Tiere
Laborbeagles finden ein neues Zuhause
Sie sind robust, gesellig und brav - Beagles werden gern als Versuchshunde eingesetzt. Sie verkosten neues Tierfutter und testen Medikamente gegen Krebs. Werden sie nach einigen Jahren aussortiert, kümmert sich der Verein "Tiere in Not" um die Hunde, die noch nie draußen waren.
Von Vivien Rehder
"Sie sind wie erwachsene Welpen", sagt Christine Herwig, Mitbegründerin des Vereins "Tiere in Not". Gemeint sind Laborbeagles. "Diese Hunde kennen keinen Baum, kein Gras, haben noch nie ein Auto oder einen Staubsauger gesehen."
Zehn Labore in Deutschland überlassen dem Verein regelmäßig Tiere, die nicht mehr benötigt werden, zur Weitervermittlung. Von Medikamentenversuchen aus der Krebsforschung bis hin zu Hundefutter-Tests reicht die Spanne der Experimente, für die die Hunde eingesetzt werden.
95 Prozent der Laborhunde sind Beagles. "Sie sind robust, lassen sich gut in großen Gruppen halten und lassen viel mit sich machen", beschreibt Herwig. Alle Hunde sind gesund und kommen gut mit anderen Hunden aus. "Im Labor leben sie in Rudeln und sind deshalb an andere Tiere gewöhnt."
Der Start in ein neues Leben
Obwohl manche von ihnen sicherlich schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind die ehemaligen Laborbeagles nicht verhaltensgestört. Es liegt in ihrer Natur, offen auf Menschen zuzugehen. So auch die Hündin Sascha, einem von mehr als 3000 Tieren, die der Verein aus Versuchslaboren in ein neues Zuhause gebracht hat. Sie hat sich schnell angepasst. "Nach zwei Wochen war sie stubenrein und hatte ihre Angst fast vergessen", erzählt Besitzer Markus Klein- Selbeck.
So leicht wie Sascha gewöhnen sich allerdings nicht alle Laborhunde an ihr neues Leben. Immerhin haben einige viele Jahre im Dienst der Forschung verbracht. Wie schnell sich die Hunde anpassen, hängt vor allem von den Menschen ab. "Wichtig sind Geduld, liebevolle Konsequenz, Humor und ein geregelter Tagesablauf", sagt Christine Herwig.
Wer sich einen Beagle wünscht, kann bei dem Verein anfragen. Wünsche bezüglich Geschlecht und Alter werden berücksichtigt. Aussuchen kann man sich das Tier allerdings nicht. "Wir sammeln die Adressen von Interessenten und bringen den Hund direkt aus dem Labor in sein neues Zuhause", sagt der Vorsitzende Thomas Herwig.
So bleibe den Hunden das Tierheim erspart. Die ehrenamtlichen Helfer opfern für die Vermittlung viel Freizeit und fahren pro Jahr 50 bis 100 000 Kilometer. Aus Liebe zu den Tieren nehmen sie das gern in Kauf: "Wenn wir diese fröhlichen Hunde bei unseren jährlichen Treffen sehen, ist das unser schönster Lohn."
Weitere Informationen unter www.versuchstiere.de
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