Schweinegrippe
Impfstoff mit Verstärker hat auch Vorteile
Die Bundesregierung verteidigt die Bestellung eines eigenen Impfstoffs gegen Schweinegrippe für Politiker und Bundesbedienstete. Was unterscheidet die Seren eigentlich? Auf jeden Fall macht es keinen Sinn, wenn besorgte Eltern ihren Kindern zur Fiebersenkung vorsorglich Paracetamol geben.
Von Elke Bodderas
Wenn ab kommender Woche gegen die Schweinegrippe geimpft wird, werden vor allem kleine Kinder auf die Spritze mit leichtem Fieber reagieren. Besorgte Eltern sollten aber nicht vorsorglich ein fiebersenkendes Mittel wie Paracetamol verabreichen, warnen jetzt tschechische Mediziner. Babys, die im Rahmen einer Studie kurz nach einer Impfung Paracetamol erhielten, bildeten weniger schützende Antikörper. Man sollte eher das Fieberrisiko in Kauf nehmen als einen mangelnden Impfschutz riskieren, heißt es im Fachblatt "The Lancet".
Fieber gehöre zum normalen Entzündungsprozess, der durch eine Impfung ausgelöst wird, schreiben Roman Prymula von der University of Defence in Königgrätz und seine Kollegen. In ihrer Studie erhielten 460 Kinder im Alter zwischen neun und 16 Wochen die übliche Schutzimpfung. Wurden ihnen innerhalb von 24 Stunden danach im Abstand von sechs bis acht Stunden drei Dosen Paracetamol verabreicht, verringerte sich zwar das Fieberrisiko. Aber fieberunabhängig bildeten die Paracetamol-behandelten Kinder geringere Antikörperspiegel als die unbehandelten.
Trotz der möglichen Nebenwirkungen sollten die Eltern ihre Kinder gegen die Schweinegrippe impfen lassen, empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Durch das noch nicht ausgereifte Immunsystem der Kinder könne eine Influenza-Infektion bei ihnen gefährliche Komplikationen verursachen, sagt die Kinderärztin Ursel Lindlbauer-Eisenach. Kinder seien daher neben älteren Menschen besonders durch eine Grippeerkrankung gefährdet.
Im vergangenen Winter mussten von allen Altersgruppen Kinder am häufigsten wegen einer Grippeerkrankung zum Arzt, viele mussten mit schweren Infekten ins Krankenhaus. Kleinkinder im Alter von bis zu vier Jahren waren nach den über 60-Jährigen am zweithäufigsten mit einer Grippe in eine Klinik eingewiesen worden. Unter Kindern breite sich das Virus in jedem Winter zudem besonders stark aus. "Kindertagesstätten und Schulen sind bedeutende Infektionsherde bei Grippewellen", sagt Lindlbauer-Eisenach. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut rät insbesondere Kindern mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Diabetes, Herzleiden, Erkrankungen der Nieren oder einer Abwehrschwäche zur Impfung.
Unterdessen hat die Bundesregierung die Bestellung eines eigenen Impfstoffs gegen Schweinegrippe für Politiker und Bundesbedienstete verteidigt. Es gebe keine Zwei-Klassen-Impfung, sagte Sprecher Ulrich Wilhelm. Der Impfstoff für den Bund und derjenige für die breite Bevölkerung seien vergleichbar. "Es gibt keinen besseren oder schlechteren Impfstoff", sagte Wilhelm. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich nach seinen Worten mit dem für die Allgemeinheit vorgesehenen Serum spritzen lassen, falls es ihr Hausarzt empfiehlt.
Der für Bundeswehrsoldaten, Krisenstäbe und Bundesminister bestellte Impfstoff der Firma Baxter enthält im Gegensatz zu dem für die allgemeine Bevölkerung des Herstellers GlaxoSmithKline keine Wirkverstärker. Experten hatten angemerkt, dass diese Verstärkerstoffe (Adjuvanzien) das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen könnten. An der Ungleichbehandlung hatte es heftige Kritik gegeben.
Auch der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Klaus Vater, wies die Kritik zurück. Alle drei verfügbaren und in Europa zugelassenen Impfstoffe seien wirksam, sicher und zuverlässig. Zu den Nebenwirkungen sagte er: "Gleichgültig, was verimpft wird, es gibt immer Nebenwirkungen." Diese seien in den allermeisten Fällen nicht schwerwiegend und bei den diversen Seren "im Großen und Ganzen vergleichbar". Unterschiede gebe es allerdings. Er nannte das Beispiel von Schwangeren: Fieber wäre zwar nicht für die Frau, wohl aber für das ungeborene Kind ein Risiko.
Der Impfstoff mit Verstärkerstoffen habe aber zwei Vorteile: Davon lasse sich gegenüber dem Serum ohne Adjuvanzien in der gleichen Zeit das Vierfache der Menge herstellen. Auch würden mit der Impfung auch Mutanten des Grippevirus gleich mitbekämpft. Der Impfstoff ohne Verstärker müsse außerdem zweimal gespritzt werden, der mit Verstärker nur einmal.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
-
00:08Präsidentschaftswahl: Unterlegener Kandidat in Ägypten will gegen Wahler...
-
00:00Verkehrssünder: Flensburger Punktedatei soll weiter verschärft...
-
26.05.2012Festnahme: Toter in Friedrichshainer Bar: Verdächtiger gefass...
- 1. Relegationsspiel Hertha BSC und der Abstieg ohne Gnade
- 2. Formel 1 in Monaco Strafversetzung verdirbt Schumacher nicht die Laune
- 3. Live-Ticker Hertha BSC will über Einspruch beraten
- 4. Relegationsspiel Hertha BSC gibt sich offenbar geschlagen
- 5. Nach Berufung Hertha BSC schickt seine Spieler in den Urlaub














