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22.01.10

Depressionen

Wenn der Winterblues die Stimmung trübt

Die Tage werden kürzer, es ist grau und trüb. Rund 400.000 Menschen leiden Schätzungen zufolge unter Winterdepressionen. Sie fühlen sich unausgeglichen, grundlos traurig und kommen morgens kaum aus dem Bett. Dennoch ist der saisonale Seelenblues laut Medizinern kein Grund, sich zu verkriechen.

© pa
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Ausgelöst wird die sogenannte "Saisonal Abhängige Depression" (SAD) vor allem durch den Lichtmangel in der trüben Jahreszeit. Ohne Licht fährt der Körper die Produktion des "Glückshormons" Serotonin herunter. Dafür steigt in der Dunkelheit der Melatonin-Spiegel, der normalerweise in der Nacht den Schlaf steuert und uns daher müde und schlapp macht, wie der Facharzt für Psychotherapie und Professor an der Universität Leipzig, Hubertus Himmerich, erklärt.

Erwischt einen der saisonale Blues, fühlen sich die Betroffenen nicht nur unausgeglichen und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Oft plagt die Winterdepressiven auch ein Heißhunger auf Süßes und fettige Speisen. Das Haus verlassen viele nur noch selten, sie vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Einer Forsa-Umfrage der Techniker Krankenkasse zufolge geben sechs von zehn Betroffenen an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt sein muss. Jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von seinem Seelenblues abzulenken.

Nicht zu Hause verkriechen

"Doch genau das ist falsch", sagt Himmerich. Denn wenn das Stimmungstief zuschlägt, gibt es vor allem ein Gegenmittel: Raus ans Tageslicht, um die Produktion von Serotonin im Gehirn anzuregen. Wer täglich ein bis zwei Stunden an der frischen Luft spazieren gehe, könne seinen Seelenblues bereits wirksam angehen, erklärt auch Professor Ulrich Voderholzer, der die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg leitet.

Denn selbst an einem trüben Novembertag liege die Beleuchtungsstärke noch bei mindestens 1.000 Lux und damit deutlich über der in geschlossenen Räumen. Künstliche Lichtquellen schaffen laut Voderholzer maximal 300 bis 500 Lux. Wer sich bewegt, vor allem joggt oder Fahrrad fährt, sorgt zusätzlich für eine vermehrte Ausschüttung stimmungsaufhellender Hormone.

Sinnvoll ist auch eine Therapie mit speziellen Tageslichtlampen, die in ihrer spektralen Zusammensetzung dem natürlichen Sonnenlicht zumindest zum Teil entsprechen. Lichtstärken von mindestens 2.500 Lux sollten die eingesetzten Geräte laut Himmerich dabei mindestens haben. Eine tägliche Lichtdusche von 30 Minuten, möglichst am Morgen, sei optimal, sagt der Mediziner.

Wichtig auch: Das Licht der Geräte muss die Netzhaut des Auges erreichen, damit der Impuls zur Steigerung der Serotonin-Produktion tatsächlich an das Gehirn weitergeleitet wird. Bräunungslampen in Solarien, bei denen wegen der UV-Strahlen zum Schutz der Augen Brillen getragen werden müssen, bringen Himmerich zufolge dagegen nichts.

Auch Johanniskraut kann Abhilfe schaffen

Ebenfalls empfehlenswert sind laut dem Mediziner natürliche Heilmittel wie Johanniskraut, dessen Pflanzenextrakte stimmungsaufhellend wirken. "Der Tee aus dem Supermarkt ist dabei aber nicht immer die richtige Wahl," sagt Himmerich. Sinnvoller sei, sich zum Beispiel in der Apotheke individuell über die richtige und notwendige Dosis beraten zu lassen.

Die Einnahme von Antidepressiva gilt beim winterlichen Stimmungstief dagegen nicht als "Therapie erster Wahl" – es sei denn, die Depressionen sind besonders schwer oder andere Maßnahmen wie Lichttherapie und Sport bleiben ohne Wirkung, wie Voderholzer sagt.

Grundsätzlich unterscheidet sich der Winterblues von anderen Formen der Depression jedoch durch zum Teil deutlich andere Symptome. So ist man Himmerich zufolge dann nicht nur antriebslos, sondern meist dauerhaft tieftraurig, leidet an Appetit- und Schlaflosigkeit. Und vor allem: "Wenn die Sonne im Frühjahr wieder lacht, dürfte der Stimmungsumschwung anders als beim Winterblues dennoch ausbleiben".

Quelle: AP
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