Psychologie
Was am besten gegen schwere Aufschieberitis hilft
Fleiß ist eine deutsche Tugend – heißt es. Doch unter vielen Studenten grassiert eine Krankheit: die Aufschieberitis. Ein paar Tricks können dagegen helfen.
Von Nele Breitenstein
Viele Studenten dürften das kennen: Die Prüfung rückt näher, doch nichts geht voran. Statt zu lernen, spülen sie lieber Geschirr ab, schreiben E-Mails, surfen auf Facebook herum. Kurz vor dem Klausurtermin setzt die Panik ein und zwingt einen zu chaotischen Nachtschichten.
Prokrastination heißt dieses Phänomen in der Fachsprache. Dagegen hilft es, beim Lernen in kleinen Schritten vorzugehen. Denn mit einer Salamitaktik lässt sich der innere Schweinehund am besten überlisten.
Es klingt vielleicht nach einem Luxusproblem, wenn Studenten ihre Zeit vertändeln. Für Betroffene ist es das aber keineswegs, wie Prof. Fred Rist von der Uni Münster beobachtet hat. "Viele leiden erheblich unter ihrem Aufschiebeverhalten", sagt der Psychologie, der sich seit Jahren mit dem Thema befasst.
Chronisches Aufschieben kann der Studienkarriere schaden: Abgabetermine werden versäumt, oder der Bücherberg wächst, bis er nicht mehr zu bewältigen ist. Die Folge: Studenten haben permanent ein schlechtes Gewissen und sind unzufrieden mit sich selbst. "Daraus kann sich eine Depression entwickeln", sagt Rist. Um Betroffenen zu helfen, hat er 2009 an der Uni Münster eine Spezialambulanz für Prokrastinationsfälle eingerichtet. Dort lernen Studenten, sich realistische Ziele zu stecken, pünktlich anzufangen und ihre Arbeitszeit effizient zu nutzen.
Auch der Psychologe Hans-Werner Rückert kennt das Problem gut. Er leitet die psychologische Beratungsstelle für Studenten an der FU Berlin und hat ein Buch zum Thema geschrieben. "Viele Menschen haben tiefer sitzende Probleme, die zu einem Aufschieben führen", sagt er. Das könne eine verkappte Depression sein, übertriebener Perfektionismus oder Angst vor der Beurteilung durch andere. Kleine Tricks können dabei helfen, das Problem besser in den Griff zu bekommen.
Aufschieberei ist weit verbreitet Viele Studenten leiden unter "Aufschieberitis". Das zeigt eine repräsentative Studie der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Die Forscher haben 736 Studenten zu ihrem Lernverhalten befragt. Das Ergebnis: 58 Prozent schieben regelmäßig Arbeit vor sich her, 60 Prozent weichen ihr aus, indem sie stattdessen etwa Fenster putzen oder telefonieren.
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