17.02.13

Tiefsee

Erste Filmaufnahmen des Riesenkalmars in der Tiefe

Die "Monster der Meere" wurden bislang noch nie in ihrem Lebensraum Tiefsee gefilmt. ZDF und Arte senden nun zum ersten Mal in Deutschland einmalige Aufnahmen eines sechs Meter langen Architeuthis.

Quelle: Reuters
08.01.13 2:14 min.
Einem Forscherteam ist es gelungen, Videoaufnahmen des scheuen Tintenfischs in seinem natürlichen Lebensraum zu machen. Die Aufnahmen zeigen ein acht Meter langes Tier, dem die Fangtentakel fehlen.

Die letzten großen Geheimnisse ruhen in den Ozeanen. In unfassbaren Tiefen, kaltem Wasser und ewigem Dunkel ist es so unwirtlich, dass Menschen nur mit erheblichem technischen Aufwand ein paar Stunden zu Gast sein können. Hier, in der Abgeschiedenheit aber existieren unbekannte, geheimnisvolle Lebewesen.

Der japanische Meeresforscher Tsunemi Kubodera vom National Science Museum in Tokio ist einem solchen Lebewesen auf der Spur. Seit über acht Jahren sucht er nach dem Riesenkalmar, dem Architeuthis. Diese gigantischen Weichtiere liefern seit Jahrhunderten Stoff für Seemannsgarn, Mythen und Horrorstorys.

Lange Zeit war es unter Forschern sogar umstritten, ob es die riesigen Kalmare überhaupt gibt. Denn einen echten Beweis ihrer Existenz gab es nicht, kein Foto, kein Film, kein totes oder lebendiges Exemplar.

Nur kreisrunde Male auf der Haut von Pottwalen, die man als Spuren großer Saugnäpfe interpretieren konnte und Funde riesiger Tentakel im Magen der Wale lieferten Hinweise. Irgendein großes Wesen musste mit den Walen gekämpft und von ihnen verschlungen worden sein.

Stinkende Masse

Irgendwann wurden dann doch tote oder sterbende Riesenkalmare an die Küsten gespült und von Forschern untersucht. Es war eine widerlich stinkende, fast unförmige Masse, die schnell verfaulte und in den Alkoholwannen der Meereswissenschaftler schrumpelnd verblich.

Das größte bislang registrierte Exemplar maß hochgerechnet 16 Meter (inklusive Tentakeln) und könnte zu Lebzeiten fast eine Tonne schwer gewesen sein.

Wann und wie sich die Tiere paaren, wann sie sich fortpflanzen, wo und wie sie ihre Eier legen – alles das ist bisher unbekannt. Tsunemi Kubodera will all diese Rätsel lösen. Der Meeresbiologe will wissen, wie die Tiere leben, wie sie sich bewegen, jagen, fressen und wie Weibchen und Männchen sich in der Dunkelheit der Tiefsee überhaupt finden. Deshalb lässt der Japaner so gut wie nichts unversucht.

Erste Fotos, erste Filme

2004 gelang ihm ein erster, flüchtiger Blick auf ein lebendes Exemplar: mithilfe von Fotos einer Unterwasserkamera. Im Dezember 2006 folgten die nächsten spektakulären Aufnahmen: Nahe der japanischen Insel Chichijima, 960 Kilometer südöstlich von Tokio, warfen die Forscher um Kubodera einen Köder aus – und ein sieben Meter langes Exemplar biss an. Ein kleines Video entstand, als ein junges, rot gefärbtes Weibchen an die Oberfläche gezogen wurde.

Das Tier verlor im Kampf mit der Leine einen Fangarm, der anschließend im Labor untersucht wurde. Die Quintessenz der Forscher war damals: "Wir wissen nun, wo wir die Tiere finden können – und wir hoffen, sie künftig noch erfolgreicher studieren zu können."

Im vergangenen Sommer nun brach Kubodera mit einem Team internationaler Forscher zu einer weiteren Expedition auf. Sie fuhren ins Pottwal-Revier östlich der Ogasawara-Inseln. Pottwale gelten als die einzigen Feinde der Riesenkalmare.

Kein anderes bekanntes Wesen (außer dem Menschen) wird den gigantischen Weichtieren gefährlich. Wo Pottwale jagen, muss es also auch Kalmare geben – für Pottwale ist eine Region, in der meterlange Leckerbissen herumschwimmen, ein Paradies.

Lockstoffe und blinkende Quallen

Die Forscher hatten auf ihrer Expedition Unterwassertauchboote dabei, die in Tiefen bis zu 1000 Meter vordringen können, eine "elektronische Qualle", die wie eine echte Tiefseequalle verführerisch blinkt (zumindest verführerisch für Kalmare, die im Dunkel der Tiefsee lumineszierende Quallen fressen) und eine "Pheromonspritze", mit der die Forscher zerkleinerte Tintenfischteile als Lockstoffe ins Wasser abgeben konnten. Mit einer dieser Strategien wollten sie den Kalmar vor eine Kamera locken – in seinem natürlichen Lebensraum.

Nach einigen erfolglosen Versuchen interessierte sich schließlich ein Riesenkalmar für die blinkende künstliche Qualle, die Edith Widder, eine US-amerikanische Expertin für Biolumineszenz, konstruiert hatte.

Die Forscher filmten mit rotem Licht, das für Kalmare unsichtbar ist. Da sie in Tiefen von über 500 Meter leben, sehen sie mit ihren Augen, die einen Durchmesser von mehr als 25 Zentimeter erreichen können, nur blaues Licht, das im Wasser tiefer vordringt. Ein großer Kalmar versuchte, die künstliche Qualle mit seinen Tentakeln zu greifen und zu fressen. Die Forscher waren begeistert: Mit ihren Aufnahmen hatten sie nicht nur das erste Mal einen Riesenkalmar in rund 700 Meter Tiefe filmen können, sondern auch bewiesen, dass er sich für Blaulicht interessiert.

Im Angesicht des Kalmars

Voller Hoffnung auf weitere Bilder probierten sie die Pheromonspritze aus. Doch die Duftstoffe lockten nur einen kleinen Kalmar an. Also setzten die Forscher auf ein altbekanntes Mittel: Sie wollten Architeuthis mit einem Futterköder aus der Dunkelheit locken. Die Forscher konnten ihn in 600 Meter Tiefe aus der Kuppel des Tauchbootes sehen.

Tatsächlich näherte sich plötzlich ein Riesenkalmar und stülpte seine Tentakel über den Köder. Tiefseeboot, Köder und Kalmar sinken bis in eine Tiefe von über 880 Meter ab. Für Tsunemi Kubodera und seine Kollegen erfüllt sich ein Traum: Sie verbringen einige Minuten im Angesicht des Architeuthis. Erst dann löst sich der Riese vom Köder und schwimmt in die geheimnisvolle Dunkelheit der Tiefsee davon.

Die Dokumentation "Das Phantom der Tiefsee - Der Riesenkalmar" läuft in der ZDF-Sendung "Terra X" am Sonntag um 19.30 Uhr und auf ARTE um 20.15 Uhr

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Eurovision Song Contest - Grand Final
18.05.13Minutenprotokoll
Emmelie aus Dänemark gewinnt Song Contest 2013

Deutschland rechnete sich gute Chancen aus, landet aber nur auf dem 21. Platz. Emmelie de Forest gewinnt mit ihrem Song "Only Teardrops". Damit findet der nächste ESC in Kopenhagen statt. mehr...

Die Norwegerin Margaret Berger gilt als Favorit
17.05.13ESC 2013
Eurovision Song Contest - Stimmen Sie für Ihren Favoriten

Am Sonnabend tritt Cascada mit ihrem Dance-Song "Glorious" für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Malmö an. Bei den Buchmachern stehen aber Dänemark und Norwegen ganz vorn. mehr...


Madleen Borngräber leidet an einer seltenen Krankheit
18.05.13Krebs-Gen wie Angelina Jolie
Warum sich eine Berliner Studentin die Brüste amputieren ließ

Madleen Borngräber (25) trägt das Krebs-Gen in sich. Deshalb ließ sie sich vorsorglich die Brüste entfernen. Genau wie Schauspielerin Angelina Jolie, die vor kurzem damit an die Öffentlichkeit ging. mehr...


Tod im Badeparadies: Ein 15-Jähriger starb in „Tropical Island“
18.05.13Badeunfall
15-Jähriger stirbt beim Baden im Freizeitparadies "Tropical Islands"

Im Freizeitbad "Tropical Islands" ist ein Jugendlicher leblos im Wasser gefunden worden. Der Junge wurde noch in eine Klinik gebracht. Doch alle Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Großeinsatz

Feuer in Berliner Autowaschanlage

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote