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Partnerwahl

Je ärmer das Land, desto begehrter der Macho

Machos gelten als unehrlich und unkooperativ. Trotzdem wählen Frauen sie als Partner, und zwar umso häufiger, je schlechter das gesundheitliche Umfeld ist. Zu diesem Ergebnis kamen Forscherinnen, die 4800 Frauen in 30 Ländern befragten. Demnach sind Frauen in einer bestimmten Zyklusphase anfälliger für Machos.

Mann zeigt Mittelfinger
Foto: picture-alliance/chromorange

Es ist deutlich mehr als eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob eine Frau als Partner den Typ Macho oder eher den häuslichen, fürsorglichen und verständnisvollen Mann bevorzugt. Eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Entscheidung spielen äußere Umstände, berichtet Lisa DeBruine von der University of Aberdeen in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Und dazu gehört die gesundheitliche Situation der Gesellschaft, in der die Frau lebt. Je schlechter das gesundheitliche Umfeld, desto eher bevorzugen Frauen den maskulinen Typ gegenüber einem Mann, der auch feminine Züge zeigt - und nehmen dafür sogar Nachteile in Kauf.

Frauen fällen diese Entscheidung eher unbewusst als bewusst, denn sie hängt mit der schon von Darwin postulierten sexuellen Selektion zusammen. Dabei spielt eine Rolle, dass im Tierreich die Weibchen einen Partner auswählen, der besonders kräftigen und gesunden Nachwuchs verspricht. Männchen dokumentieren das häufig, indem sie selbst besonders prachtvoll erscheinen. Das menschliche Pendant dazu ist der Macho.

Dennoch stehen längst nicht alle Frauen auf Machos. "Es gibt überzeugende Hinweise, dass Frauen mit maskulinen Männern unsoziales Verhalten verbinden", schreibt DeBruine. "Frauen gelten solche Männer als unehrlich, unkooperativ, mehr an kurzfristigen denn an langfristigen Bindungen interessiert und sogar als schlechte Eltern." Umfragen unter Männern haben ergeben, dass das kein Vorurteil ist. Machos selbst sagen von sich, dass sie eine kurze Bekanntschaft einer Langzeitverbindung vorziehen und das auch praktizieren. Bei mehr femininen Männern ist das weniger ausgeprägt.

Trotzdem wählen Frauen Machos als feste Partner, und zwar umso häufiger, je schlechter das gesundheitliche Umfeld ist. Zu diesem Ergebnis kam DeBruine in einer Umfrage an knapp 4800 Frauen in 30 Ländern, ausgewählt nach Kriterien wie Sterberaten, Lebenserwartungen und ansteckenden Krankheiten aus Statistiken der Weltgesundheitsorganisation. Die Psychologin verwendete computergenerierte Bilder von Männergesichtern, die jeweils in gegensätzliche Richtungen verändert wurden. Sie wurden männlicher gemacht und weiblicher. Jede befragte Frau bekam 20 solcher Bildpaare vorgelegt und sollte entscheiden, welche Darstellung sie attraktiver findet.

Unter mangelnden Gesundheitsumständen fiel die Wahl häufiger auf die männliche Variante als bei guter medizinischer Versorgung. Unbewusst folgten die Frauen ihren uralten biologischen Wurzeln und wählten Männer, die gesunden, kräftigen Nachwuchs versprachen. Auch Frauen, die als Dauerpartner eher den femininen Mann bevorzugen, tun das übrigens von Zeit zu Zeit. Nach einer Untersuchung stehen solche Frauen immer dann besonders auf Machos, wenn sie ihre fruchtbaren Tage haben.

Nicht nur für Frauen scheint das Gesicht bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle zu spielen. Forscher der Indiana University zeigten Männern verschiedene Pornobilder und verfolgten dabei deren Augenbewegungen. Zur Überraschung der Wissenschaftler blickte die Mehrzahl der Versuchspersonen zuerst auf das Gesicht der weiblichen Darstellerin. Welche Bedeutung diesem Verhalten zugrunde liegen könnte, ist allerdings noch nicht untersucht.

Außerdem spielen neben dem Gesicht noch eine ganze Reihe weiterer Faktoren eine Rolle, wenn Männer oder Frauen einen Partner suchen. Entscheidungen fallen dabei oftmals in den ersten Sekunden. Beobachtungen bei sogenannten Speed-Datings zeigen, dass zumindest Männer sich mit ihrer Körpersprache einer potenziellen Partnerin gegenüber offenbaren. Eine Frau merkt sofort, ob er es ehrlich meint oder nicht. Sie selbst dagegen gibt sich zugeknöpft. Sie ist freundlich, lässt ihn aber nicht erkennen, ob sie nur mit ihm spielt oder ernste Interessen an einer Bindung hat.



Erschienen am 17.03.2010

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