Tierwelt
Für Wölfe ist reichlich Platz in Deutschland
Dienstag, 6. Dezember 2011 10:18 - Von Roland KnauerAuch in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland gibt es viel Platz für Wölfe, auch wenn die grauen Raubtiere den Menschen normalerweise möglichst aus dem Weg gehen. Hierzulande wäre Raum für 440 Rudel. Inzwischen hat der Wolf bewiesen, dass er hier nicht nur zurechtkommt, sondern sich auch ausbreitet.

Als Felix Knauer vom Arbeitsbereich für Wildtierökologie der Universität Freiburg gemeinsam mit fünf Kollegen in Deutschland und Österreich im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz mit Computermodellen nach geeigneten Lebensräumen für die grauen Raubtiere suchte, spuckte der Rechner 441 mögliche Rudel für Deutschland aus. "Das heißt aber nicht, dass in Zukunft tatsächlich mindestens 2000 Wölfe hier leben werden", erklärt Felix Knauer. Zum einen liefert die Computerstatistik nur grobe Anhaltswerte. Und zum anderen etablieren Tiere sich aus verschiedenen Gründen auch nicht in allen geeigneten Lebensräumen.
Bewiesen hat der Wolf inzwischen, dass er in Deutschland nicht nur zurechtkommt, sondern sich auch ausbreitet. Seit 1990 kamen häufiger einzelne Tiere aus Polen über die Oder und die Neiße nach Deutschland. Im Jahr 2000 hatte dann ein Wolfspaar in der sächsischen Lausitz Nachwuchs, ungefähr hundert Jahre nach ihrer Ausrottung wurden zum ersten Mal wieder Wölfe in Deutschland geboren. Inzwischen streifen durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und den Süden Brandenburgs wieder sieben Rudel. Mindestens 50 Wölfe leben wieder in Deutschland.
Allerdings streifen die Rudel nur vereinzelt im Osten Deutschlands durch die Wälder. In anderen Gebieten wie dem Hohen Fläming im Südwesten Brandenburgs tauchen zwar immer wieder Einzelgänger auf. Wolfspaare aber haben sich dort bisher genauso wenig gefunden wie im hessischen Reinhardswald oder in der Lüneburger Heide. Fühlen sich die Tiere im Süden nicht wohl? Dieser Frage ist Wlodzimierz Jedrzejewski vom Säugetier-Institut der polnischen Akademie der Wissenschaften nachgegangen. Polnische Wölfe lieben ausgedehnte Wälder, kommen aber auf Wiesen und in Sümpfen und Mooren ebenfalls gut zurecht. Äcker mögen sie gar nicht, und um größere Straßen oder Autobahnen machen sie einen großen Bogen. Auch Siedlungen sind ihnen suspekt, der Wolf geht dem Menschen soweit möglich aus dem Weg.
Ob es irgendwann wirklich ein paar Hundert Rudel in Deutschland gibt, hängt auch von anderen Bedingungen ab. "Seit 1990 gab es zwölf illegale Abschüsse von Wölfen in Deutschland", sagt Knauer. Zwar drohen den Jägern Strafen von einigen Tausend Euro, allein mit Geldbußen aber werden sich solche Abschüsse kaum verhindern lassen. "Den Jägern muss erklärt werden, dass die Wölfe Schalenwild kaum erwischen, wenn es 50 Meter vom Waldrand steht", meint Knauer.
Da Jäger Rotwild oder Damhirsche meist genau an solchen Waldrändern schießen, sollten die grauen Raubtiere den Menschen also kaum ihre Beute streitig machen.
Erschienen am 23.12.2009
















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