Nikotin-Abhängigkeit
Tabakfirmen sollen Frauen gezielt süchtig machen
Weltweit rauchen rund 200 Millionen Frauen: Die WHO wirft nun Tabakkonzernen wie BAT, Japan Tobacco International und Philip Morris vor, Frauen durch gezielte Werbung in die Nikotinabhängigkeit zu führen. In der Werbung werde das Rauchen als "glamourös und sexy" oder als Schlankheitsmittel dargestellt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wirft der Tabakindustrie vor, Frauen durch gezielte Werbung in die Nikotin-Abhängigkeit führen zu wollen. Firmen wie BAT, Japan Tobacco International und Philip Morris stellten das Rauchen in Anzeigen als "glamourös und sexy" oder als Schlankheitsmittel dar, warnte die WHO anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai.
Zudem versuche die Industrie die Frauen davon zu überzeugen, dass Rauchen ein Akt der Befreiung von männlicher Dominanz sei. Nach WHO-Angaben rauchen weltweit rund 200 Millionen Frauen (neun Prozent aller Frauen) und 800 Millionen Männer (40 Prozent).
Vor allem in den armen Ländern sähen Tabak-Firmen in der weiblichen Bevölkerung ein riesiges Potenzial neuer Kunden. Die Unternehmen investierten dort große Summen, um Menschen in die Nikotinsucht zu ziehen. Die Strategie der Unternehmen zahle sich bereits aus.
In der Hälfte von 151 untersuchten Ländern zeige sich, dass die Zahl der Raucher unter Jungen und Mädchen in etwa gleich groß sei. Alles anderes als gleich groß sind dagegen die Gefahren von Gesundheitsrisiken.
Laut WHO leiden Raucherinnen häufiger unter Brustkrebs als Nichtraucherinnen und haben ein erhöhtes Osteoporose-Risiko. Rauchen während der Schwangerschaft erhöhe das Risiko von Totgeburten, des Kindestodes kurz nach der Niederkunft und von Frühgeburten.
Auch erhöhe sich bei Raucherinnen das Risiko der Unfruchtbarkeit. Rauchertypische Krebserkrankungen der Frauen haben erheblich zugenommen, warnen auch die Statistiker. Als Todesursache hätten sich diese Krebserkrankungen innerhalb von zehn Jahren sogar nahezu verdoppelt: So seien 2008 durchschnittlich 31,2 Frauen je 100.000 Einwohner an vom Rauchen verursachten Krebs gestorben.
Bei den Männern blieb der Anteil im Vergleichszeitraum zwar etwa gleich, mit 76,4 auf 100.000 Einwohner waren es aber immer noch mehr als doppelt so viele wie bei den Frauen. Doch auch durch Passivrauchen sterben den Angaben zufolge zudem mehr Frauen als Männer: Von den jährlich 430.000 Todesopfern seien fast zwei Drittel weiblich. Insgesamt sterben jedes Jahr laut WHO rund fünf Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens.
Der Kampf gegen den blauen Dunst zeigt nur allmählich Wirkung. Öffentliche Rauchverbote, wachsendes Gesundheitsbewusstsein und Imageverlust von Nikotinabhängigen lassen den Anteil der Nichtraucher recht langsam steigen: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Bundesbürger gaben bei der Haushaltsbefragung Mikrozensus 2009 an, Nichtraucher zu sein.
Das ist nur ein Prozentpunkt mehr als vier Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Einen Trend sehen die Fachleute jedoch, weil weniger junge Leute rauchen. Unabhängig vom Alter falle es Frauen schwerer als Männern, das Rauchen aufzugeben, warnen sie.
Das Einstiegsalter für den ersten Glimmstängel ist im Vierjahresvergleich gesunken, von 18,0 auf 17,8 Jahre. "Vermutlich fangen viele früher an, hören aber auch früher wieder auf", erklärt Karin Lange, die für Gesundheitsfragen beim Mikrozensus zuständig ist.
Denn: "Der Nichtraucheranteil ist vor allem in den jüngeren Altersgruppen gestiegen." Gemeint sind die 15- bis 24-Jährigen. Der höchste Raucheranteil findet sich dagegen bei den 25- bis 29- Jährigen. In diesem Alter greifen auch besonders viele Frauen zur Fluppe.
Mit zunehmendem Alter rauchen dann wieder weniger. Am seltensten zünden sich Seniorinnen ab 75 Jahren eine Zigarette an. Fast 80 Prozent aller Frauen in Deutschland kommen laut Statistischem Bundesamt ohne Tabak-Genuss aus.
Die Techniker Krankenkasse (TK) betont auch die Gefahren des Passivrauchens. "Vielen ist nicht bewusst, dass Nichtraucher, die Tabakrauch aus der Raumluft einatmen, die gleichen Erkrankungen wie Raucher erleiden können", warnt Jana Flommersfeld von der TK Hessen in Frankfurt.
Wer regelmäßig dem blauen Dunst ausgesetzt sei, habe ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Die TK lehne daher die Aufweichung des Nichtraucherschutzgesetzes wie in Hessen ab.
Denn: Eine Studie zeige, dass in Toronto seit der Einführung des Rauchverbots 1999 deutlich weniger Menschen mit Herz- Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie mit Atemwegserkrankungen in die Notaufnahme der Krankenhäuser gebracht worden seien.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Sucht: Kleinkind raucht Kette – Ermittlungen gegen Eltern
- Gesundheit: Rauchern fallen mehr Zähne aus
- Neurologie: Gene bestimmen den Kettenraucher
- Psychologie: Frauen rauchen aus anderen Gründen als Männer
- Rauchen: Wie die Tabaklobby die Politik beeinflusst
- Nikotin: Rauchen schwächt Gedächtnis und Gehör
-
10:15Israel-Besuch: Gauck besorgt über Haltung vieler Deutscher zu...
-
09:38Staatsbesuch in...: Gauck nennt Irans Atomambition "konkrete Gefahr"
-
09:22Unsicheres Umfeld: Jede fünfte Firma denkt an Abwanderung aus China
- 1. EM-Kader Löw schickt Cacau, Draxler, ter Stegen und Bender heim
- 2. Auktion Elvis Presleys Grabstätte wird versteigert
- 3. Befreit Deutsches Mädchen in Bosnien acht Jahre als Sklavin gehalten
- 4. Wettmanipulationen Großrazzia erschüttert den italienischen Profi-Fußball
- 5. Mit Droge getötet Mutmaßlicher Darkroom-Mörder gesteht weitere Taten














