Universum
Stephen Hawking stellt sich gegen Gott und Newton
Da hat auch der Besuch bei Papst Benedikt XVI. nicht geholfen: Stephen Hawking stellt in seinem neuen Buch den Schöpfer in Frage.
Von Ulli Kulke
"Fragen nach Gott und meinem Glauben mag ich nicht". So verweigerte Stephen Hawking – der berühmteste lebende Physiker und Kosmologe – mal im Interview eine Antwort. Ins Spiel bringt der Allforscher den Allmächtigen dennoch, immer wieder. Eines seiner letzten Bücher, "Eine kurze Geschichte der Zeit", handelte von einer ultimativen Theorie, die die Existenz Gottes nahe legte.
Nun aber, in seinem neuesten Werk ("Der große Entwurf"), stellt er die These auf, die Entstehung des Universums habe der Hand Gottes nicht bedurft: "Weil es das Gesetz der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selbst aus dem Nichts erschaffen", heißt es jetzt. "Spontane Schöpfung" sei der Grund, "warum es statt dem Nichts doch etwas gibt".
Damit stellt sich Hawking nicht nur gegen Gott, sondern auch gegen seinen Vorgänger Isaac Newton. Der begann, als ihm ein Apfel auf den Kopf gefallen war, die Schwerkraft zu erforschen, und kam zum Ergebnis, gerade solche Naturgesetze seien der Beleg dafür, dass das Universum nicht von allein entstanden sein könne – der Angriff aus dem Apfelbaum als Gottesbeweis.
Vor zwei Jahren war Hawking bei Papst Benedikt. Auch der hat wohl seinen Meinungsumschwung nicht abwenden können. Doch letztlich sind seine Volten, Gott ja, Gott nein, dem Umstand geschuldet, dass das Physik-Genie sich vor allem durch eine geniale Schreibe auszeichnet, sein populärer Stil sich nicht an Experten sondern an Jedermann wendet. Und für den hat die Frage nach dem Schöpfer eben ähnliche Anziehungskraft wie seine Warnungen vor Außerirdischen oder seine Überlegungen zu einem Paralleluniversum, in dem er Marilyn Monroe heiratet. Gott als Verkaufsschlager wie man es sonst dem Sex nachsagt. Warum nicht?
Und läge tatsächlich "Das Universum in der Nussschale", wie ein anderer Buchtitel von ihm nahe legt, könnte es ja doch sein, dass uns jemand von außen beobachtet, mit göttlichem Vergnügen.
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