14.02.13

Asteroid

2012 DA14 - Die wichtigsten Fragen und Antworten

Der Himmelskörper 2012 DA14 erreicht Freitagabend seinen geringsten Abstand zur Erde. Zumindest TV-Satelliten kommt er gefährlich nahe.

Foto: Concorde Filmverleih

Im Film „Melancholia“ des dänischen Regisseurs Lars von Trier rast ein Asteroid gleichen Namens auf die Erde. „Melancholia“ leuchtet in diesem Filmfoto bläulich oben links. Rechts davon stehen Mond und Sonne
Im Film "Melancholia" des dänischen Regisseurs Lars von Trier rast ein Asteroid gleichen Namens auf die Erde. "Melancholia" leuchtet in diesem Filmfoto bläulich oben links. Rechts davon stehen Mond und Sonne

Schnell nähert sich der Asteroid 2012 DA14 der Erde – er wird sie am Freitagabend so knapp wie noch nie ein anderer Himmelskörper dieser Größe seit Beginn moderner Messungen verfehlen. Einen Zusammenprall wird es nicht geben. Für Fernseh-, Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten besteht dagegen eine wenn auch extrem geringe Gefahr. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Rekordannäherung vor allem wertvolle neue Forschungsdaten. Alle wichtigen Fragen und Antworten hier.

Ist es wirklich so selten, dass ein Asteroid nah an der Erde vorbeifliegt?

Das kommt auf die Größe des Asteroiden an. Kleinere Himmelskörper fliegen ständig noch viel näher an die Erde heran. Nach Nasa-Schätzungen tauchen insgesamt bis zu 100 Tonnen Material pro Tag in die Atmosphäre ein, verglühen jedoch zum größten Teil. Ein Himmelskörper von der Größe von 2012DA14 kommt statistisch gesehen nur alle 40 Jahre so nah; ebenfalls statistisch betrachtet trifft einer die Erde einmal alle 1200 Jahre.

Wird er wirklich nicht einschlagen?

Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa sagen klar Nein. "Wir können sicher sagen, dass er nicht näher als 27.500 Kilometer an die Erde herankommen und sie nicht berühren wird", hat etwa der Nasa-Manager Donald Yeomans erklärt.

Besteht eine Gefahr für Satelliten?

Der Asteroid fliegt so nah an der Erde vorbei, dass er die Bahn vieler TV-, Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten kreuzen wird. Eine Kollision sei aber "extrem unwahrscheinlich", so Nasa-Manager Yeomans. Vorsichtshalber arbeitet die Nasa trotzdem mit Satellitenbetreibern zusammen.

Woher wissen das die Forscher?

Weil sie den Asteroiden und seine Bahn seit einem Jahr analysieren. Am 23.Februar 2012 wurde 2012DA14 in einem Observatorium in Spanien entdeckt. Da war er noch mehr als vier Millionen Kilometer entfernt. Das wurde dann an das Beobachtungsprogramm der Nasa für erdnahe Objekte gemeldet. Die Forscher dort haben 15 Jahre Erfahrung mit der Berechnung von Asteroidenbahnen und haben 2012DA14 seither sehr genau beobachtet.

Was können die Forscher darüber sagen, was heute genau passiert?

Sie sagen, dass die Rekordannäherung um 20.24 Uhr deutscher Zeit stattfinden wird. Am nächsten kommt der Asteroid der Erde über der Insel Sumatra. Der Himmelskörper 2012DA14 ist den Berechnungen zufolge etwa 45 Meter groß und hat eine Masse von rund 130.000 Tonnen. An der Erde wird er mit etwa acht Kilometern pro Sekunde (knapp 30.000 Kilometer pro Stunde) vorbeifliegen. Die Zahlen können sich aber bis zum Vorbeiflug noch leicht verändern, sagt die Nasa. Erst danach habe man die exakten Daten.

Kann man den Asteroiden sehen?

Ja, vorausgesetzt, der Himmel ist klar, und man hat ein gutes Fernglas. In Berlin ist es wegen des vielen Lichts ("Lichtverschmutzung") allerdings schwierig, besser geht es im dunkleren Umland, etwa im Westhavelland. Oder man beobachtet 2012DA14 von einer Sternwarte aus. Dann ist er etwa zwei Stunden lang als kleiner Punkt zu erkennen, der von Norden nach Süden zieht. Der von der Sonne angestrahlte Asteroid ist nicht so schnell wie eine Sternschnuppe, aber nicht so langsam wie der Mond.

Was hoffen die Wissenschaftler herauszufinden?

Sie wissen zum Beispiel nicht, woraus der Asteroid besteht. Der Vorbeiflug kommt ihnen sehr gelegen – er liefert viele wertvolle Daten. Ein Team beschäftigt sich beispielsweise ausschließlich mit der Drehung. Mit neuester Technik wollen die Forscher herausfinden, in welche Richtung 2012DA14 wirbelt.

Woher stammen die Asteroiden?

