Modernes Fernsehen
tvBuddy versucht, TV und Web zusammenzuführen
Immer mehr Hersteller bieten onlinefähige Fernsehgeräte. Mittlerweile gibt es auch Software, die das laufende TV-Programm analysiert – und dem Zuschauer Zusatzinformationen bringt. Einer der Vertreter ist tvBuddy für Windows Media Center. Vor allem die Werbewirtschaft setzt darin große Hoffnungen.
Von Jens Kupillas
Die Zeitschrift "Audio Video Foto Bild" hat zehn Fernseher mit 80 Zentimetern Bildschirmdiagonale getestet. Der "AOC L32WB81" kostet nur 350 Euro, hat dafür aber auch einige Schwächen.
Es ist der neue Megatrend bei TV-Geräten: Nach Mobiltelefonen und Videospielkonsolen werden nun auch Fernseher onlinefähig. Dabei geben sie nicht nur Webseiten wieder, sondern wollen einen Zusatznutzen zum herkömmlichen TV-Programm bieten. Wie etwa bei tvBuddy, einer Anwendung eines bayerischen Unternehmens, die über das Windows Media Center installiert wird. Die Software verbindet das laufende Programm mit passenden Inhalten aus dem Internet. Läuft also auf dem Bildschirm eine Reisesendung, liefert tvBuddy beispielsweise Wikipediaeinträge zur vorgestellten Region, Reiseliteratur in Webshops oder Websites von Hotels und Reisebüros.
Auch Internetangebote wie Amazon oder der Microbloggerdienst Twitter sind in die Anwendung implementiert. Sie basiert auf einer selbst entwickelten Suchmaschine, die die Inhalte auf dem Bildschirm erkennt und mit dem Netz verbindet.
Doch nicht nur Zuschauer auf dem heimischen Sofa stehen im Fokus der Entwickler. tvBuddy ist auch ein Vertriebs- und Marketingkanal, Unternehmen werden auf der tvBuddy-Website gezielt angesprochen. Besonders interessant dürfte dies für Anbieter von versandfähigen Produkten und TV-Shopping sein. Zudem bietet tvBuddy die Möglichkeit, relativ preiswert in einem eher teuren Werbeumfeld - dem Fernsehen - Produktinformationen zu platzieren. Aus Sicht der TV-Sender ist das wenig erfreulich, denn auch sie wollen ihr Programm mit dem Internet verzahnen und weiterhin allein über die gezeigte Werbung bestimmen.
tvBuddy ist kein Einzelfall. "In letzter Zeit mehren sich die Versuche, aus TV-Programmdaten einen Mehrwert zu generieren und das durch Werbung zu finanzieren", sagt Volker Zota von der Zeitschrift c't. Die Internetplattform Zattoo überträgt zum Beispiel Fernseh- und Radiokanäle über das Internet und schaltet vor dem Programmstart eigene Werbespots. Auch die Axel Springer AG ("Bild", Morgenpost Online) hat mit "Watchmi" eine werbefinanzierte Gratis-Software auf den Markt gebracht, die Zuschauervorlieben beim Fernsehen erkennt
Die Akzeptanz der Zuschauer für werbliche Informationen ist für Zota dabei entscheidend: "Der Erfolg von solchen Angeboten hängt dabei von der richtigen Dosierung von Werbung und Inhalten ab". tvBuddy ist für Zota ein interessantes Geschäftsmodell. Wie groß der Bedarf im Zeitalter von onlinefähigen Smartphones und Netbooks nach Internet auf dem Fernsehgerät sein wird, ist allerdings noch ungewiss.
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