Suchtverhalten
Shisharauchen – die Alkopops der Neuzeit
Sonntag, 24. Juli 2011 12:32Jeder zehnte Jugendliche in Deutschland greift regelmäßig zur Wasserpfeife. Weil der Rauch oft nach Banane oder Erdbeere schmeckt, glauben viele, Shisharauchen sei gesund. Doch Experten warnen: Gifte wie Chrom, Nickel oder Blei gelangen viel tiefer in die Lunge als bei Zigaretten.

Foto: dpa
Ein vertrautes Bild aus den östlichen Mittelmeer-Kulturen: Männer rauchen in geselliger Runde Wasserpfeife. Eine Freizeitbeschäftigung, der inzwischen aber auch immer mehr deutsche Jugendliche nachgehen, wie der Leiter der Suchtprävention in der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, Peter Lang, beobachtet.
Die „Shisha“ genannten Wasserpfeifen sind hip – und deutlich cooler als Zigaretten. „Es ist aber ein Mythos, dass Wasserpfeife-Rauchen weniger gefährlich ist, weil das Wasser die Schadstoffe herausfiltert. Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Lang.
Jeder zehnte Jugendliche zwischen 12 und 19 greift nach Befragungen von Experten mittlerweile regelmäßig zur Wasserpfeife. „Seit etwa fünf Jahren gibt es einen enormen Trend“, sagte Lang. Besonders bei Gymnasiasten, bei denen Rauchen inzwischen häufig verpönt ist, sei der Anteil der Shisha-Raucher höher als der der Zigarettenraucher. Das Fatale dabei: „Nur jeder Zweite Jugendliche weiß, dass Wasserpfeife-Rauchen schädlich ist."
Das ist aber nicht der Fall. „Der Tabak brennt nicht, sondern schwelt bei niedrigeren Temperaturen“, erklärte Lang. Dadurch entstünden besonders viele Gifte. „Weil der Rauch außerdem kälter ist als bei Zigaretten, werden die Schwermetalle wie Chrom, Nickel oder Blei viel tiefer in die Lunge gezogen.“ Langfristig steige die Gefahr für Lungenkrebs, aber auch für Krebsgeschwüre an der Lippe oder der Blase deutlich. „Für Jugendliche wirkt das oft weit weg. Leider ist es das aber nicht."
Wasserpfeifen sind aus den Kulturen des östlichen Mittelmeerraum nach Deutschland gekommen. „Im Regelfall ist das Rauchen bei den Jugendlichen ein geselliges Phänomen, wenn man gemütlich zusammen sitzt“, sagte Lang. Nur sehr wenige der Raucher greifen täglich zur Wasserpfeife. „Deswegen bezeichnen sich viele Konsumenten auch selbst nicht als Raucher.“ Die meisten würden zwei bis drei Mal im Monat Wasserpfeife rauchen.
Sorgen macht den Experten vor allem der Trend bei den Jüngeren. „In der Gruppe der 15-Jährigen gibt es inzwischen so viele Zigaretten- wie Shisha-Raucher, etwa 15 Prozent“, sagte Lang. „Wir müssen das in den Blick nehmen.“
dpa/oc
Erschienen am 15.03.2010
















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