25.02.13

Klimawandel

Hitzestress lässt Arbeitsleistung stark schwinden

Der globale Temperaturanstieg beeinflusst nicht nur Natur und Landwirtschaft: In vielen Teilen der Welt schwindet in Zukunft womöglich auch die Arbeitsleistung drastisch, warnen US-Forscher.

Foto: pa

Wird es künftig zu schwül zum Arbeiten? Die Karte zeigt die bisherigen Hitzerekorde in Deutschland. Meteorologen und Klimaforscher sagen voraus, dass es auch in Deutschland während der Sommermonate künftig deutlich wärmer wird
Wird es künftig zu schwül zum Arbeiten? Die Karte zeigt die bisherigen Hitzerekorde in Deutschland. Meteorologen und Klimaforscher sagen voraus, dass es auch in Deutschland während der Sommermonate künftig deutlich wärmer wird

Zunehmende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit können in den kommenden Jahrzehnten die Arbeitskraft der Menschen deutlich einschränken. Das berichten US-Forscher im Fachblatt "Nature Climate Change".

Demnach wird es infolge des Klimawandels in vielen Regionen der Welt einen ausgeprägten Hitzestress geben, der den Menschen das Arbeiten erschwere. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es in den Sommermonaten in Washington heißer werden als es heute in New Orleans ist, das dann wiederum einen Hitzestress erleben könnte, der heutzutage die Bewohner Bahrains plagt.

John Dunne und seine Mitarbeiter von der National Oceanic and Atmospheric Administration in Princeton hatten mit Hilfe verschiedener Klimamodelle die Entwicklung der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit bis zum Jahr 2200 simuliert.

Sie betrachteten einerseits ein Szenario, bei dem die Konzentrationen des Kohlendioxids (CO2) sich nach dem Jahr 2060 langsam stabilisieren wird, und andererseits ein Szenario, bei dem der CO2-Level bis 2200 weiter steigt. Dann entnahmen sie militärischen und industriellen Richtlinien Grenzwerte, bei denen ein gesunder Mensch noch dauerhaft sicher und ohne gesundheitliche Schäden arbeiten kann.

Einschränkungen bereits bei optimistischen Szenario

Die Berechnung ergab, dass selbst bei dem optimistischen Szenario im Jahr 2100 große Teile Eurasiens und der Karibik-Region einen Hitzestress erleiden könnten, der heute für Indien typisch ist. Um das Jahr 2050 herum könne dies die Arbeitskapazität der Menschen auf 80 Prozent reduzieren, schreiben die Wissenschaftler.

Unsicherheiten dieser Berechnungen lägen in den Klimamodellen selbst, schränken die Forscher ein. Außerdem berücksichtige ihre Studie nicht, wie sich die Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten entwickelt und wie sie sich auf dem Erdball verteilt. Auch wirtschaftliche oder technologische Entwicklungen seien zum jetzigen Zeitpunkt unsicher.

Ein noch drastischeres Szenario hatten US-Forscher von der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana bereits im Mai 2010 in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" gezeichnet. Ohne eine Reduktion der Treibhausgase würde den Menschen demnach im 22. Jahrhundert vielerorts lebensfeindlicher Hitzestress drohen. Halte der CO2 -Ausstoß unvermindert an, könnten viele Regionen der Erde für Menschen unbewohnbar werden.

Bei ihrer Analyse gingen die Forscher allerdings vom "worst case" der Klimamodelle aus. Dazu hatten sie den CO 2 -Ausstoß auf dem Niveau des Jahres 2007 langfristig hochgerechnet. Im 22. Jahrhundert rechnen sie demnach mit einer Klimaerwärmung von sieben bis zwölf Grad.

Feuchttemperatur könnte unerträglich werden

In vielen Erdteilen - wie Nordwestafrika, zentrales Südamerika, Australien, Indien, Ostchina, aber auch im Osten der USA - würde vor allem die Feuchttemperatur unerträglich werden, behaupteten die Forscher.

Während bei einem Temperaturanstieg um sieben Grad nur in manchen Gebieten die Feuchttemperatur ansteigen würde, wäre bei einem Temperaturanstieg um zwölf Grad die halbe Weltbevölkerung von Hitzestress betroffen, warnten die Forscher. Millionen Menschen könnten kaum noch ins Freie gehen und bräuchten eine enorme Klimatisierung mit entsprechend hohem Strombedarf.

Laut dem Meteorologen Herbert Formayer am Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien verbindet der Begriff "Feuchttemperatur" Temperatur und Luftfeuchte: Die Feuchttemperatur sei demnach vergleichbar mit der Temperatur eines nassen Gegenstandes, auf den man einen Ventilator richtet.

Mehr als 35 Grad Feuchttemperatur, was einer Dampfkammer entspräche, sei für Menschen auf Dauer tödlich. Der Körper habe dann keine Möglichkeit mehr, durch Schwitzen über Verdunstung Hitze abzugeben, und überhitze sich, so Formayer.

Quelle: OC mit dpa
Quelle: dapd
30.09.12 1:19 min.
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