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23.03.10

Tiersterben

Im Winter qualvoll erstickt oder verhungert

Der Frühling bringt es an den Tag: In manchen Gewässern wie am See in Rangsdorf mussten gleich tonnenweise Fischkadaver aus dem Wasser gezogen werden. Die Tiere waren unter der Eisdecke mangels Sauerstoff verendet. Aber auch Muscheln, Frösche und jede fünfte Biene in Deutschland haben die lange Kältewelle nicht überlebt.

© dpa
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Der lange Winter hat in vielen Seen und Teichen die Fische sterben lassen. Mit dem Abtauen der Eisdecken kämen die wegen Sauerstoffmangels verendeten Tiere jetzt an die Oberfläche, sagte der Naturschutzreferent beim Landesfischerei- und Landesanglerverband in Mecklenburg-Vorpommern, Andreas Schlüte. "Wir haben da ein richtig großes Problem."

Die Angler würden an ihren Pachtgewässern die toten Fische einsammeln. Die Entsorgung sei noch nicht geklärt. Unklar ist bislang auch, wer dafür bezahlen soll.

Von dem Fischsterben sind zumeist kleine, flache, stehende Gewässer betroffen. Bei der Fischerei Müritz-Plau GmbH in Waren hieß es, die wichtigsten der von ihr bewirtschafteten Gewässer wie Müritz, Kölpinsee und Plauer See seien so groß und durchströmt, dass das Fischsterben bislang kein Problem sei. Allerdings seien noch nicht alle der knapp 100 Seen eisfrei. Auch am Schweriner See gab es keine Klagen von Fischern. Dagegen wurden am Ufer des Siedenbollentiner Sees (Landkreis Demmin) einem Bericht des "Nordkuriers" zufolge zentnerweise tote Fische angeschwemmt. In manchen kleinen Angelgewässern sind Schlüter zufolge fast alle Fische gestorben. Selbst Fische wie Schlei und Karausche, die wenig Sauerstoff brauchen, seien zugrunde gegangen. Die Angler müssten nun Jungfische aussetzen, das sei teuer, klagt Schlüter.

Außer den Fischen sind dem Fischerei-Ingenieur zufolge auch Insektenlarven, Muscheln und Amphibien eingegangen. Schuld sei Eis, das von Schnee bedeckt wurde, sodass es im Wasser dunkel war und die Pflanzen kaum Sauerstoff produzieren konnten. Die Zersetzung der toten Organismen habe zusätzlich Sauerstoff verbraucht. Schlüter appellierte an die Landwirte, darauf zu achten, dass nun im Frühjahr nicht noch Gülle, Dünger oder Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gelangen.

Aber nicht nur die Fische hatten es im Winter schwer. Die Honigbiene fliegt inzwischen zwar wieder – allerdings viel später als in den letzten Jahren, außerdem sind viel weniger der fleißigen Arbeiter unterwegs. "20 Prozent der 34800 Bienenvölker in Brandenburg haben den Winter nicht überlebt", sagte der Direktor des Landesinstituts für Bienenkunde, Kaspar Bienefeld, in Hohen Neuendorf. Der Bestand sei deutlich stärker dezimiert worden als in den Jahren davor. Fachmann Bienefeld stufte den Verlust aber nicht als dramatisch ein. Er befürchte auch keine höheren Honigpreise für dieses Jahr.

Hauptursache für das Bienensterben sei allerdings nicht die Kälte. Vielmehr schadeten die blutsaugende Varroa-Milbe und der Darmparasit Nosemose den Tieren. "Im Optimalfall lagern die Bienen genug Honig ein, um den Winter unbeschadet zu überstehen", erläuterte Bienefeld. Honig enthalte jedoch auch unverdauliche Bestandteile wie Minerale, welche die Bienen ausscheiden. Dazu müssten die Bienen ihren Stock möglichst noch vor dem Frühlingsbeginn verlassen.

Das können die Tiere allerdings erst, wenn das Quecksilber zehn Grad Celsius anzeigt. Darauf musste die Biene in diesem Jahr besonders lange warten. Wenn infizierte Bienen dann notgedrungen in den eigenen Stock koten, "breitet sich die Nosemose flächendeckend aus". Die betroffenen Tiere bekommen Durchfall, können nicht mehr fliegen, werden zunehmend schwächer und verhungern meist. Im schlimmsten Fall könnten alle Bienen im Stock sterben.

Quelle: DW/OC
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