Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
20.07.10

Technik

Software will die echten Experten im Internet finden

Vielschreiber im Internet haben nicht unbedingt auch wirklich Ahnung. Eine Software will die Plappermäuler von den echten Experten unterscheiden.

pa

... als er aus dem Urlaub zurückkam, sah er, dass Teile seiner Bakterienkulturen durch einen Schimmelpilz abgetötet wurden.

10 Bilder

Das Internet unterscheidet sich nicht vom wirklichen Leben: Es gibt überall kluge und weniger kluge Menschen. Jetzt hat ein Informatiker eine Software entwickelt, um die Experten anhand ihrer Aktivitäten in der Netz-Community zu erkennen.

"Wir möchten in unseren Netzwerken diejenigen Kontakte erkennen, die uns am besten dabei helfen, uns auf wesentliche Informationen zu konzentrieren", erklärt Michael Noll zum Forschungsanliegen seiner Doktorarbeit, die er beim Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam und an der Universität Luxemburg eingereicht hat. Am Beispiel von delicious.com, einem Portal zur Verwaltung und Empfehlung von Internet-Bookmarks, entwickelte Noll einen Algorithmus ( ein in Einzelschritte aufgeteiltes Verfahren für eine bestimmte Aufgabe ) zur Bewertung von Expertentum. Das funktioniert so ähnlich wie der PageRank von Google: Dieses Verfahren berücksichtigt unter anderem die Anzahl und den Stellenwert von anderen Webseiten, die auf ein bestimmtes Internet-Angebot verlinken.

Noll erfasste für seine Formel mehrere Millionen Aktionen bei delicious.com – das Eintragen eines Weblinks und die Ergänzung um bestimmte Tags, also Stichwörter. Zu bestimmten Wissensbereichen wie dem "semantischen Web" erfasste er insgesamt mehr als 100.000 Benutzer. Mit einer Webanwendung registrierte er, welche Anwender welche Webseiten als erste gespeichert haben – und welche Nutzer dann diesem Beispiel folgten.

"Wenn viele Benutzer das gleiche tun, finden wir heraus, wer in einer Community der Experte für verschiedene Wissensbereiche ist", erklärt Noll. Das zusammen mit Professor Christoph Meinel und britischen Kollegen entwickelte Programm liest die Expertise eines Nutzers daran ab, wie hoch die Qualität der von ihm gefundenen und mit Tags erschlossenen Webseiten ist. Die Qualität der Webseiten wird wiederum daran gemessen, wie viele diese als interessant oder hochwertig bezeichnen.

Diesem Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, dass "ein Experte gute Informationen schneller findet als der durchschnittliche Benutzer". Und "wenn viele Benutzer das gleiche tun, merken wir, dass der erste Nutzer offenbar recht hatte".

Die Software trägt die Bezeichnung Spear ( ) als Abkürzung für "Spamming-resistant Expertise Analysis and Ranking" (Spam-resistente Analyse von Bewertung von Expertise). Das Programm erhebt den Anspruch, dass es nur mit großem Aufwand ausgetrickst werden kann, etwa von Spammern – also Personen oder Firmen, die massenhaft unerwünschte Werbemails versenden. Ein Angreifer könne den Algorithmus nur mit viel Mühe aushebeln, erklärt Noll. "Ein Spammer, der kein Experte ist, kann sich kaum an die Spitze des Feldes manipulieren."

Die Spitze des Feldes, das sind Internet-Nutzer mit dem Expertenwert 1 oder knapp darunter. Wer von der Software mit dem Wert 0 eingestuft wird, hat zumindest in diesem Wissensbereich keine Ahnung. Bei einer Spear-Analyse zur Webanwendungssprache JavaScript ergab sich, dass zwei professionelle Software-Entwickler die höchsten Werte erhielten – und dass auf den ersten 200 Plätzen kein einziger Spammer zu finden war.

"Unser Ansatz kann deutlich erweitert werden", sagt Noll, "auch über das Social Web hinaus." So lässt sich der Algorithmus auch darauf ansetzen, wie oft Wissenschaftler publizieren und ihre Werke wechselseitig zitieren. In einem nächsten Schritt will sich Noll aber zunächst der Twitter-Community zuwenden und Fragen beantworten wie: "Gibt es unter meinen Followern besondere Experten? Welche sind eher irrelevant? Und wer leitet Informationen von mir weiter?

Auf der Grundlage von Projekten wie Spear lassen sich viele Szenarien vorstellen, um die Informationsflut im Netz besser kanalisieren zu können. Suchmaschinen für Webseiten und andere Dokumente können das auf Dauer nicht leisten. Wenn Daten aus den Sozialen Netzwerken einbezogen werden, ergeben sich neue Möglichkeiten.

"Im Zeitalter großer Datenmengen und der Informationsflut ist es für jede Plattform, die relevant sein will, von entscheidender Bedeutung, wenn man sich bei der Suche nach Erkenntnissen auf Experten und persönliche Beziehungen verlassen kann", erklärt Vik Singh, der sich auf Fragen zur Zukunft der Internet-Suche spezialisiert hat und bei der US-Investmentfirma Sutter Hill Ventures tätig ist. "Spear bietet einen vielversprechenden Ansatz für solche intelligenten Informationssysteme."

Quelle: dpa
Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Krebs
Impfung gegen Krebs

Forscher wollen Tumore künftig mit Vakzinen besiegen.

Video Nachrichten mehr
Kenia Explosion erschüttert Einkaufzentrum in Nairobi
Großrazzia Polizei verhaftet italienische Fußballprofis
Filmpreis Haneke mit "Goldener Palme" in Cannes…
Sicherheitsrat UN verurteilt Massaker in Syrien
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Berlin

Bunter Straßenumzug zum 17. Karneval der Kulturen

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote