Mini-Programme
StudiVZ will Facebook mit Datenschutz schlagen
Dienstag, 8. Dezember 2009 19:35 - Von Céline LauerNun also auch die VZ-Netzwerke: Bei StudiVZ und Co. gibt es ab sofort Mini-Programme von Drittanbietern, etwa Spiele oder Einkaufsdienste. Der große Konkurrent Facebook bietet das schon seit zwei Jahren. Doch die VZ-Netzwerke wollen bei der Sicherheit punkten – mit schlauem Datenschutz.

Felix ist ein ganz normaler Schüler mit Brille, wildem Haarschopf - und einem Dutzend virtueller Visitenkarten. Auf einer davon ist er ein Beatles-Fan, auf einer anderen outet er sich als Bücherwurm - je nachdem, wie viel und was genau er über sich preisgeben will. Denn Felix ist der Prototyp eines VZ-Nutzers, und die Visitenkarten ein neuer Ansatz für den Datenschutz im Internet.
"Das OpenSocial-Modell ist nicht neu", gibt Markus Berger-de León bei der Präsentation in der Berliner Backfabrik zu. Aber dafür kann der Chef des VZ-Unternehmens eine Besonderheit vorweisen: "Wir sind das einzige Modell, das hundertprozentig konform mit dem deutschen Recht ist." Denn anders als bei anderen Plattformen geben die VZ-Netzwerke keine persönlichen Daten an die Apps weiter. Die Kontrolle, so versprechen die VZ-Macher, liegt ganz allein beim User - und hier kommen die Visitenkarten ins Spiel.
Vor jeder Installation einer neuen App legt der Nutzer über ein solches Formular fest, welche Daten er über sich preisgeben will - Name, Geschlecht, Alter, Hobbys. Wie ausführlich diese Infos ausfallen, darüber entscheidet der Nutzer individuell von App zu App. Wenn Felix etwa mit dem Spiel "Brain Buddies" eine Runde Gehirn-Joggen will, genügt es, wenn er dem Programm lediglich seinen Vornamen angibt - ein Pseudonym ist aber ebenso möglich.Genauso muss Felix der App erst den Zugriff auf sein Profilbild erlauben, ehe sein Gesicht in der Bestenliste erscheint. "Brain Buddies" erhält aber keine weiteren Informationen über das VZ-Mitglied Felix; auch einen Blick auf seine Freundesliste bleibt der App verwehrt. Erst wenn Felix' Kumpels eine Einladung von ihm annehmen und ebenfalls eine Visitenkarte anlegen, können alle zusammen eine Runde zocken.
"Diesen umfassenden Schutz der Privatsphäre bei externen Applikationen bieten nur die VZ-Netzwerke", sagt Berger-de León. Nachdem vor Kurzem bei schülerVZ Tausende privater Informationen in falsche Hände gelangt waren, ist das Unternehmen spürbar um einen wasserdichten Schutz seiner Mitglieder bemüht - nicht zuletzt, weil das Unternehmen seit dem Datenskandal "unter besonderer öffentlicher Beobachtung stehen", wie der VZ-Chef einräumt. Immerhin ist die Gruppe das größte soziale Netzwerk in Deutschland - mehr als zwei Millionen Bilder werden täglich hochgeladen, 13 Millionen Nachrichten tauschen Kollegen, Freunde und Bekannte jeden Tag auf der Plattform aus. Ab dem zweiten Quartal soll es auch eine Bezahlfunktion geben, bei denen der Nutzer etwa für virtuelle Güter in den Onlinespielen Geld ausgeben kann. Ein Vorstoß der VZ-Gruppe ins Payment-Geschäft, der sich lohnen könnte: Zwar rechnen die Macher damit, dass nur etwa fünf Prozent der Mitglieder überhaupt dazu bereit sind, für die Spiel-und-Spaß-Anwendungen auszugeben. Aber bei mehr als 15 Millionen Nutzern wäre das sogar bei Stückpreisen zwischen 50 Cent und einem Euro einen Versuch wert.
















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