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Zukunft der Medien

Maßgeschneiderte Zeitung für Jedermann

Heute kann jeder zu Hause seine eigene Zeitung drucken. Nachrichten und Meinungstexte gibt es im Netz genügend. Wissenschaftler der Universität Köln haben eine Softwareplattform entwickelt, die die Informationsflut in Form bringen hilft. Dafür wurden sie sogar mit einem Preis ausgezeichnet.

Ist der Zeitungskäufer am Kiosk wirklich bald nur noch Vergangenheit?
Foto: pa
Ist der Zeitungskäufer am Kiosk wirklich bald nur noch Vergangenheit?

Niemals ist so viel Papier bedruckt worden wie seit der Einführung des „papierlosen Büros“. Mit diesem Fata-Morgana-Begriff wurde in den Achtzigerjahren von PR-Strategen das Szenario weitgehend trägerloser Informationsbearbeitung und -verteilung als herannahende Zukunftsvision an die Wand gemalt. Es ist wieder einmal anders gekommen. Digitaltechnik hat die Herstellung und Verteilung von Druckerzeugnissen – ob in großen oder kleinen Auflagen – erst richtig in Schwung gebracht. Und nun stehen sogar Werkzeuge zur Verfügung, mit denen jeder Leser sich seine Zeitung selbst herstellen kann – per Knopfdruck aus vielerlei Quellen im Internet.

Wie auch bei der Audio- und Videotechnik ging das mit einer beispiellosen technologischen Ermächtigung des Klein- und Endverbrauchers einher. Was früher Aufgabe für Spezialisten in dafür maschinell entsprechend aufwendig ausgerüsteten Betrieben war, wanderte ins Home-Office, ins Kleingruppenbüro, jedenfalls aber auf den überall zur Verfügung stehenden Personal Computer als Manufakturplattform. Jedermann kann heute – wenn er denn auch kann – nicht nur Videofilme und Tonproduktionen am PC herstellen, sondern auch Massendrucksachen. Und zwar in höchst individueller Form und mit jeweils spezifischen Inhalten, die er halb und voll automatisch dort abholen lässt, wo auch immer sie sich befinden.

Voraussetzung ist das richtige Werkzeug – eine Softwareplattform also, die Informationen erfassen, formatieren und entsprechend an den Drucker neben dem eigenen Schreibtisch oder via Internet an einer entfernten Auslieferungsstation zu Papier bringen kann.

„News2paper“ heißt eine dieser Softwareplattformen – entwickelt in deutschen Landen und jetzt mit einem Innovationspreis der Gesellschaft für Informatik ausgezeichnet. Begonnen hatte die mittlerweile zur Marktreife vorangeschrittene Entwicklung eines Technologieprototyps für „news2paper“ am Seminar für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement der Universität Köln unter der Leitung von Professor Detlef Schoder.

Inzwischen besorgt eine Ausgründung die Vermarktung sowie die Weiterentwicklung und setzt die bereits erworbenen Patente in Umsatz und Erlöse um. „100 Prozent mit Eigenkapital finanziert“, strahlt Mitentwickler René Keller, Diplom-Wirtschaftsinformatiker im Umfeld des Kölner Seminars durchs Telefon im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gegenstand der Patentierung ist vor allem der Verfahrensablauf, erklärt er und will zum Umsatz „am liebsten gar nichts sagen“. So viel ist damit zumindest klar: Über die Börse wurde das Geld nicht beschafft, sonst bestünde ja eine Berichterstattungspflicht.

Beliebige Quellen von Textinformationen, im Netz und anderswo, können von der Layoutplattform herangezogen werden. „Selbstlernend“, betont Keller. Häufiger vorkommende Routinen können also als automatisierte Abläufe dem System beigebracht und die Ausgabe der Druckerzeugnisse in verschiedensten Formen bewerkstelligt werden. Von der Betriebszeitung aus internetbasierten Newsfeeds über Postwurfsendungen generiert aus verschiedensten Blogs bis zum Kleingruppen-Paper, das sich aus Informationen im Firmennetzwerk speist, reicht der Anwendungsbereich von „news2paper“.

Wer „news2paper“ einmal selbst ausprobieren will, kann sich unter der Internetadresse „news2paper.com“ davon ein sehr anschauliches Bild machen. Nur wenige Angaben müssen in der Web-Oberfläche gemacht werden, um ein individualisiertes Druckerzeugnis aus beliebigen Netzquellen generieren zu lassen – zum Ausdruck auf beliebigen Druckmedien, vom Farbtintendrucker im Regal bis zur Hochleistungsrotation an einem weit entfernten Standort.



Erschienen am 07.10.2009

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