erklärt Michael Czisch, Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Traum und Wirklichkeit sind folglich stärker verbunden als bislang angenommen. Es ist auch möglich, selbst zum "Klarträumer" zu werden, um den Verlauf der Geschichten der Nacht selbst zu bestimmen. Schlafexperte Dresler erklärt: "Diese Art des luziden Träumens kann man im täglichen Training erlernen, indem man sich häufiger mit dem Träumen beschäftigt und sich fragt: Bin ich wach oder träume ich?"

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Krebs
Impfung gegen Krebs

Forscher wollen Tumore künftig mit Vakzinen besiegen.

Video Nachrichten mehr
Kenia Explosion erschüttert Einkaufzentrum in Nairobi
Großrazzia Polizei verhaftet italienische Fußballprofis
Filmpreis Haneke mit "Goldener Palme" in Cannes…
Sicherheitsrat UN verurteilt Massaker in Syrien
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Berlin

Bunter Straßenumzug zum 17. Karneval der Kulturen

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote