21.02.13

Naturschauspiel

Invasion der Vögel aus dem Hohen Norden

Im hohen Norden wird das Futter knapp: Vögel, die in der russischen Tundra zu Hause sind, erobern deshalb invasionsartig Deutschland. Experten sprechen von einem außergewöhnlichen Naturphänomen.

Von Torsten Richter
Foto: pa

In diesem Winter bekommen Spatzen, Meisen und Co. in Deutschland ungewöhnlich viel Gesellschaft. Die seltenen Vogelgäste sind Seidenschwänze, die invasionsartig aus Nordosteuropa kommen
In diesem Winter bekommen Spatzen, Meisen und Co. in Deutschland ungewöhnlich viel Gesellschaft. Die seltenen Vogelgäste sind Seidenschwänze, die invasionsartig aus Nordosteuropa kommen

Die gefiederten Wintergäste sind selten, bunt und laut: Zehntausende Seidenschwänze aus Nordosteuropa faszinieren derzeit Naturfreunde von der Ostsee bis zum Alpenrand. Vogelkundler des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten sprechen von einem Naturphänomen im Winter, das in diesem Ausmaß selten zu beobachten ist.

Sie haben die bedeutendsten Invasionen der Vögel in der Lausitz, rund um Berlin, in Mecklenburg-Vorpommern sowie zwischen München und dem Alpenrand registriert.

Die Seidenschwänze, die rund 18 Zentimeter lang sind und damit etwa so groß wie Stare, lassen sich selbst von Menschen nicht stören. So haben sich Hunderte der Vögel mit rotgefiederten Haubenköpfen, schwarzen Augenbinden und gelbem Schwanzende in den Bäumen am Ufer des Senftenberger Sees in der Lausitz versammelt. Der trillernde Ruf dieser Vögel klingt wie das Klirren eines Schlüsselbundes.

Nahrungsangebot wird knapp

"Seidenschwänze bevorzugen Mistelbeeren, die besonders auf älteren Bäumen wachsen", sagt der Senftenberger Ornithologe Heiko Michaelis. "Es ist kein Wunder, dass die Vögel großen Hunger haben, schließlich liegt eine Reise von Tausenden Kilometern aus dem Nordosten hinter ihnen."

Ursprünglich sind Seidenschwänze in der russischen Tundra und im skandinavischen Lappland zu Hause. "Doch im Hohen Norden scheinen die Beeren knapp geworden zu sein", meint Michaelis.

Dies bestätigt Lars Lachmann, Referent für Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin. Im vergangenen Jahr habe es bei Seidenschwänzen einen guten Bruterfolg gegeben, zugleich sei das Nahrungsangebot geringer geworden. "Dadurch entstehen die Invasionen in südlich gelegene Gebiete", erläutert Lachmann.

Invasionsphänomen auch bei anderen Vögeln

Für Torsten Langgemach von der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburgs ist der verstärkte Anflug von Seidenschwänzen und anderen Vögeln aus dem Norden im Winter nicht ungewöhnlich. "Eine regelrechte Vogelinvasion wie in diesem Winter hat es allerdings zuletzt zwischen Elbe und Oder im Winter 2005/2006 gegeben."

Der Nabu hat das Invasionsphänomen auch bei anderen Vögeln beobachtet. Dazu gehören Kraniche, Silberreiher, Birken- und Erlenzeisige, Kohlmeisen, Fichtenkreuzschnäbel sowie Bergfinken. Letztere können sogar in Schwärmen mit bis zu einer Million Tieren auftreten.

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