17.02.10

Meningokokken

Gefährliche Untermieter im menschlichen Körper

Zuerst sieht es aus wie eine Grippe: Eine Meningokokken-Erkrankung verläuft aber häufig schlimmer, als die ersten Symptome vermuten lassen. Spätestens, wenn der Nacken steif ist oder rote Flecken auf der Haut auftreten, sollten die Alarmglocken schrillen. Viele Menschen tragen die Bakterien im Körper.

Foto: dpa
Vorsicht bei hohem Fieber, steifem Nacken und Rötungen der Haut: Dahinter können Meningokokken stecken.

"Etwa neun Prozent der Erkrankten sterben", erklärt Prof. Ulrich Vogel vom Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken an der Universität Würzburg. Direkte Folgen einer Meningokokken-Infektion sind eine Blutvergiftung oder eine Hirnhautentzündung, die sogenannte Meningitis. Später kann es unter anderem zu Hirnschäden kommen.


"Besonders gefährdet sind Kleinkinder bis zu zwei Jahren und Jugendliche", warnt Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes in Hannover. Außergewöhnlich sind die mögliche Schwere und die Unvorhersehbarkeit der Infektion: "Bei Kindern kann es aus völliger Gesundheit ganz plötzlich zu einer schweren Erkrankung kommen", sagt der Mediziner.


Meningokokken sind Bakterien, die bei 10 bis 25 Prozent der Bevölkerung als natürliche Besiedler auf der Rachenschleimhaut leben, erklärt Prof. Friedrich Hofmann, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Berlin. Der Träger der Bakterien sei nicht automatisch infiziert, er bemerke sie in der Regel nicht einmal. Er kann aber durch Tröpfcheninfektion Mitmenschen anstecken oder bei einem schwachen körpereigenen Abwehrsystem selbst erkranken.


Wie lässt sich eine Infektion erkennen?


"Eltern sollten immer achtsam sein, wenn ihre Kinder hohes Fieber entwickeln", sagt Vogel. Auch ein steifer Nacken und Einblutungen in die Haut seien Warnsignale. Die roten Flecken lassen sich von harmlosen Hautveränderungen am besten mit einem Glastest unterscheiden. Bleiben die Flecken, wenn ein Glas fest auf die Stelle gedrückt wird, ist Vorsicht geboten: Bei einem schwer erkrankten Kind kann das ein Zeichen für Störungen des Gerinnungssystems sein - typisch für eine Meningokokken-Infektion. Weitere mögliche Signale sind Benommenheit oder Sehstörungen. In diesen Fällen sollte das Kind sofort zum Arzt.


"In Deutschland treten derzeit glücklicherweise jährlich nur 0,5 Fälle pro 100.000 Einwohner auf", sagt Vogel. Schließlich macht es der Körper den Meningokokken nicht gerade leicht: Zwei Barrieren gilt es zu durchbrechen. Die Rachenschleimhaut ist die erste Hürde und besonders dann anfällig, wenn Atemwegsinfekte, Tabakrauch oder Heizungsluft sie austrocknen. Den Weg von der Blutbahn ins Gehirnwasser versperrt die Blut-Hirn-Schranke.


Gelingt den Meningokokken dennoch die mühsame Reise, sind die Folgen schwerwiegend. "2008 wurden in Deutschland insgesamt 459 schwere Meningokokken-Erkrankungen gemeldet, von denen 44 tödlich verliefen", sagt Pulz. 10 bis 20 Prozent der Überlebenden müssen laut Hofmann mit langfristigen Folgen wie Hirnschäden, Schwerhörigkeit oder Lernschwierigkeiten leben.

Pulz rät, Säuglinge, Kinder und Jugendliche unbedingt impfen zu lassen. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Laut Hofmann sind bisher 13 verschiedene Meningokokken-Gruppen bekannt. Gegen die Gruppe-C-Meningokokken - die in Deutschland etwa ein Viertel der Erkrankungen verursachen - gibt es einen Impfstoff. Gegen viele andere Gruppen, wie die Serogruppe B, haben die Forscher noch nichts in der Hand. Vogel ist aber zuversichtlich: "In vier bis sechs Jahren kommt der erste Serogruppe-B-Impfstoff auf den Markt."


Die Stiko empfiehlt, Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Serogruppe-C-Meningokokken impfen zu lassen, solange es noch keine weiteren Impfstoffe gibt. Ältere Kinder und Jugendliche sollten das nachholen, wenn sie als Kleinkinder nicht geimpft wurden. "Man muss aber auch die Personen im Umfeld ins Auge nehmen", sagt Pulz. Er rät unter anderem zu einer Meningokokken-Impfung für enge Kontaktpersonen - Menschen aus dem selben Haushalt oder Kinder der gleichen Kindertagesstätte.

Impfung für Risikogruppen


Erst seit 2005 werden Zweijährige routinemäßig gegen Meningokokken geimpft. Daher gibt es Risikogruppen, für die sich auch im höheren Lebensalter eine Meningokokken-Impfung empfiehlt. Dazu zählen Menschen, deren Immunsystem gestört ist oder die keine Milz haben. Besonders gefährdet sind auch Reisende, die Ziele in Afrika, Vorderasien oder Lateinamerika ansteuern.

Quelle: dpa/oc
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Morgenpost-Autorin Franziska Birnbach machte sich mithilfe von Google Maps auf den Weg ins Berliner Verkehrschaos
24.05.13Neue Fahrradnavigation
Mit Google Maps wird Radtour in Berlin zum Stresstest

Google Maps bietet ab sofort auch in Deutschland Routen für Radfahrer. Die Morgenpost hat die Anwendung auf Berlins Straßen getestet und stieß dabei auf Straßen, die gar nicht existieren. mehr...


Schon 2012 lockte der „Summer Rave“ viele junge Berliner in die Hangars des stillgelegten Flughafens Tempelhof
24.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Sonnabend

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Sonna, den 25. Mai. mehr...


Am Maxim Gorki Theater feiert am Samstag das Stück „Leben des Galilei“ Premiere. Pressesprecherin Claudia Nola rechnet damit, dass diese nicht ausverkauft sein wird
24.05.13Bühne
Champions-League-Finale bringt Berlins Theater in Bredouille

Berlins Theater sehen sich am Samstagabend einem kaum besiegbaren Konkurrenten ausgesetzt. Denn nicht nur potenzielle Zuschauer wollen das Champions League Finale sehen, sondern auch viele Darsteller. mehr...


„The Rock“: Wowereit zeigte nicht die geringsten Anzeichen dafür, dass ihn die Fragen vielleicht ermüdeten
24.05.13Hauptstadtflughafen
Wowereit lässt sich im BER-Ausschuss nicht fassen

Berlins Regierender Bürgermeister musste sich dem BER-Untersuchungsausschusses stellen. Dabei zeigte er sich gelassen - und hatte auf alles ein Antwort. Eine persönliche Verantwortung wies er zurück. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Krawalle Wieder Ausschreitungen in Stockholm
Washington Brücke in USA eingestürzt
Grundsatzrede Obama will strengere Regeln für Drohnenangriffe
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Finale in London

Das tippen die Berliner Fans von Bayern und BVB

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote