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10.10.09

Soziale Netzwerke

Nun entdecken auch Senioren Facebook und Co.

Das Ende der Einsamkeit: Senioren nutzen Facebook und andere soziale Netzwerke im Internet. In Deutschland sind 120.000 von 4,3 Millionen Facebook-Mitgliedern über 50 Jahre alt. Am liebsten aber bleiben die "Silversurfer" im World Wide Web unter sich. Kinder haben ihre Eltern auch nicht gerne im eigenen Netzwerk.

© AFP
FRANCE-ILLUSTRATION-COMPUTER-FACEBOOK

Lea S. ist 20 Jahre alt und hat ein Profil bei Facebook. So wie 300 Millionen andere Menschen auch. 280 Kontakte stehen in ihrer Freundesliste. Einer davon: Gabi, ihre Mutter, 59 Jahre alt.

Facebook ist die größte soziale Plattform der Welt. Und der Riese des Mitmach-Webs wächst unaufhörlich. Einer der Gründe: Als Studentennetzwerk gegründet, sind auch immer mehr ältere Nutzer bei Facebook unterwegs. Einer Studie des US-Forschungsinstituts Forrester Research zufolge ist es die Gruppe der Generation 50 plus, die in den sozialen Netzwerken am schnellsten wächst.

Sie laden Fotos hoch, schreiben Nachrichten an ihre Kinder oder gar Enkel und halten Kontakt zu den Bekannten aus dem vergangenen Urlaub. In Deutschland sind immerhin 120.000 der 4,3 Millionen Facebook-Mitglieder älter als 50 Jahre.

Das Prinzip hinter Facebook ist simpel: Wer sich mit seiner E-Mail-Adresse registriert, bekommt kostenlos ein eigenes Profil in dem blauen Portal. Facebook ist neugierig, das Netzwerk fragt nach Fotos, nach Informationen über Ausbildung, Beziehungsstatus oder Lieblingszitat. Aber jeder Nutzer kann selbst entscheiden, wie viel er von sich preisgibt.

Wer selbst ein Profil hat, kann gezielt die Profile von Freunden, Kollegen und Verwandten suchen. Oder einfach darauf warten, gefunden zu werden. "Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen." Mit diesem legendären, ersten Satz begrüßt Facebook neue Nutzer und erklärt sich ihnen.

Für Lea ist Facebook die Möglichkeit, immer und überall kleine Lebenszeichen ins Netz zu senden. Unter Jugendlichen ist es chic, mehr oder weniger geistreiche Gedanken auf der eigenen Pinnwand zu veröffentlichen. Und alle Freunde können zuschauen. Leas Mutter Gabi bleibt bei so viel Exhibitionismus misstrauisch. "Die meisten Dinge dort interessieren mich eigentlich auch gar nicht", sagt sie.

Birgit Deutschmann aus Lörrach ist in diesen Dingen ähnlich skeptisch. "Ich wundere mich schon, wenn ich sehe, was die Kinder so alles machen", sagt sie. Die 54-Jährige ist seit ein paar Monaten bei Facebook registriert. Sie hat auch schon ein paar Fotos hochgeladen. "Aber eigentlich möchte ich nur alte Bekanntschaften pflegen."

Auch andere Silversurfer nutzen die sozialen Netzwerke vorwiegend, um vor dem heimischen Rechner Kontakte in aller Welt aufrechtzuerhalten. "Facebook und Co. spiegeln emotionale Nähe vor und verringern die reale Distanz", sagt Hendrik Speck, ein Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern. Für den Experten in Sachen Medienkommunikation ist dies die Hauptursache dafür, warum Pensionäre und Rentner das Internet für sich entdecken.

Das Netz ist nicht das Hausmedium der Generation 50 plus. Sie sind mit Radio und Fernsehen groß geworden. Speck spricht von "kultureller Fremdheit". Senioren seien eher defensiv eingestellt und würden daher passiv auftreten. Während sich Jugendliche oft mehrere Stunden pro Tag im Internet tummeln, nutzen es Ältere sehr gezielt und kontrolliert. Sie holen sich zusätzliche Informationen, kaufen ein bisschen ein – und kommunizieren vor allem gern.

Zu Martin Krebs kommen die meisten seiner älteren Kunden denn auch, weil sie das Gefühl haben, sonst etwas zu verpassen. Krebs betreibt seit sieben Jahren eine Computerschule in Berlin. In kleinen Gruppen von sechs Teilnehmern bringt er Rentnern das Internet nahe.

Manche Teilnehmer sind über 80 Jahre alt. "Die Leute wollen den Anschluss an ihre Kinder nicht verlieren", sagt der Internet-Pädagoge. Viele seien aber verunsichert, weil das Fernsehen gern auch digitale Bedrohungsszenarien zeige. Sie geizen deshalb besonders mit persönlichen Informationen.

Vielen Rentnern ist vor allem der Internetgigant Facebook mit seinen Milliarden an gesammelten Nutzerdaten unheimlich. Sie beschleicht das Gefühl, ständig beobachtet zu werden. Geschlossene Nutzerbereiche erscheinen ihnen heimeliger. Auf Portalen wie Bestage24 und Platinnetz ist man unter sich.

Der Marktführer in diesem Bereich ist die Seite Feierabend.de mit 150.000 Mitgliedern und einem Durchschnittsalter von 60 Jahren. Allerdings hat Feierabend.de eine andere Herangehensweise als Facebook. Die Nutzer werden nicht Online-Freunde, weil sie sich ohnehin schon aus der Realität kennen. Im Gegenteil, sie treffen sich offline, nachdem sie sich im Internet kennengelernt haben. Dafür gibt es bei Feierabend.de Regionalgruppen, mehr als 110 bundesweit.

Die meisten sozialen Netzwerke wie StudiVZ oder MySpace stecken trotz ihrer Popularität in den roten Zahlen. Auch Facebook hat gerade erst die Gewinnschwelle erreicht. Ganz anders Feierabend.de. Seit 2001 macht das Portal nahezu durchgängig Gewinn, weil die Nutzer von Feierabend.de ein attraktives Publikum für Werbekunden sind. Die Rentner, die aktiv das Internet nutzen, sind meist besser gebildet als der Durchschnitt und verdienen auch mehr.

Bestes Beispiel für das Treffen der Generationen auf Facebook ist Gründer Mark Zuckerberg selbst. Er spielt mit seiner Großmutter online Scrabble. Besondere Angebote oder spezielle Werbung für die ältere Generation gibt es allerdings nicht und sie sind auch nicht geplant. Experte Speck ist sich aber sicher, dass das nicht so bleiben wird: "Das Eintreten der Älteren wird die Plattform verändern."

Zumal: Wenn Kinder von ihren Eltern eine Freundschaftseinladung geschickt bekommen, verändert das oft das Nutzerverhalten des Nachwuchses. Sobald nämlich Mutti in der Freundesliste steht, kann sie auch alles mitlesen, was den Nachwuchs bewegt.

Dagegen formiert sich bereits Widerstand. "Eltern entfacebooken" und "Eltern bleibt dem Facebook fern" fordern genervte Jugendliche und haben entsprechende Gruppen gegründet. Natürlich auf Facebook.

Quelle: Mitarbeit: Juliane Wildermann
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