Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
25.02.10

Neue Studie

Brustkrebs – MRT-Aufnahmen besser als Röntgen

"Nützt nur wenigen, schadet aber nichts", so lautet das Urteil vieler Ärzte über das staatliche Programm zur Früherkennung von Brustkrebs hinter vorgehaltener Hand. Das bestätigt jetzt auch eine Bonner Studie: Mit dem Verfahren der Mammografie wird nur jeder dritte Tumor in der Brust entdeckt.

© pa
mammografie3_DW_Wissenschaft_Muenster.jpg

Noch eine schlechte Nachricht für den jungen Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler: Das staatliche Früherkennungsprogramm für Brustkrebs ist schon wieder in der Kritik. "Nützt nur wenigen, schadet aber nichts", so lautete bisher das Urteil vieler Ärzte über die Mammografie-Untersuchungen in Deutschland hinter vorgehaltener Hand. Eine Studie aus Bonn wirft nun ein anderes Licht auf die standardisierten Röntgenkontrollen. Das vernichtende Fazit der Mediziner: Nur rund ein Drittel der Krebserkrankungen in der Brust wird zuverlässig erkannt. Der Rest wird übersehen oder ist falscher Alarm.


Unter den Analysegeräten, die die gefährlichste und am häufigsten lebensbedrohliche Krebsart bei Frauen entdecken können, gibt es zwei Konkurrenten. Die Mammografie, die mit gesundheitsschädlichen Röntgenstrahlen funktioniert, und ein neues Verfahren, das kaum Belastung mit sich bringt, unvergleichlich effizienter, effektiver und zuverlässiger arbeitet, aber zwei Nachteile hat – es ist teuer, und es gibt bislang in Deutschland nur wenige Ärzte, die genug Erfahrung haben, es ordentlich auszuwerten.


Trotzdem ist die sogenannte Magnetresonanz-Tomografie (MRT) offenbar wesentlich besser geeignet, Leben zu retten. In der Bonner Studie wurden in der Kernspin-Röhre viel mehr Tumoren in der Brust korrekt erkannt als per Mammografie oder Ultraschall – bei weniger Fällen von falschem Alarm.


Das Fazit der Forscher: Anders als momentan vom Staat empfohlen, sollte in Zukunft auch Frauen mit nur mäßig erhöhtem Krebsrisiko eine MRT zur Früherkennung angeboten werden. Jene Kandidatinnen mit extrem hohem Risiko – zum Beispiel mit Krebsfällen in der Familie – sollten sogar einmal im Jahr zur Kontrolle in die Röhre geschickt werden.



Im Moment zahlen die Krankenkassen die etwa 450 Euro teure Kernspin-Untersuchung nur, wenn zuvor per Mammografie (110 Euro) oder Ultraschall ein verdächtiger Knoten gefunden wurde. Das regelmäßige Röntgen der Brust dagegen galt als unverzichtbar. "Die Strahlendosis, der eine Hochrisikopatientin so im Laufe der Jahre ausgesetzt wird, ist unvertretbar", sagte Studienleiterin Professor Christiane Kuhl. "Eine einzelne Mammografie ist kein Problem, aber wenn eine Frau vom 25. bis zum 70.Lebensjahr jährlich geröntgt wird, ist die Belastung einfach zu groß und umgekehrt der Nutzen zu gering."


Werde anschließend bei diesen Frauen noch eine MRT gemacht, so habe die Mammografie überhaupt keinen Sinn, bemängelt Kuhl. Dass die Kernspin-Untersuchung mehr als viermal so viel kostet wie das Röntgen, sieht die Oberärztin nicht als Problem. "Die Kosten sind immens höher, wird ein Tumor in der Brust erst spät entdeckt."


Für ihre Studie haben die Bonner Forscher 687 Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko über fünf Jahre hinweg untersucht: mittels MRT, Mammografie und Ultraschall. Bei 27 von ihnen fanden die Mediziner Krebs oder Tumorvorstufen.


Das Kernspin-Verfahren erkannte 25 Tumoren in der Brust – ein Anteil von 93 Prozent. Der Ultraschall kam nur auf 37 Prozent und die Mammografie auf 33 Prozent, schreiben die Forscher im "Journal of Clinical Oncology".

Der Nutzen der Mammografie ist schon länger umstritten. Vor einem Jahr kam bereits eine große Studie zu dem Schluss, dass das regelmäßige Röntgen mehr schadet als nützt. Unter 1000 Frauen, die sich alle zwei Jahre die Brust röntgen lassen, ist eine, die der Kontrolle ihr Leben verdankt. Aber fast 100 dieser untersuchten Frauen sehen sich entweder einem falschen Krebsverdacht ausgesetzt, oder ihr Tumor wird übersehen. Auch sind schon gesunde Brüste entfernt worden.


Unterm Strich steht heute die Chance, lebenslang ohne Brustkrebs davonzukommen, bei neun zu eins. Durchschnittlich ist die Gefahr für Frauen mit 65 Jahren am höchsten, bei der erblichen Form sogar 20 Jahre früher.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Besucher testen neue Achterbahn im Belantis Park
Achterbahn im freien Fall

Immer rasanter: Neue Bahnen versprechen Schwerelosigkeit.

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote