Neue Studie
Brustkrebs – MRT-Aufnahmen besser als Röntgen
Mittwoch, 23. Juni 2010 17:06 - Von Elke Bodderas"Nützt nur wenigen, schadet aber nichts", so lautet das Urteil vieler Ärzte über das staatliche Programm zur Früherkennung von Brustkrebs hinter vorgehaltener Hand. Das bestätigt jetzt auch eine Bonner Studie: Mit dem Verfahren der Mammografie wird nur jeder dritte Tumor in der Brust entdeckt.

Noch eine schlechte Nachricht für den jungen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler: Das staatliche Früherkennungsprogramm für Brustkrebs ist schon wieder in der Kritik. „Nützt nur wenigen, schadet aber nichts“, so lautete bisher das Urteil vieler Ärzte über die Mammografie-Untersuchungen in Deutschland hinter vorgehaltener Hand. Eine Studie aus Bonn wirft nun ein anderes Licht auf die standardisierten Röntgenkontrollen. Das vernichtende Fazit der Mediziner: Nur rund ein Drittel der Krebserkrankungen in der Brust wird zuverlässig erkannt. Der Rest wird übersehen oder ist falscher Alarm.
Unter den Analysegeräten, die die gefährlichste und am häufigsten lebensbedrohliche Krebsart bei Frauen entdecken können, gibt es zwei Konkurrenten. Die Mammografie, die mit gesundheitsschädlichen Röntgenstrahlen funktioniert, und ein neues Verfahren, das kaum Belastung mit sich bringt, unvergleichlich effizienter, effektiver und zuverlässiger arbeitet, aber zwei Nachteile hat – es ist teuer, und es gibt bislang in Deutschland nur wenige Ärzte, die genug Erfahrung haben, es ordentlich auszuwerten.
Trotzdem ist die sogenannte Magnetresonanz-Tomografie (MRT) offenbar wesentlich besser geeignet, Leben zu retten. In der Bonner Studie wurden in der Kernspin-Röhre viel mehr Tumoren in der Brust korrekt erkannt als per Mammografie oder Ultraschall – bei weniger Fällen von falschem Alarm.
Das Fazit der Forscher: Anders als momentan vom Staat empfohlen, sollte in Zukunft auch Frauen mit nur mäßig erhöhtem Krebsrisiko eine MRT zur Früherkennung angeboten werden. Jene Kandidatinnen mit extrem hohem Risiko – zum Beispiel mit Krebsfällen in der Familie – sollten sogar einmal im Jahr zur Kontrolle in die Röhre geschickt werden.
Im Moment zahlen die Krankenkassen die etwa 450 Euro teure Kernspin-Untersuchung nur, wenn zuvor per Mammografie (110 Euro) oder Ultraschall ein verdächtiger Knoten gefunden wurde. Das regelmäßige Röntgen der Brust dagegen galt als unverzichtbar. „Die Strahlendosis, der eine Hochrisikopatientin so im Laufe der Jahre ausgesetzt wird, ist unvertretbar“, sagte Studienleiterin Professor Christiane Kuhl. „Eine einzelne Mammografie ist kein Problem, aber wenn eine Frau vom 25. bis zum 70.Lebensjahr jährlich geröntgt wird, ist die Belastung einfach zu groß und umgekehrt der Nutzen zu gering."
Für ihre Studie haben die Bonner Forscher 687 Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko über fünf Jahre hinweg untersucht: mittels MRT, Mammografie und Ultraschall. Bei 27 von ihnen fanden die Mediziner Krebs oder Tumorvorstufen.
Das Kernspin-Verfahren erkannte 25 Tumoren in der Brust – ein Anteil von 93 Prozent. Der Ultraschall kam nur auf 37 Prozent und die Mammografie auf 33 Prozent, schreiben die Forscher im „Journal of Clinical Oncology“.
Der Nutzen der Mammografie ist schon länger umstritten. Vor einem Jahr kam
bereits eine große Studie zu dem Schluss, dass das regelmäßige Röntgen mehr
schadet als nützt. Unter 1000 Frauen, die sich alle zwei Jahre die Brust
röntgen lassen, ist eine, die der Kontrolle ihr Leben verdankt. Aber fast
100 dieser untersuchten Frauen sehen sich entweder einem falschen
Krebsverdacht ausgesetzt, oder ihr Tumor wird übersehen. Auch sind schon
gesunde Brüste entfernt worden.
Erschienen am 25.02.2010
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