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21.09.09

Umwelt

Die Deltas der weltweit größten Flüsse versinken

Colorado River, Mississippi oder Nil: Von weltweit 33 großen Deltas, die eine US-amerikanische Forschergruppe untersucht hat, sind nur noch fünf völlig intakt. Viele der restlichen 28 werden in den kommenden Jahrzehnten verschwinden. Schuld ist aber nicht allein der Anstieg des Meeresspiegels.

© dpa
Mississippi-Delta.

"Unsere Studie zeigt, dass ein ganzes Bündel menschlicher Aktivitäten die Deltas tiefer hat absinken lassen, als mit dem Meeresanstieg zu erklären wäre", sagt Albert Kettner, Co-Autor der Studie um James Syvitski von der University of Colorado in Boulder, die jüngst in "Nature Geoscience" veröffentlicht wurde.


Denn der Anstieg des Meeresspiegels verläuft langsamer als das Absinken der Deltas. Verantwortlich dafür sind auch Staudämme und Deiche. Sie halten Sedimente zurück, sodass weniger Material an der Mündung ankommt. Als Folge davon schreitet der natürliche Abbau schneller voran als der Aufbau. Drastisches Beispiel ist der Nil. Der Staudamm bei Assuan und andere Bauwerke halten 98 Prozent der Sedimentmasse zurück, die ehemals das Delta am Leben erhielt.


Spitzenreiter ist allerdings der Colorado River im Westen der USA. Der Fluss ist durch Staudämme und Wasserentnahme derart stark übernutzt, dass an seiner Mündung null Prozent Sediment ankommt. Die Mündungen von Nil und Colorado gehören in die am stärksten bedrohte Kategorie, aber auch Europa ist betroffen. Der italienische Po und die französische Rhone finden sich ebenfalls in der Kategorie höchster Gefährdung.

Naturgemäß spaltet sich ein Fluss in seinem Delta in unzählige kleine Arme auf. Die werden häufig künstlich verschlossen, um mehr Wasser in einem Hauptarm zu haben, der dann schiffbar ist. Dadurch aber schwemmt der Fluss das wenige Restsediment, das er noch mitführt, ins Meer anstatt es vorher im Delta abzulagern.


Ein dritter Faktor sind wirtschaftliche Aktivitäten. Auf Flussdeltas oder in ihrer Nähe leben weltweit rund 500 Millionen Menschen. Die pumpen ihr Trinkwasser aus dem Untergrund des Deltas. Vielerorts befinden sich auch Erdgaslagerstätten unter einem Delta. Deren Ausbeutung und die Trinkwasserentnahme lassen den Deltaboden rapide absinken.


Hauptsächlich die Erdgasförderung hat das Podelta im vergangenen Jahrhundert um 3,7 Meter abgesenkt. Das ist viel, wenn man in Betracht zieht, dass die Deltas sich ohnehin nur knapp über den Meeresspiegel erheben und dass Tausende von Quadratkilometern Delta häufig unter Normal Null liegen. In dieser Situation steigt für die Deltabewohner die Gefahr von Überschwemmungen, die gleich von zwei Seiten drohen: als Fluten von Meerseite oder Flussüberschwemmungen von Landseite.

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