Sie umkreisen die Sonne auf Ellipsenbahnen – ähnlich wie die Planeten, aber teils auf deutlich exzentrischeren Bahnen, sodass sie die Umlaufbahnen der Planeten kreuzen. Sie stammen aus der Frühzeit des Sonnensystems, haben es nicht zur Größe eines Planeten geschafft oder sind wieder zerbrochene Planeten. Es gibt vermutlich einige Millionen von ihnen, knapp 600.000 sind konkret bekannt.

Wie groß sind sie?

Es gibt sie in vielen Größen, die Übergänge sind fließend. Sehr kleine Objekte von Millimeterbruchteilen bis zu einigen Metern Durchmesser bezeichnet man als Meteoroide. Zwergplaneten dagegen können Hunderte bis gut 2000 Kilometer messen. Die fünf Zwergplaneten unseres Sonnensystems, darunter Pluto, haben aufgrund ihrer eigenen Anziehungskraft eine mehr oder weniger kugelige Form bekommen. Zwischen Meteoroiden und Zwergplaneten rangieren Asteroiden. Treffen sie auf die Erde, verglüht ein Teil von ihnen in der Atmosphäre. Ab einer Ursprungsgröße von einigen Metern bleibt aber meist ein Kern übrig, der auf die Oberfläche trifft.

Was ist der Unterschied zu Kometen?

Kometen formten sich in den sonnenfernen, kalten Regionen unseres Sonnensystems, wo Wasserstoffverbindungen zu Eis kondensierten. Sie enthalten neben Gestein, Metallen und Wassereis auch gefrorene Gase wie Methan und Ammoniak, weshalb man sie auch als "schmutzige Schneebälle" bezeichnet. In Sonnennähe verdampfen diese Verbindungen, Kometen zeigen dann den typischen, von der Sonne abgeneigten Schweif, der Hunderte Millionen Kilometer lang sein kann.

Woraus besteht 2012DA14?

Möglicherweise besteht er aus Silikatgestein, aber sicher wissen das die Forscher bisher noch nicht.Welche weiteren dicht vorbeifliegenden Asteroiden hat man registriert?

Der etwa sechs Meter messende Asteroid 2004FU162 passierte die Erde am 31.März 2004 in nur 6500 Kilometer Entfernung. Es ist kein dichterer Vorbeiflug eines Asteroiden dieser Größe bekannt. 2008TC3 war der erste, für den eine Kollision mit der Erde korrekt vorausgesagt wurde. Das vier Meter kleine Objekt wurde am 6.Oktober 2008 noch außerhalb der Mondbahn entdeckt und verglühte einen knappen Tag später fast vollständig in der Atmosphäre. Am 13.April 2029 wird der 270 Meter messende Apophis an der Erde vorbeifliegen. Der Minimalabstand dürfte bei rund 30.000 Kilometer liegen. Solch ein Ereignis kommt etwa alle 1300 Jahre vor. Am 16.März 2880 kommt uns 1950DA sehr nahe. Der 1,1 Kilometer große Asteroid hat eine Einschlagwahrscheinlichkeit von einem Drittel Prozent.

Gab es katastrophale Einschläge?

Ja, mehrfach in der Erdgeschichte. Einschlagkrater zeugen noch davon. Etwa das Nördlinger Ries (24 km Durchmesser), der Vredefort-Krater in Südafrika (320 mal 180 km), das Sudbury-Becken in Kanada (220 km) und der Chicxulub-Krater vor der mexikanischen Küste (200 km). Die "Impakte", die diese Krater hinterließen, hatten dramatische Folgen für das Leben. So ließ der Chicxulub-Einschlag vor 66 Millionen Jahren durch glühendes Gestein vermutlich weltweit Waldbrände entstehen. Der aufgeworfene Staub verdunkelte monatelang die Sonne. Die Folge: 50 Prozent aller Tierarten starben aus.

Was kann man gegen drohende Kollisionen tun?

Hat man einige Jahre Zeit, könnte man eine Raumsonde in direkte Nähe des Asteroiden bringen. Ihre Anziehungskraft würde den Himmelskörper von seiner Flugbahn ablenken, ein Ablenkwinkel von einigen Bruchteilen eines Grades würde schon genügen. Muss es schneller gehen, hilft eine nukleare Explosion auf oder direkt neben dem Asteroiden. Man könnte auch eine Sonde auf ihm einschlagen lassen, um ihn von seiner Bahn abzubringen. Würde der Asteroid mit einer Atombombe komplett gesprengt, bestünde jedoch die Gefahr, dass immer noch gefährlich große Bruchstücke die Erde treffen.

Sind Asteroiden für die Menschheit zu etwas nütze?

Einschlagende Asteroiden und Kometen brachten vermutlich Wasser auf die Erde und damit die Voraussetzung für Leben. Einige Forscher haben zudem errechnet, dass die Metalle in einigen Asteroiden höchst wertvoll sind. Doch es gibt bislang keine Möglichkeit, sie zur Erde zu bringen.

Quelle: mit dpa
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