Tierschutz
Neue Liste der bedrohten Arten
Montag, 18. Oktober 2010 10:32Seit zehn Jahren warten Deutschlands Naturschützer auf eine Neuauflage der Rote Liste der Wirbeltiere. Nun ist sie da - und zeigt, dass noch mehr Tiere kurz vor dem Aussterben stehen. Doch der Umweltschutz hat sich gelohnt: Einige Tierarten sind wieder deutlich häufiger gesichtet worden.

Große Sorge, etwas Hoffnung: Das sind die Signale, die von der neuen Rote Liste gefährdeter Tiere in Deutschland ausgehen. Danach sind inzwischen sogar Feldhamster und Lachseeschwalben vom Aussterben bedroht. Durch Naturschutz haben sich andere Arten aber auch etwas erholt, darunter Fischotter, Biber oder Uhus.
Das EU-Ziel, bis 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, werde Deutschland beim Artenschutz dennoch verfehlen, sagte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, in Berlin. Vielmehr drohe der Verlust eines Drittels der Wirbeltierfauna. Umweltschützer forderten die neue Bundesregierung zu entschlossenem Handeln gegen das Artensterben auf.
Die Rote Liste der gefährdeten Wirbeltiere Deutschlands wird alle zehn Jahre neu erarbeitet. Im Vergleich zu 1998 hat sich an den Hauptproblemen wenig geändert: Eine intensivere Landwirtschaft nimmt immer mehr Tieren ihren Lebensraum.
Die Rote Liste spiegele den Umgang des Menschen mit der Natur. Für Tierarten wie Feldhamster, die einst massenhaft in Deutschland vorkamen, sei es nun „fünf vor zwölf“, sagte Jessel. Denn sie rutschten auf der neuen Roten Liste aus der Kategorie „stark gefährdet“ in die Kategorie „vom Aussterben bedroht“. Seit an immer mehr Äckern breite Randstreifen verschwinden, finden die kleinen Nager weniger Lebens- und Rückzugsräume. Brutvögeln wie Kiebitz oder Seggenrohrsänger fehlen zunehmend Feuchtwiesen. Denn immer mehr Milchbauern geben beim anhaltenden Preisverfall auf. Ihre Wiesen und Weiden werden entwässert und in profitablere Landwirtschaftsflächen umgewidmet.
Dass der Mensch viel gegen das Artensterben tun kann, zeigen die erfolgreichen Schutzprogramme für Seehunde, Fischotter, Biber, Fledermäuse, Seeadler, Weißstörche oder Wildkatzen. Insgesamt 44 Arten auf der Roten Liste konnten sich in den vergangenen zehn Jahren sichtbar erholen. Dabei halfen zum Beispiel Wildbrücken oder Tiertunnel.
Jessel forderte die neue Bundesregierung auf, ein bundesweites Wiedervernetzungskonzept zu finanzieren, das Verbindungen zwischen den Lebensräumen wandernder Arten schafft. Die neue Autobahn 20 in Norddeutschland blockiere zum Beispiel durch die Zerschneidung von Endmoränentälern viele Tierarten. Der Naturschutzbund Deutschland forderte als Reaktion auf die neue Rote Liste mehr Geld für den Artenschutz und ein Umdenken in der Landwirtschaft. Nur so lasse sich ein „Tod auf Raten“ bei einstmals großen Tierbeständen verhindern.dpa/ph
Erschienen am 06.10.2009
















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