23.02.13

Psychologie

Beim zweiten Hören mag man ein Lied stets mehr

Wenn wir etwas häufig sehen, hören, schmecken oder riechen, bewerten wir es positiver, selbst, wenn es uns vorher egal war. Ob reale Menschen oder Werbung – das Prinzip funktioniert immer.

Foto: picture-alliance/ dpa

Je häufiger man ein Musikstück hört, desto angenehmer empfindet man es – selbst, wenn im Text größte Quatsch erzählt wird
Je häufiger man ein Musikstück hört, desto angenehmer empfindet man es – selbst, wenn im Text der größte Quatsch erzählt wird

Dass über einem Artikel der Name des Verfassers steht, hat natürlich vor allem eine Funktion: Man soll wissen, wer ihn geschrieben hat. Es gibt aber einen angenehmen Nebeneffekt.

Denn je öfter Sie, als Leser, den Namen eines Schreibers lesen, desto sympathischer wird er Ihnen. Das Ganze nennt sich "Mere-Exposure-Effekt" und er besagt Folgendes: Wenn wir etwas häufig sehen, hören, schmecken oder riechen, können wir gar nicht anders, als es zu mögen. Dinge oder Menschen werden also allein dadurch positiver beurteilt, dass sie häufiger wahrgenommen werden.

Der US-Psychologe Robert Zajonc entdeckte dieses Phänomen 1968 in diesem Experiment: Er zeigte seinen amerikanischen Versuchspersonen vermeintlich chinesische Schriftzeichen – manche davon häufig, andere eher selten. Anschließend sollten die Probanden auf einer Skala einschätzen, welche der Zeichen wohl eher positive und welche eher negative Bedeutungen hatten. Dabei kam heraus, dass den zuvor oft gezeigten Zeichen viel häufiger eine positive Bedeutung zugeschrieben wurde.

Bekannte Reize schneller verarbeitet

Andere Studien zeigten, dass Menschen, die sich häufiger sehen, weil sie näher beieinander sitzen oder wohnen, eher gute Freunde werden, und dass einem fremde Kursteilnehmer immer sympathischer werden, je öfter sie beim Kurs erscheinen – auch wenn es keinerlei direkten Kontakt gibt.

Der Effekt kommt zustande, weil bekannte Reize schneller und leichter verarbeitet werden als neue. Und das geht direkt mit einer positiveren Bewertung einher. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Reiz bewusst wahrgenommen wird oder nicht.

Deshalb pfeift man das banale Lied im Radio nach dem zehnten Hören dann doch mit und kauft das Markenprodukt, weil es "irgendwie" einen besseren Eindruck macht.

Besonders der Werbung kommt der Effekt zugute – sie wirkt auch, und sogar besonders effektiv, wenn man ihr keine bewusste Aufmerksamkeit schenkt. Denn der Effekt ist am stärksten, wenn die Aufmerksamkeit eher gering und die Darbietungsdauer eher kurz ist, der Reiz aber komplex und zunächst neutral – wie etwa bei einem Firmenlogo.

Und wenn Sie sich das alles gut merken wollen und diese Kolumne noch ein zweites Mal lesen, dann wird Sie Ihnen noch besser gefallen als beim ersten Mal. Garantiert!

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