14.04.11

Sicherheitstechnik

Der Nacktscanner fällt im Praxis-Test durch

Die neuen Geräte sind im Testbetrieb am Hamburger Flughafen durchgefallen: Die Detektoren hielten Schweißflecken und Bügelfalten für verdächtig.

Foto: dpa
Körperscanner haben noch «Kinderkrankheiten»
Im vergangenen September wurden die Körperscanner am Hamburger Flughafen aufgestellt. Sie sollten bis Ende März getestet werden. Nun wird ihre Probezeit bis einschließlich Juli 2011 laufen

"Vertraue nicht auf die Maschine, nutze sie nur, um dir helfen zu lassen", rät Sicherheitsexperte Isaac Yeffet. Wenn es um die Terrorabwehr geht, kennt sich Yeffet aus. Er war stellvertretender Sicherheitsdirektor des Israelischen Auswärtigen Amts und von 1977 bis 1984 Sicherheitschef der Airline El Al.

Heute lebt er in New Jersey und berät seine Klienten, oft Luftfahrtunternehmen. Von Körperscannern hält er nichts. "Wir haben es mit klugen Gegnern zu tun", sagt Yeffet, "sie können die Technik, die wir einsetzen, verstehen und sie umgehen."

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dem vereitelten Terroranschlag des "Schuh-Bombers" Richard Reed und dem sogenannten "Unterhosen-Bomber" von Detroit im Jahr 2009 wurde an Flughäfen die Personenkontrolle verschärft. Unter anderem sollten dafür Körperscanner eingesetzt werden.

Seit vergangenem September stehen am Hamburger Flughafen Fuhlsbüttel nun zwei dieser gläsernen Kabinen. Der ehemalige Innenminister Thomas de Maizière war der Erste, der sich hatte durchleuchten lassen. Schon damals hatte das Ministerium darauf hingewiesen, dass im praktischen Test Kinderkrankheiten auftreten könnten. Eigentlich sollten die Scanner nur bis Ende März ausprobiert werden. Doch die Testphase geht nun bis einschließlich Juli in eine viermonatige Verlängerung. Es gab Probleme, beispielsweise in der Form von Bügelfalten. Der Scanner erkannte in den Stoffverdickungen in der Kleidung eine Gefahr.

Der Detektor erfasst auch nicht metallische Gegenstände. Flüssigkeiten kann er nicht durchdringen. So fand er auch Transpirationsflecken verdächtig. "Der Scanner findet alles. Das Problem ist nur, dass er noch nicht gut zwischen gefährlichen und ungefährlichen Gegenständen unterscheiden kann", sagt der Sprecher des Bundesinnenministeriums Markus Beyer.

Viele Passagiere mussten deswegen, nachdem sie durchleuchtet worden waren, vom Sicherheitspersonal mit dem Metalldetektor von Hand untersucht werden. Rund 480.000 Menschen haben sich freiwillig seit Beginn des Tests zum Foto in den Scanner gestellt. Das verlängerte die Wartezeit vor der Sicherheitskontrolle der Flughäfen.

Die Herstellerfirma, L-3 Communications in New York, hat nun eine neue Software entwickelt, der die Scanner genauso sicher, aber weniger empfindlich für knittrige Hemden und dunkle Flecken unter den Armen machen soll. Diese Software, so Meyer, musste zuerst im Labor ausprobiert werden und sich nun in den kommenden vier Monaten in der Praxis bewähren.

Die neue Programmierung soll die Funktionsweise des Scanners an sich nicht verändern – nur gründlicher anzeigen, was wirklich gefährlich ist. "Es geht darum, die aus Sicht der Passagiere überflüssige Nachkontrolle zu verhindern", sagt Meyer.

Wie der Scanner funktioniert

Denn das Herzstück der Körperscanner in Fuhlsbüttel funktioniert. Sie arbeiten mit elektromagnetischen Millimeterwellen, denen fast nichts entgeht. Diese liegen im Spektrum zwischen Infrarot- und Mikrowellen. Man weiß erst seit einigen Jahren, wie man diese Strahlung sichtbar machen kann. Angefangen, erklärt Uwe Ewert von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Berlin, habe alles mit Radar-Hubschrauberlandesystemen, die Piloten bei schlechter Sicht einsetzen. Die Menschen am Boden hätten, so Ewert, "komisch nackt" ausgesehen.

