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28.11.09

Medizin

Aids-Kranke outen sich immer seltener

Aids-Kranke outen sich nach Beobachtungen von Hamburgs Aids-Pastor Detlev Gause immer seltener. Seiner Meinung nach liegt das an einer höheren Lebenserwartung. Die Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung ist jedoch geblieben. Selbst ein Besuch mit dem Aids-Pastor im Café ist oft von Scheu begleitet.

dpa

Das HI-Virus hat prominente Opfer gefordert - zum Beispiel Freddie Mercury, Musiker-Legende und ehemaliger Leadsänger der Rockband "Queen". Trotz der Diagnose widmete er sich bis zu seinem Tod leidenschaftlich der Musik.

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Aids-Kranke outen sich nach Beobachtungen von Hamburgs Aids-Pastor Detlev Gause immer seltener. In den 90er Jahren hätten Aids-Kranke in der Regel nur noch wenige Jahre zu leben gehabt, sagte Gause. Diese kurze Zeit hätten viele genutzt, sich von Heimlichkeiten zu befreien. Dank neuer Medikamente habe sich die Lebenserwartung jedoch stetig erhöht. Die Furcht vor Ausgrenzung und Ablehnung im Beruf, im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft sei jedoch geblieben. Gause wird aus Anlass des Welt-Aids-Tages am Montag (30. November) um 18 Uhr im Hamburger Michel predigen.

Bei Jüngeren beobachte er zuweilen sogar eine Scheu, mit ihm als Aids-Pastor ein Café zu besuchen, sagte Gause weiter. Sie hätten Angst, als Aids-Kranker oder HIV-Positiver geoutet zu werden. Es sei auch Aufgabe der Aids-Seelsorge, anderen Menschen die unbegründete Scheu vor Ansteckungen zu nehmen. Das HIV-Virus werde nicht durch gemeinsam benutztes Geschirr oder einen Händedruck übertragen. Als Zeichen der Gemeinschaft werde in seinen Aids-Gottesdiensten der Abendmahlswein aus einem gemeinsamen Kelch getrunken. Minderheiten wie Aids-Kranke oder HIV-Positive dürften nicht ausgegrenzt werden.

Aids ist nach den Worten Gauses immer noch mit großen Vorurteilen behaftet. "Das Moralische schwingt immer noch mit." Frauen werde unterstellt, sie seien auf den Strich gegangen, und Männern, dass sie schwul seien. Nach seinen Beobachtungen würden schwule Männer als größte Risikogruppe sich in der Regel sehr verantwortungsbewusst schützen. Gefährdet seien vor allem Menschen, die sich selbst nicht zur Risikogruppe zählen. Typisches Beispiel seien heterosexuelle Menschen, die nach einer Ehe ihre Sexualität nun frei ausleben möchten.

Die Aids-Seelsorge ( hier ) sei noch vor 15 Jahren vor allem von Trauer, Tod und Abschied geprägt gewesen, so Gause. Heute habe die Begleitung von Menschen in ihrem Alltag einen sehr viel höheren Stellenwert. Wichtiges Thema sei die Frage der Schuld. Das betreffe nicht nur die eigene Ansteckung durch einen Sexualpartner, sondern auch die Ansteckung anderer Menschen. Eine HIV-Infektion sei meist erst nach drei Monaten per Test nachweisbar. Gerade in dieser Zeit sei das Risiko, andere anzustecken, aber besonders hoch. "Es ist nicht leicht, mit solch einer Schuld umzugehen."

In Hamburg war 1994 die bundesweit erste Aids-Pfarrstelle eingerichtet worden. Gause ist seit 2004 im Amt. Rund 500 Menschen aus der Metropolregion nutzen die Angebote der Aids-Seelsorge. Knapp 100 zählen zur "Kerngemeinde". Jeden letzten Sonntag im Monat wird um 18 Uhr in der Kirche in St. Georg (Nähe Hauptbahnhof) ein Aids-Gottesdienst gefeiert. Zu den 150 bis 200 Besuchern zählen auch viele, die nicht HIV-infiziert oder aids-krank sind.

Der Gottesdienst am Montag im Michel steht unter dem Motto "Aids Ist Deine Sorge." Die Band "Kurz vor Hamburg" sorgt für die Musik. Engagierte Jugendliche aus Wandsbek und Flottbek haben sich mit der Thematik beschäftigt und werden ihre Gedanken einbringen. Zu hören sind außerdem Berichte aus eigener Anschauung über das Leben mit HIV und Aids. Nach dem Gottesdienst findet ein Candle-Light-Walk vom Michel in die City statt, mit dem an die Aids-Toten erinnert wird.

Quelle: EPD/cl
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