Schweinegrippe
Länder wollen 18 Millionen weitere Impfdosen
Die Länder wollen die geplante Massenimpfung gegen die Schweinegrippe ausweiten. Zusätzlich zu den 50 Millionen Impfdosen wollen sie weitere 18 Millionen bestellen, wie die Gesundheitsminister der Länder ankündigten. Bedingung: Der Bund soll das Risiko für die nicht verbrauchten Impfstoffe übernehmen.
Im Kampf gegen die Schweinegrippe wollen die Bundesländer weitere 18 Millionen Impfdosen bestellen. Das beschlossen die Gesundheitsminister der Länder am Montag in Berlin. Auf diese Weise sicherten sie sich im Falle einer stärkeren Ausbreitung die Option auf noch mehr Impfstoff. Zudem forderten die Minister die Krankenkassen auf, alle entstehenden Kosten der Impfung zu tragen. Einer Umfrage zufolge wollen sich zwei Drittel der Befragten nicht gegen Schweinegrippe impfen lassen.
Über die Finanzierung der größten Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik solle am Mittwoch eine Einigung zwischen den Finanzministern der Länder und der Bundesregierung erzielt werden, damit der Impfstoff bestellt werden könne, hieß es weiter. Bislang wurden beim Hersteller Novartis 50 Millionen Impfdosen bestellt, die bei zweifacher Impfung für 25 Millionen Menschen reichen. Eine weitere Bestellung löse die Option auf noch mehr Impfstoff aus.
Bis Frühjahr sollen vor allem Risikogruppen geimpft werden. Grundsätzlich kann sich aber jeder impfen lassen, der das möchte. Ab Mitte Oktober soll in Deutschland der Impfstoff gegen das H1N1-Virus zur Verfügung stehen. Die Kassen müssen einer Verordnung zufolge nur für 50 Prozent der Bevölkerung die Kosten der Impfung übernehmen. Den möglichen Rest muss der Staat bezahlen. Die Kosten einer Impfung für die Hälfte der Bevölkerung werden auf eine Milliarde Euro geschätzt.
Die meisten Deutschen wollen sich offenbar sowieso nicht impfen lassen: Das geht aus einer Umfrage des Forsa-Institutes unter 1.001 Personen im Auftrage der DAK hervor. Nach den Umfrageergebnissen wollten sich nur 14 Prozent "ganz sicher" impfen lassen. 29 Prozent wollen sich "auf keinen Fall" und 33 Prozent "wahrscheinlich nicht" impfen lassen. Wie die DAK weiter mitteilte, ist die Ablehnung in Bayern und Baden-Württemberg besonders hoch, hier wolle nicht einmal ein Zehntel der Bevölkerung eine Impfung.
Derweil forderte die Bundesärztekammer, den Sinn der geplanten Massenimpfung noch einmal zu überprüfen. Vizepräsident Frank Ulrich Montgomery sagte bei MDR INFO, sehr viele Menschen hätten diese "Krankheit durchgemacht, ohne es überhaupt bemerkt zu haben".
In Deutschland sei noch niemand an der Schweinegrippe gestorben. Nach Ansicht von Montgomery hat die Pharmaindustrie bei dem Thema "hervorragend funktioniert". Die Industrie habe die "Länder unter Druck gesetzt" und werde "jetzt fette Gewinne einfahren".
Dagegen warnte der Leipziger Virologe Uwe Gerd Liebert vor einem zu sorglosem Umgang mit der Schweinegrippe. Die anhaltende Impfmüdigkeit sei fahrlässig, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig der "Leipziger Volkszeitung" (Dienstagausgabe). Gefahrengruppen, wie ältere Menschen oder durch Vorerkrankung Geschwächte, sollten sich unbedingt impfen lassen.
Das Robert-Koch-Institut meldete, dass mit Stand vergangenem Freitag insgesamt 17.193 Fälle der Neuen Grippe übermittelt wurden. Im Vergleich zum Vortag seien dies 358 neue Fälle, davon seien 131 Menschen in Deutschland angesteckt worden. Die restlichen Erkrankten hätten sich im Ausland angesteckt. In der Regel verlaufe die Grippe in Deutschland nach wie vor mild.
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