In der Weiterentwicklung lernten die Forscher, die Strahlen effektiv zu nutzen. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie die Strahlen in Scannern eingesetzt werden können. Bei der passiven Methode werden nur die Millimeterwellen sichtbar gemacht, die von Körpern und Gegenständen ohnehin ausgestrahlt werden.

In Hamburg werden aktive Systeme genutzt. Dabei scannt ein Millimeterstrahl den Körper ab, aus den reflektierten und gestreuten Strahlen wird ein Bild rekonstruiert, ähnlich dem Flugradar. Den Bauch im Scanner einzuziehen lohnt sich übrigens nicht. Die Darstellung ist aus ethischen Gründen schematisch. Die Stellen, an denen der Scanner eine Gefahr erkennt, werden auf einer Strichmännchenfigur farbig angezeigt.

Noch besser als die Millimeterstrahlung könnte sich die Submillimeterstrahlung, auch Terahertzstrahlung genannt, für die Sicherheitstechnik eignen. Denn viele Substanzen zeigen bei der Abtastung im Terahertzbereich charakteristische Spektren, was beispielsweise bei der sicheren Erkennung von Sprengstoffen helfen könnte. Allerdings werden solche Scanner noch nicht eingesetzt, denn sie sind noch zu teuer. An mehreren Stellen wird dazu in Deutschland und weltweit intensiv geforscht.

Die Millimeterstrahlung, das stellte die Bundesregierung vor dem Probeeinsatz der Körperscanner in Hamburg fest, ist nicht gesundheitsschädlich. Sie ist energiearm und dringt, anders als Röntgenstrahlung, kaum in den Körper ein. In Deutschland ist der Einsatz von Röntgenscannern aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt, sie darf nur zu medizinischen Zwecken an Personen eingesetzt werden. Als Sicherheitskontrolle werden sie beispielsweise im Hamburger Hafen eingesetzt, wo sie Container nach Sprengstoff und Drogen durchleuchten.

Auch Probleme mit amerikanischen Scannern

Wer aber in London Heathrow oder in 38 Städten in den Vereinigten Staaten ins Flugzeug steigen will, wird durch einen Röntgendetektor gehen müssen – oder sich, zumindest in den USA, alternativ einer Ganzkörperkontrolle durch einen Sicherheitsbeamten seines eigenen Geschlechts unterziehen müssen.

Die Röntgendetektoren funktionieren nach demselben Prinzip wie die deutschen Scanner, nur dass die Strahlen im kurzwelligen Bereich des elektromagnetischen Frequenzspektrums liegen. Anders als beim Arzt werden die Röntgenstrahlen bei der Untersuchung am Flughafen nicht durch den Körper hindurchgeschickt. Ein Strahl tastet den Körper lediglich ab, die Rückstreuung wird dann auf dem Monitor der Kontrolle sichtbar gemacht.

In einer Studie der University of Southern California in Los Angeles untersuchten Forscher die Strahlenbelastung durch amerikanische Scanner. Sie stellten fest, dass ein Passagier während des Sekunden andauernden Ableuchtens so viel Strahlung absorbiert wie in fünf Minuten außerhalb des Scanners, wo ihn andauernd natürliche radioaktive Gammastrahlung trifft.

Röntgenstrahlung ist energiereicher als Millimeterstrahlung und kann chemische Bindungen aufbrechen. Beim Röntgen können so Strahlen das Erbgut einer Zelle zerstören, was im schlimmsten Fall zu Erbkrankheiten oder Krebs führen kann.

Der Flug nach der Sicherheitskontrolle stelle aber ein hundert Mal größeres Strahlenrisiko dar als der Röntgendetektor, stellt die Radiologin Rebecca Smith-Bindman in der Studie fest. Allerdings hatte die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde, die Transportation Security Administration (TSA), der Ärztin verboten, die Bestrahlung direkt in den Detektoren zu messen.

Sie musste sich auf die Herstellerangaben verlassen. Smith-Bindman warnt, dass ihre Ergebnisse darauf beruhen, dass die Geräte wie in der Gebrauchsanleitung benutzt werden und einwandfrei funktionieren. Sei dies nicht der Fall, könne die Strahlung auch höher und damit gesundheitsschädlich sein.

Einem Bericht der Zeitung "USA Today" zufolge sei genau das an einigen Maschinen geschehen. In Wartungsprotokollen der Geräte seien zehnfach erhöhte Strahlenwerte aufgefallen. Die TSA macht Rechenfehler des Auftragsunternehmens, das die Messungen durchgeführt hatte, dafür verantwortlich.

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