20.01.11

Gynäkologie

Eizellspenden machen Schwangerschaft riskant

Frauen, die eine künstlichen Befruchtung mit fremden Eizellen erhalten haben, haben ein höheres Risiko für tödlichen Bluthochdruck in der Schwangerschaft.

Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Ge/Okapia
Medizin Gynäkologie Fortpflanzung

Endlich schwanger! Die 36-Jährige und ihr Lebenspartner hatten es geschafft – nachdem sie kaum noch Hoffnung auf ein eigenes Kind hatten. Mehrere künstliche Befruchtungen waren fehlgeschlagen, und so hatte sich das Paar schließlich für eine Eizellspende im Ausland entschieden. Mit den Samenzellen des Partners wurde die Eizelle einer fremden Frau befruchtet und der späteren Patientin eingepflanzt. Alles lief gut. Zunächst.

Doch nach der 16. Schwangerschaftswoche zeigte sich, dass der Fetus sich nicht ganz normal entwickelte, er wuchs nicht so gut wie andere Kinder in diesem Alter. Aber da es der Mutter und dem ungeborenen Kind ansonsten gut ging, war keine Behandlung notwendig.

Drei Wochen später aber wurde die werdende Mutter dann in die Frauenklinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin an der Uniklinik Aachen eingeliefert. Diagnose: Präeklampsie. Innerhalb kurzer Zeit war der Blutdruck der Frau auf Spitzenwerte von 120 zu 220 mmHg gestiegen, mit dem Urin schied sie Eiweiße aus. Ödeme und Pleuraergüsse traten auf, der Zustand der Frau verschlechterte sich zunehmend. Schließlich sammelte sich auch in ihrem Herzbeutel Flüssigkeit, die Herzklappen wurden angegriffen.

Den Ärzten blieb keine andere Wahl: Um das Leben der Mutter zu retten, musste die Schwangerschaft in der 20. Woche abgebrochen werden. Die Untersuchung des Fetus ergab bis auf das geringe Gewicht keine Auffälligkeiten, die Mutter erholte sich innerhalb von drei Monaten fast völlig.

Ulrich Pecks, Gynäkologe am Uniklinikum Aachen, musste in den Jahren 2008 und 2009 mehrere solcher schweren Verläufe von Präeklampsie behandeln. Drei von ihnen traten aber bei Frauen auf, die durch eine Eizellspende schwanger geworden waren. In allen drei Fällen war der Krankheitsverlauf so schwer, dass das Kind nicht gerettet werden konnte. Ein Zufall?

"Wir haben die Literatur gesichtet, um zu sehen, ob es mehrere Fallbeschreibungen von Schwangerschaftsbluthochdruck nach einer Eizellspende gibt", sagt Pecks. Insgesamt fanden er und seine Kollegen Nicolai Maass und Joseph Neulen 28 wissenschaftliche Arbeiten, bei denen 2308 Entbindungen nach einer Eizellspende beschrieben wurden. Viele von ihnen verliefen unauffällig, doch es gab auch Fälle von schweren Präeklampsie-Verläufen. Das Auswertung der Daten ergab: Offenbar ist das Risiko für die Mutter erhöht, nach einer Eizellspende einen Hochdruck zu entwickeln.

Ein Schwangerschaftsbluthochdruck tritt bei fünf bis sieben Prozent aller Schwangerschaften auf. Passiert dies erst nach der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche, dann also, wenn ein Ungeborenes zumindest theoretisch überlebensfähig ist, können Mutter und Kind meistens gerettet werden. Dennoch sterben mehr als 50?000 Frauen weltweit an dem Syndrom, es macht zwölf bis 18 Prozent der Müttersterblichkeit aus. Um dieser lebensbedrohlichen Komplikation einer Schwangerschaft also möglichst vorzubeugen, ist es wichtig, die Faktoren zu kennen, die sie begünstigen.

Nach der Metaanalyse der Aachener Mediziner, die heute im "Deutschen Ärzteblatt" veröffentlicht wird, ist eine Eizellspende offenbar so ein Faktor. "Das widerspricht allerdings den bisherigen Annahmen", sagt Pecks. "Danach ging man davon aus, dass eine Eizellspende das Risiko für eine Präeklampsie, also einen Bluthochdruck, nicht erhöht. Doch jetzt zeigt sich, dass das nicht stimmt", sagt Pecks. Warum nach einer Eizellspende die Komplikationen aber höher sind als beispielsweise bei einer "normalen" In-vitro-Befruchtung, also einer künstlichen Befruchtung, bei der der Frau die eigenen und keine fremden befruchteten Eizellen eingesetzt werden, ist unklar. "Es könnte etwas mit dem Immunsystem zu tun haben", sagt Pecks. Genau weiß das aber bisher niemand.

Was auch niemand weiß, ist, wie viele Frauen nach einer Eizellspende überhaupt Probleme haben. In Deutschland ist dieses Verfahren bislang verboten. Schwangere, die im Ausland eine Eizellspende erhalten haben, werden nach den Richtlinien des Mutterschutzes aber in deutschen Kliniken betreut. "Viele Frauen sagen dann natürlich nicht, dass sie durch eine Eizellspende im Ausland schwanger geworden sind", sagt Pecks. Er auf Nachfrage geben sie es zu.

1983 wurde die erste Eizellspende vorgenommen, zunächst lief diese Form der Schwangerschaftsunterstützung schleppend an. In Deutschland ist sie, da gesetzlich verboten, auch heute nicht die Regel: Von allen Schwangerschaften in Deutschland sind etwa zwei Prozent durch eine künstliche Befruchtung zustande gekommen. Und nur ein Bruchteil von diesen ist eine künstliche Befruchtung mit Eizellspende.

"Dennoch gibt es diese Fälle auch in unseren Kliniken", sagt Pecks. "Ärzte sollten gezielt nachfragen, ob eine künstliche Befruchtung mit einer Eizellspende durchgeführt wurde. Nur so können sie die Risiken für die werdende Mutter und das ungeborene Kind richtig einschätzen."

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