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23.11.09

Medizin

Stammzellen in Muttermilch machen Babys stark

Das wird vielen Säuglingen nicht recht schmecken, dass ihnen Molekularmediziner jetzt die Muttermilch streitig machen. Für beide – die frisch geborenen Babys und die medizinischen Forscher in ihren Laboren – enthält die Milch einige der wichtigsten Bestandteile von dem, was sie nährt.

arte

Platz 2: Hausstaubmilben - hier glücklicherweise arg vergrößert. In 38,3 der Allergietests tauchen sie auf.

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Muttermilch macht das Baby stark und gesund, während sie für die Wissenschaft auf der ganzen Welt schon bald zur unentbehrlichen Forschungsgrundlage werden könnte. Denn Muttermilch enthält Stammzellen, das haben jetzt Forscher aus dem australischen Perth herausgefunden.

Sie stießen sogar auf insgesamt drei Zelltypen – ein einzigartiges Stammzellenreservoir im Körper des ausgewachsenen Menschen. "Damit ist die Muttermilch der einzige Zellverband, der mehr als einen Typ von Stammzellen enthält", sagt Mark Cregan, Medizinischer Direktor und Leiter der Studie. "Wir wussten schon lange, dass Muttermilch alles enthält, was ein Baby für die Ernährung braucht. Aber wir beginnen erst jetzt zu entdecken, dass diese Milch noch viele andere Funktionen besitzt."

Die australischen Wissenschaftler stießen eher beiläufig auf die Stammzellen in der Milch. Während ihrer Studien zur kindlichen Gesundheit hatten sie Muttermilch kultiviert, als sie im Mikroskop die auffälligen Zellstrukturen entdeckten. Weitere Analysen zeigten, dass diese Zellen sich in andere Zelltypen umwandeln lassen können, "sie können also reprogrammiert werden", erklärte Cregan am vergangenen Wochenende auf einem Unicef-Kongress für Säuglingsentwicklung. Mit diesem Wissen bestehe nun die Chance, Therapien gegen viele schwere Krankheiten zu entwickeln, hofft Cregan. Der Wissenschaftler ist überzeugt, dass schon innerhalb der nächsten fünf Jahre wichtige Durchbrüche in der Behandlung von Rückenmarkverletzungen, Diabetes oder auch Parkinson gelingen könnten.

Seine britischen Forscherkollegen sind sich da allerdings nicht so sicher: Nur weil Stammzellen in der Muttermilch existierten, bedeute das noch längst keine greifbare Therapie – das ultimative, goldene Ziel der weltweiten Stammzellenforschung. "Die Studie der Australier hat uns einige wunderbare Einsichten in das menschliche Brustgewebe beschert und könnte auch für die Arzneimittelentwicklung wichtig sein, aber es ist realitätsfern, zu glauben, auf dieser Basis könnten Routinetherapien entstehen", sagte Chris Mason, Mediziner vom Londoner University College, dem britischen "Independent".

Aber auch ohne Stammzellentherapie könnte die Muttermilch-Studie einen großen Beitrag zur menschlichen Gesundheit leisten: Mediziner hoffen, dass die Entdeckung der vielen gesunden Inhaltsstoffe der Milch die Bereitschaft zum Stillen endlich deutlich erhöhen könnte. Die Australier haben in der Muttermilch nicht nur Stammzellen gefunden, sondern auch wichtige Bestandteile des Immunsystems, die den langen Verdauungstrakt des Babys unbeschadet überstehen können. Diese Stoffe, so glaubt Cregan, bestimmen die Entwicklung auch noch bei Jugendlichen und entfalten ihre Schutzfunktion im Menschen sogar bis ins Erwachsenenalter hinein.

Unicef schätzt, dass etwa 4000 Kinder weltweit täglich sterben, weil sie anstelle von Muttermilch Fläschchennahrung bekommen – die obendrein noch mit verschmutztem Wasser zubereitet ist. In Deutschland hören einige Mütter wenige Tage nach der Geburt mit dem Stillen auf, nach zwei Wochen füttern 65 Prozent der Frauen ausschließlich Muttermilch, nach zwei Monaten sind es 50, nach vier Monaten 48 und nach einem halben Jahr 25 Prozent.

Die WHO empfiehlt für Säuglinge in den ersten sechs Monaten nur Muttermilch. Erst dann solle es zusätzlich Brei geben, parallel sollte weiter so viel wie möglich gestillt werden. Das könne bis zum zweiten Geburtstag so gehandhabt werden, sagt die WHO – vorausgesetzt, Mutter und Kind wollten das dann noch.

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