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03.08.09

Biologie

Warum Sex einen Überlebensvorteil bietet

Warum hat sich in der Evolution ausgerechnet Sex als dominante Strategie der Fortpflanzung durchgesetzt, wo es auch viel einfacher geht – wie asexuelle Tierarten beweisen? Diese Frage versucht die Wissenschaft seit langem zu klären. Nun hat ein Schneckenforscher eine erstaunliche Antwort gefunden: Sex schützt offenbar vor Parasiten.

© dpa
Giraffen beim Geschlechtsverkehr

Sex hilft gegen Parasiten: Zu diesem Schluss sind ein Schneckenforscher des Schweizer Wasser-Forschungsinstituts Eawag und Kollegen aus den USA gekommen. Die sexuelle Vermehrung bringt einer Population langfristig einen Vorteil, um gegen Parasiten zu bestehen, wie das Institut der Eidgenössischen Technische Hochschule am Freitag mitteilte.


"Warum sich große Teile des Tier- und Pflanzenreichs zur Fortpflanzung mit Sex abmühen, ist eine der spannendsten Fragen der Biologie", schreibt das Wasser-Forschungsinstitut. Viele Pflanzen, Mikroben und einige Reptilien vermehrten sich auch ohne Sex, was auf den ersten Blick effizienter scheine, denn so müssten sich nicht erst zwei Individuen finden, von denen dann nur eines Nachwuchs hervorbringe. Trotzdem sei die sexuelle Vermehrung die dominierende Strategie. Und dies, obwohl die asexuelle Fortpflanzung eine doppelt so hohe Vermehrungsrate zulasse und Komplikationen vermeide.


Der Evolutionsbiologe Jukka Jokela vom Eawag habe nun, unterstützt von Forschern der US-Universitäten in Washington und Indiana, dank Studien an Schnecken einen Vorteil von Sex nachgewiesen. Jokela untersuche seit 20 Jahren Wasserschnecken, darunter die Neuseeländische Deckelschnecke Potamopyrgus antipodarum, die um 1850 mit Fischen nach Europa verschleppt worden sei und seither hier lebe, schreibt das Institut. Die nur fünf Millimeter kleine Schnecke vermehre sich in Neuseeland sowohl sexuell als auch asexuell, in Europa nur asexuell.


Muster bereits mathematisch vorhergesagt


Letzteres heißt, Weibchen bringen Klone ihrer selbst hervor. Jokela und sein Team haben laut Mitteilung Populationen der kleinen Schnecke mit besonderem Augenmerk auf den Parasitenbefall untersucht. Dabei zeigte sich, dass es bei den sich sexuell vermehrenden Populationen jahrelang zu keinen größeren Schwankungen der Zahl der Tiere kam. Bei den asexuellen Populationen hingegen wurden innerhalb weniger Jahre anfangs häufige Klonlinien von anderen abgelöst: Die anfänglichen Gewinner, die Asexuellen, waren besonders anfällig für Parasiten geworden.


Laut Eawag wurde dieses Muster zwar schon in mathematischen Modellen vorausgesagt. Jokelas Forscherteam sei nun aber erstmals gelungen, dieses Muster in der Natur nachzuweisen. "Sexuelle Fortpflanzung bringt also einen Vorteil in der Evolution, vor allem dort, wo viele Parasiten vorhanden sind", wurde Jokela zitiert. Dies könnte auch erklären, warum in Europa schon beobachtet wurde, wie die Schneckenart zuerst massenhaft auftauchte und die Population dann plötzlich zusammenbrach. So fanden sich laut Eawag im Bodensee in den 70er Jahren bis zu 100.000 Exemplare pro Quadratmeter. Heute hingegen sei die Schnecke zwar überall präsent, aber nirgends dominant.

Quelle: ap/oc
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