Gewaltiges Gebirge
Neun Kilometer tiefe Schluchten auf dem Mars
Die Kamera an Bord des "Mars Express" hat sensationelle Bilder nach Hause gefunkt. Auch die USA schicken demnächst eine Sonde dorthin.
Das Kamerasystem HRSC hat einen Blick von Südwesten nach Nordosten über den nördlichen Teil von Melas Chasma, einem Teil des Grabenbruchsystems Valles Marineris, erfasst.
Beim Grand Canyon scheint der Schöpfer nur geübt zu haben: Etwa 1700 Meter fallen die Felsen zwar vom umgebenden Colorado-Plateau zum Colorado River ab, doch im Vergleich zu den Verhältnissen auf dem Mars ist das auf dem Niveau einer Übung. Die Gräben des 4000 Kilometer langen Talsystems Valles Marineris auf dem Nachbarplaneten hingegen sind mehr als 9000 Meter tief.
Aufnahmen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt demonstrieren die Verhältnisse. Entstanden sind die Bilddaten mithilfe der 3D-abbildenden Kamera HRSC an Bord der Sonde "Mars Express" aus 470 Kilometer Höhe. Die Sonde der europäischen Raumfahrtagentur Esa umkreist den Mars seit Dezember 2003. Da misst ein Bildausschnitt schon mal 200 mal 100 Kilometer– etwa so groß wie Rheinland-Pfalz.
Auf den Aufnahmen identifizierten die Forscher Fließstrukturen, die von Gewässern gegraben worden sein müssen. Auch geschichtete Ablagerungen von Gips (Kalziumsulfat) und Kieserit (Magnesiumsulfat) fanden sich, die in einem stehenden Gewässer entstanden sind. Außerdem entdeckten die Forscher Spuren einen gigantischen Hangrutsch; mehrere Kubikkilometer Gestein und Geröll hinterließen am Boden des Tales einen sogenannten Schuttfächer.
USA schicken neue Forschungssonde los
Die US-Weltraumbehörde Nasa will das Rätsel um die verlorene Atmosphäre des Mars lösen. Sie gab kürzlich grünes Licht für eine Mars-Mission, die ab 2013 die Frage klären soll, ob der Nachbarplanet der Erde einmal eine schützende Atmosphäre besessen hat. Diese hätte ihrerseits die Entstehung von Lebensformen begünstigen können. Damit solle "eine große Wissenslücke" über den Mars geschlossen werden, erklärte die NASA.
Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass der Mars "einmal eine dichtere Atmosphäre hatte, die das Vorkommen flüssigen Wassers auf der Oberfläche begünstigte", erklärte die Nasa. Zu diesen Hinweisen zählten flussbettähnliche Strukturen auf dem Mars sowie Mineralien, für deren Entstehung Wasser in flüssiger Form nötig sei. Ein Großteil der Atmosphäre könnte durch Klimaveränderungen verloren gegangen sein.
Die Mission mit dem Namen Maven (" M ars A tmosphere and V olatile E volutio n ") soll nach Nasa-Angaben im November 2013 starten. Die Kosten des Projekts werden auf 438 Millionen Dollar beziffert. "Dieses Projekt ist eine wichtige Ergänzung für frühere, gegenwärtige und zukünftige Mars-Missionen", sagte Michael Meyer vom Marsprogramm der Nasa in Washington.
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