14.02.13

Näher als der Mond

Asteroid 2012 DA14 wird die Erde nur knapp verfehlen

Ein Himmelskörper wird der Erdoberfläche näher kommen als der Mond. An diesem Freitag passiert ein Asteroid unseren Planeten.

Foto: dpa

Kollision unwahrscheinlich: Der Erde steht eine Rekordbegegnung mit einem Asteroiden bevor
Kollision unwahrscheinlich: Der Erde steht eine Rekordbegegnung mit einem Asteroiden bevor

Ein Asteroid wird an diesem Freitagabend so nahe an der Erde vorbeifliegen wie kein vorhergesagter Himmelskörper dieser Größe jemals zuvor. Um 20.25 Uhr werden ihn nur noch etwa 27.800 Kilometer von der Erdoberfläche trennen. Der Mond ist rund 15 Mal weiter entfernt.

Von Deutschland aus ist der Asteroid 2012 DA14 nach Auskunft der Europäischen Raumfahrtagentur Esa um etwa 20.40 Uhr am hellsten zu sehen, wenn er gerade über dem Osthorizont erscheint. "Er geht im Sternbild Jungfrau auf, passiert dann den Löwen und gelangt zum großen Wagen", erläuterte Esa-Experte Gerhard Drolshagen am Donnerstag.

Am frühen Sonnabendmorgen befinde sich der Asteroid 2012 DA 14 in der Nähe des Polarsterns.

Bayern wird durch Einschläge jedes Jahr schwerer

Generell ist die Erde jedoch häufiger Einschlägen von Himmelskörpern ausgesetzt: Diese sind meist jedoch zu gering, um wirklich ernsthafte Auswirkungen zu haben. Mindestens sieben Meteoriten sind so in den vergangenen 1000 Jahren in Bayern eingeschlagen.

Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat historische Augenzeugenberichte, die im Jahr 952 beginnen, ausgewertet. "Den glaubhaften Augenzeugen zufolge sind sieben Meteoriten mit insgesamt über 100 Kilogramm Gewicht auf Bayern gefallen", sagte Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes, am Donnerstag.

"Es ging fast immer glimpflich aus." Allerdings: Der bislang letzte registrierte Meteoritenfall vor zehn Jahren habe das Märchenschloss Neuschwanstein nur knapp verfehlt.

Die Erde werde jede Stunde von Tausenden winzigen bis faustgroßen Meteoriten bombardiert – allerdings unbeobachtet. Statistisch werde Bayern dadurch jedes Jahr um sieben Kilogramm schwerer.

Meteoriten von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft

Vor 15 Millionen Jahren allerdings waren die Schäden gewaltig: Damals traf ein riesiger Meteorit Schwaben und formte das heute weltberühmte Nördlinger Ries. Im Umkreis von 100 Kilometern wurde damals alles Leben ausgelöscht.

Bemerkenswert sei, dass jeder in Bayern gefallene untersuchte Meteorit wohl auf einem anderen Himmelskörper beheimatet war, ergänzte Eichhorn. Zwar stammten alle aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, aber immer von jeweils unterschiedlichen Asteroiden.

Die in Bayern gefundenen Meteoriten sind rund 4,6 Milliarden Jahre alt und damit neunmal älter als die ältesten Gesteine in Bayern. Für die Wissenschaft seien Meteoriten von unschätzbarem Wert: "Meteoriten sind das Älteste im Universum, was wir in Händen halten können", sagte Eichhorn.

Gefahr eines Einschlags "fast gleich Null"

Doch nicht nur auf der Erde, sondern auch knapp außerhalb der Atmosphäre besteht das Risiko einer Kollision. Zahlreiche Satelliten stellen die Kommunikation auf der Erde sicher. Die europäischen Kontrolleure der Weltall-Satelliten sehen dem heranrasenden Asteroiden aber ganz entspannt entgegen.

"Wir wissen relativ genau, wo und wann der Asteroid vorbeifliegt", sagte der Chef der Satelliten-Kontrolleure der europäischen Weltraumorganisation Esa, Paolo Ferri (53), in Darmstadt. Eine Gefahr werde als sehr gering eingeschätzt. "Fast gleich null." Das Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt müsse am Freitag nicht verstärkt werden.

"Die niedrige Route des Asteroiden verläuft zwischen vielen Satelliten", meinte Ferri. "Er durchfliegt einen Bereich, der nicht so voll ist. Es scheint auch nicht so, dass der Asteroid Satelliten in die Nähe kommt." Eine gefährliche Kollision werde also praktisch ausgeschlossen. Jeder Satellit habe an seinem Platz oder auf seiner Bahn bleiben können.

Handy sollte wie gewohnt funktionieren

Dass der Asteroid mit Weltraumschrott zusammenstößt, werde ebenfalls nicht befürchtet. "Also wird es auch nicht zu einer Kettenreaktion kommen", meinte Ferri. Ein Handy müsste funktionieren wie gewohnt. "Das Tempo des Asteroiden ist enorm. Störungen wären – wenn überhaupt – von einer so kurzen Dauer, dass sie unbemerkt bleiben."

Im Herzstück des Kontrollzentrums sind in der Regel etwa 20 Flugleiter im Einsatz. "Die meisten Positionen sind rund um die Uhr besetzt", sagte Ferri. Aktuell managt das Esoc 10 Missionen mit 13 Satelliten im Weltall.

Quelle: mm/dpa
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