16.04.10

re:publica 2010

13 Gründe, warum das Internet nervt

Das Internet nervt. Finden selbst die mitunter, die sich sehr häufig damit beschäftigen. Einer von ihnen ist Blogger Felix Schwenzel aus Prenzlauer Berg. Zum Abschluss der Konferenz re:publica trug er seine Thesen im Quatsch Comedy Club vor.

Foto: dpa/DPA

Der gewaltige Saal war gut gefüllt - zusätzlich gibt es weitere Veranstaltungsorte der Veranstaltung, die bis zum 16. April läuft.

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Felix Schwenzel hat ein paar Probleme. Nach professionellen Kriterien pflegt er seine Website schlecht: Inkonsequente Verschlagwortung, die Kategorien na ja, kein Archiv. Ein bisschen Adipositas hat er auch, gibt er selbst zu, aber das tut ja nichts zur Sache. Und wirre Haare. Was wiederum zum Namen seiner Seite http://wirres.net/ passt, die allerdings recht aufgeräumt wirkt. Auch Vorträge halten kann er nach Angaben der re:publica nicht.

Trotzdem haben ihn die Macher von Deutschlands größter Blogger-Konferenz eingeladen, damit er über das Internet spricht. Schließlich schreibt der 36-Jährige seit zehn Jahren und ist nach dem Architekturstudium seit zwei Jahren fest angestellter Web-Entwickler. Einer also, der sich auskennt. Im Berliner Quatsch Comedy Club versucht er die Frage zu beantworten, "Warum das Internet scheiße ist". Und da ist das nächste Problem: Er findet beinah keine Antwort. Dabei sollte er mindestens zehn liefern, die erklären, warum man das Netz hassen kann.

Aber immerhin, es gibt Dinge, die ihn nerven. Sogar mehr als zehn:

1. "Leute, die nerven, nerven." Sagt er. Laut turi2 seien die größten Nerver Stefan Niggemeier, Rainer Meyer (Don Alphonso) und – Felix Schwenzel.

2. Logische Folge. "Peter Turi nervt". Gelächter im Saal.

3. SPAM – "Alles was mit PR zu tun hat – und Blogger, die aus Pressemitteilungen nicht die Adjektive rausstreichen."

4. Kommentare

5. Der Ausspruch "Bloggen ist punk".

6. "finnische Clubs". Offenbar ein Insider-Witz, es wird jedenfalls gelacht im Comedy Club. Oder liegt's am Ort?

7. "Kommerzialisierung". Ach nein, "Adnation" sage man ja jetzt.

8. Leute nerven, die "der" Blog sagen. ("Leute, die anderen verbieten, "der" Blog zu sagen, nerven allerdings auch")

9. Der Hinweis: "Das Video ist in Deinem Land nicht verfügbar". Schwenzel zeigt das Testbild des ZDF in Erinnerung an monopolistische Zeiten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Es habe sich nicht viel verändert – nur: "Früher war's noch schlimmer."

10. Flash. "Sowieso – oder?" Murmelt da jemand zustimmend?

11. Zeitungen, die über das Internet schreiben.

12. Internet ist kompliziert: "Ältere Frauen mit Hut können das Internet noch immer nicht bedienen."

13. Twitter Mods. (Schwenzel pflastert ein Profil-Bild mit den kleinen Icons zu.)

13 Gründe also, warum das Internet nervt. Die Ausgangsfrage ist damit noch nicht beantwortet. Findet selbst Schwenzel. Was auch immer im Internet kritisiert werde - dass es verblöde, die Kultur zerstöre oder gefährlich sei - finde seine Entsprechung in der richtigen Welt. Folglich: "Wer das Internet kritisiert, kritisiert eigentlich die Welt."

Das große Finale rückt näher. Und die fällt grundsätzlich aus: "Warum ist das Internet scheiße? Weil die Welt scheiße ist."

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