Schweinegrippe
Rösler fordert Ärzte zu mehr Impfaktionen auf
Montag, 16. November 2009 08:48Nachdem der Impfstoff gegen die Schweinegrippe in einigen Bundesländern bereits aufgebraucht ist, will Gesundheitsminister Philipp Rösler den Kampf gegen die Krankheit intensivieren. Mediziner sollten sich verstärkt an Impfaktionen beteiligen. Die Zahl der Schweinegrippefälle in Deutschland wird auf rund 30.000 geschätzt.

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will am Mittwoch mit seinen
Ministerkollegen aus den Ländern über Probleme bei der Schweinegrippeimpfung
beraten. Bereits am Montag solle es eine Telefonkonferenz dazu geben, sagte
Rösler am Wochenende.
Die Gesamtzahl der Schweinegrippefälle in Deutschland wird inzwischen auf rund 30.000 geschätzt. Bislang sind elf Menschen in Deutschland am H1N1-Virus gestorben. Zuletzt starb am Samstag eine 55-jährige Patientin aus dem Iran in der Düsseldorfer Uni-Klinik. Die Frau sei wegen einer chronischen Erkrankung zur Behandlung nach Deutschland gekommen und habe sich vermutlich im Vorfeld der Reise mit dem Virus angesteckt, sagte eine Sprecherin der Klinik. Durch die Vorerkrankung der sei es nach der Ansteckung mit dem H1N1-Virus zu Komplikationen gekommen.
Rösler sagte mit Blick auf den „Impfgipfel“: „Ich möchte mich bei meinen
Länderkollegen über ihre Erfahrungen vor Ort informieren, um
herauszubekommen, wo es mögliche Schwachstellen zum Beispiel bei der
Versorgung mit Impfstoff geben könnte.“ Ziel sei es, gemeinsam für den
bestmöglichen Schutz der Bevölkerung zu sorgen. Zuvor hatten mehrere Länder
Engpässe beim Impfstoff beklagt.
Der FDP-Politiker betonte: „Wichtig ist jetzt, dass die Industrie den
Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stellt.“ Er hoffe, „dass die
Industrie bald die avisierten Produktionsmengen liefern kann“. Dies werde
die Situation in den Ländern bei der stufenweisen Impfung entspannen.
„Dennoch bitte ich besonders diejenigen Menschen um Geduld, die in der
Reihenfolge nach den Helfern und den Kranken an der Reihe sind.“ Die
Mediziner rief Rösler auf, die Bürger schnell und umfassend aufzuklären und
sich überall an Impfaktionen zu beteiligen..
Die Lufthansa, die jeden Tag rund 200.000 Passagiere fliegt, hat indes vergeblich Anträge für Schweinegrippen-Impfaktionen gestellt. „Unsere Flugkapitäne und Flugbegleiter sind von den Gesundheitsbehörden als nicht gefährdet eingestuft worden“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der Siemens-Konzern belässt es derzeit noch bei Mitarbeiter-Aufklärung über Hygiene- und Impfmaßnahmen. „Wir haben Pandemiepläne, sehen aber noch keine konkrete Gefährdungslage für unser Unternehmen“, hieß es.
Nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern wird die Schweinegrippe die Konjunktur in Deutschland kaum abschwächen. Bei der Notfallplanung in den Betrieben und der Krankenversorgung gebe es aber noch bedenkliche Lücken, hieß es in einer Ende Oktober vorgestellten Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), der Beratungsgesellschaft ADMED und der Allianz-Versicherung.
Unterdessen hat der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln, Prof. Herbert Pfister, vor der Ausbreitung des Virus bei Großveranstaltungen gewarnt. Im Rheinland beginnt am 11. November die Karnevalssaison. „Man wäre eigentlich gut beraten, wenn man in diesen Zeiten solche Massenveranstaltungen meidet“, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dies gelte vor allem für Menschen, die zu gefährdeten Gruppen gehören, etwa chronisch Kranke, Patienten mit Immunschwäche sowie Schwangere.Generell bestehe bei jeder Art von Massenveranstaltungen - „sei es nun Karneval oder Fußball“ - ein erhöhtes Risiko. In geschlossenen Räumen oder bei hoher Luftfeuchtigkeit könne sich das Virus gut verbreiten. Unbestreitbar sei die Schweinegrippe derzeit deutlich auf dem Vormarsch, sagte Pfister. Die Zahl der positiven Befunde, die im Institut für Virologie in den vergangenen Tagen ermittelt wurden, habe sich im Vergleich zur Vorwoche versechsfacht. „Die Ausbreitung ist massiv.“ ddp/dpa/oc
Erschienen am 09.11.2009
















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