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03.03.08

Computermesse Cebit

Der Eröffnungsfilm kommt aus Berlin

Querfeldeinrennen war gestern, heute bewegen sich Extremsportler quer durch die Stadt über Mauern, Bänke und andere Hindernisse. Genau so unkonventionell sieht die kleine Eventagentur Insglück die Computermesse Cebit. Die Idee kam an. Die Berliner durften den Eröffnungsfilm produzieren.

© REUTERS
Cebit Poster

Sie tragen schwarz-graue Anzüge mit roten Krawatten und spazieren über das Messegelände in Hannover. Plötzlich sprintet einer der Männer los, springt über einen Abgrund zwischen zwei Messehallen und landet sicher auf der anderen Seite. Kamera aus, die Szene ist im Kasten. Der Extremsportler und seine Kollegen ziehen zum nächsten Drehort. Hier entsteht der Auftaktfilm für die Eröffnung der Computermesse Cebit, nach einer Idee der Berliner Agentur Insglück.

Parkour nennt sich der Sport, der aus Frankreich nach Deutschland kam und dessen Grundidee ist, jedes Hindernis möglichst elegant, leicht und ohne Hilfsmittel zu überwinden. Er passt perfekt zur Hightech-Messe Cebit, wie zumindest Michael Rose von der Deutschen Messe als Veranstalter meint. "Die Traceure stehen genau für das, was wir mit der Cebit wollen: Grenzen überwinden, neue Wege beschreiten und mit dem Zeitgeist gehen", sagt der Leiter der Abteilung Protokoll und Unternehmensevents.


Rose war sofort von der Idee der Berliner Eventagentur Insglück angetan, die Traceure zum Leitbild der diesjährigen Cebit-Eröffnung zu machen. Er scheute sich nicht, den Auftrag mit einem Budget von mehreren Hunderttausend Euro einer mit rund 20 Mitarbeitern eher kleinen Agentur anzuvertrauen.


"Das ist unser größtes Projekt bislang, das die Öffentlichkeit mitbekommt. Und die IT-Unternehmen sind sehr wichtige Kunden für uns", sagt Insglück-Co-Geschäftsführer Christoph Kirst. Zudem ist jede Bewerbung für ein solches Projekt gerade für eine kleine Agentur ein finanzielles Risiko. Da kommen schnell Summen von mehr als 10.000 Euro zusammen, die verloren sind, wenn man den Auftrag nicht bekommt.

Gleichzeitig wächst der Markt für Marketing-Events in Deutschland seit Jahren stetig, und die Unternehmen nehmen für die Pflege ihres Images viel Geld in die Hand. Für dieses Jahr erwartet die Branche laut Forum Marketing Eventagenturen 2,26 Mrd. Euro Umsatz.

Ideen sammelten die Macher auf einem Fabrikgelände

Beim Konzept für den Eröffnungsabend der Cebit geht es vor allem darum, die neue Struktur des Branchentreffs greifbar zu machen. "Die Cebit macht einen Paradigmenwechsel durch. Anstelle der ausstellenden Firmen soll künftig der Kunde im Fokus stehen", sagt Kirst. Im Publikum sitzen 2500 Prominente aus Politik und Wirtschaft – anspruchsvolle Zuschauer, die nicht so leicht zu überraschen sind. Der Parkour-Film soll das schaffen. Das Insglück-Projektteam, das auf einem alten Fabrikgelände in Berlin-Schöneberg Ideen sammelte, kam durch das Cebit-Partnerland Frankreich auf den Trendsport Parkour.

"Die hindernisüberwindenden Traceure passen zur IT-Branche, weil dort die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt zunehmend verschwinden", ist Insglück-Chef Kirst überzeugt. Die Idee der verschwimmenden Grenzen soll sich auch auf der Show-Bühne des Eröffnungsabends widerspiegeln. Während die Sportler zunächst in einer Videoprojektion zu sehen sind, "springen" sie später aus der digitalen Welt auf die reale Bühne. Somit wird nicht nur inhaltlich mit der Cebit, sondern auch auf der Bühne Neuland betreten.

Die diesjährige Eröffnungsfeier hat wenig mit der klassischen Abfolge von prominenten Rednern der vergangenen Jahre zu tun. Genau das gefällt der Messe AG. "Etwas Neues zu machen ist natürlich immer ein Risiko. Aber genau dafür steht die Cebit. Sie ist ein Trendsetter", sagt Messemann Rose.

Ob die Bühnenshow mit den Traceuren das Publikum überzeugt, zeigt sich am Eröffnunsgabend. Reden gibt es natürlich auch: von Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsidenten Nicholas Sarkozy, EU-Kommissionschef José Manuel Barroso sowie Microsoft-Chef Steve Ballmer. Vermutlich werden die waghalsigen Sprünge und Saltos der Traceure dennoch in Erinnerung bleiben.

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