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07.06.11

Infektionsrisiko

Experten prophezeien Krankheiten durch Blutsauger

Hiesige Mücken bringen meist nur juckende Quaddeln. Bedrohlich ist, dass fremde Arten sich in Deutschland immer wohler fühlen – und die übertragen Krankheiten.

dpa

Forscher am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg haben Sindbis-Viren bei Culex-Mückenarten (l.) in Baden-Württemberg gefunden. Auch die Tigermücke (r.) wurde bereits in Deutschland nachgewiesen. Der eingewanderte Blutsauger überträgt Krankheiten wie Dengue-Fieber oder den West-Nil-Virus.

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Vor dem Dengue- oder dem Westnilfieber müssen sich bislang vor allem Reisende in den Tropen und Subtropen schützen. Doch fremde Stechmückenarten, die die Erreger übertragen, fühlen sich auch in Deutschland immer wohler.

"In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden durch blutsaugende Insekten übertragende Erkrankungen sicherlich zunehmen", sagte Prof. Sven Klimpel, Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg (Märkisch-Oderland). "Die Lebensbedingungen für diese Insekten und Krankheitserreger wie Viren und Fadenwürmer werden aufgrund von Wetterextremen und Klimawandel immer besser."

Mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) und anderen Partnern wollen die Müncheberger in einem von der Leibniz-Gesellschaft finanzierten Projekt deutschlandweit erforschen, welche Mückenarten wo vorkommen und ob sie Viren übertragen können. Das Müncheberger Institut soll laut Klimpel künftig Anlaufpunkt für Fragen rund um Stechmücken werden.

Mittlerweile seien der KABS 48 einheimische und exotische Mückenarten in Deutschland bekannt, darunter auch der Japanische Buschmoskito und die Asiatische Tigermücke, die das Dengue-Virus übertragen kann, erklärte Klimpel. "Auch heimische Mücken der Gattung Culex könnten theoretisch Viren wie das Westnil-Virus übertragen, dies sollen jedoch die Untersuchungen zeigen", so der Experte.

In Nordamerika gab es vor wenigen Jahren Tausende Westnilfieber-Erkrankungen mit 500 Todesfällen. Das Virus war durch Zugvögel eingeschleppt worden. Mücken, die Vögel und Menschen stechen, verbreiteten es. In Europa habe es diese Erkrankungen bislang nur vereinzelt im Mittelmeerraum gegeben, sagte Klimpel.

Die Gefahr drohe nicht nur durch Exoten. "Bei einheimischen Stechmücken aus Süddeutschland haben Kollegen vom BNI und KABS 2009 und 2010 Sindbis-, Batai- und Usutu-Viren nachgewiesen", berichtet der Experte. Die aus Afrika und Asien stammenden Erreger könnten etwa Gelenkbeschwerden und hämorrhagische Fiebererkrankungen hervorrufen. Doch wie die Mücken an die Viren gelangten, sei noch unklar.

Von Krankheitswellen durch Stechmücken sei Deutschland bislang verschont geblieben. "Wir beginnen mit der Forschung noch rechtzeitig und arbeiten präventiv, weil sich alles erst entwickelt", betont der Wissenschaftler. Im Juli und August wollen die Insektenforscher deutschlandweit Mückenfallen aufstellen und Wetterdaten sammeln.

Die Müncheberger untersuchen unter anderem Berlin und Brandenburg. Klimpel geht davon aus, dass dort viele der bundesweit vorkommenden Mückenarten heimisch sind. Es könne aber sein, dass weitere Arten einfach noch nicht entdeckt worden seien.

Diese Regionen seien besonders interessant, da mit den großen Flüssen wie Spree, Oder, Neiße und den Seenlandschaften sehr gute Brutbedingungen für Stechmücken vorhanden sind. "In Müncheberg werden wir die Mücken morphologisch und molekularbiologisch bestimmen", erklärte Klimpel. Das Institut verfügt über eine der größten Insektensammlungen bundesweit.

Gleichzeitig werde untersucht, ob die Mücken Viren tragen. "Wenn ja, werden die Kollegen vom BNI in einem Hochsicherheitslabor verschiedene einheimische Arten züchten, ihnen mit Viren angereichertes Blut geben und untersuchen, ob sie die Viren auch übertragen können." In drei bis vier Jahren rechnet Klimpel mit verwertbaren Daten für eine deutschlandweite Mückenkarte.

Langfristiges Ziel ist ein Frühwarnsystem, möglichst mit der Verknüpfung der ebenfalls erhobenen Daten in Europa.

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Quelle: dpa/db
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