24.02.13

Infektiologie

Forscher sind neuem Grippemittel auf der Spur

Forscher haben einen Mechanimus entdeckt, über den sich die Vermehrung von Influenza-Viren blockieren lässt. Die neue Methode funktioniert sogar gegen Viren, die gegen andere Mittel resistent sind.

Foto: picture alliance / All Canada Ph

Die herausragenden Glykoproteine – auch Spikes genannt – sind charakteristisch für das Influenzavirus
Die herausragenden Glykoproteine – auch Spikes genannt – sind charakteristisch für das Influenzavirus

Bis zu fünf Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an der Grippe, der echten Influenza. 500.000 von ihnen sterben. Und die einzigen Mittel, die eine solche Infektion mildern können, sind Neuraminidasehemmer wie "Tamiflu" oder "Relenza".

Doch da diese Medikamente viel zu häufig eingesetzt werden, in manchen Fällen sogar als Prophylaxe, gibt es mittlerweile einige Virenstämme, die dagegen resistent geworden sind. Gegen sie kommen die chemischen Waffen also nicht mehr an.

Die Wissenschaftler sind besorgt. Denn im Falle einer gefährlichen Pandemie gibt es quasi kein Mittel, dass wirklich hilft. Entsprechend fieberhaft suchen Forscher nach neuen Mechanismen, um die Viren in Schach zu halten.

Enzym Neuraminidase

Nun berichten Forscher aus Australien, Großbritannien und Kanada, dass sie einen neuen Ansatz bei der Bekämpfung der Grippeviren gefunden haben. Wie auch die bisher existierenden Grippehemmer setzt das neue Mittel an dem Enzym Neuraminidase an.

Normalerweise vermehrt sich ein Virus in der Wirtszelle und die "Tochterviren" treten anschließend aus der Zelle aus. Zunächst verharren sie noch an der Zell-Außenseite und werden von der Neuraminidase von der Zelle abgespalten.

"Tamiflu" und "Relenza" blockieren dieses Enzym, sodass die Grippeviren sich nicht von der Zelle lösen, und sich nicht im Körper verbreiten und andere Zellen infizieren können.

Dauerhafter Block

Einige Viren konnten aber so mutieren, dass Neuraminidasehemmer nicht mehr an den Viren andocken. Der neue Wirkstoff aber blockiert das Enzym dauerhaft.

Es sei wie ein Schlüssel, der im Schlüsselloch abgebrochen ist, erklären die Forscher. Weder Influenza A- noch Influenza B-Viren könnten eine Resistenz gegen ihn entwickeln. Zudem hätten Tierversuche gezeigt, dass er sogar gegen Virenstämme wirkt, die bereits gegen die herkömmlichen Neuraminidasehemmer resistent seien.

Die Wissenschaftler betonen, dass – sollten neue Virenstämme entstehen, die beim Menschen eine schwere Grippe auslösen – die Entwicklung eines Impfstoffes noch Wochen oder sogar Monate dauern kann. In diesem Fall seien Anti-Grippemittel die einzige Möglichkeit, die Symptome der Infektion abzumildern.

Bis das neue Anti-Grippe-Mittel aber für den Menschen zugelassen wird, dürfte es noch mehrere Jahre dauern.

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Grippe
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    Die Grippe gefährdet vor allem betagte Menschen und solche mit schweren Grunderkrankungen wie Krebs, Diabetes oder Herz- Kreislauferkrankungen. Bis zu 11.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland, meist an den sekundären Folgen einer Grippe.

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    Für über 60-Jährige und weitere Risikogruppen übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten. Zahlreiche Kassen zahlen auch für alle anderen.

  • Zum Weiterlesen

    • Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe beim Robert-Koch-Institut

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