11.02.13

Klimaforschung

Angaben zum Ausstoß von Kohlendioxid unzuverlässig

Die Emissionsangaben der Länder sind nur schwer mit den tatsächlich gemessenen Kohlendioxid-Daten vereinbar, so eine Studie. Demnach stiegen die CO2-Werte von 2000 bis 2008 langsamer als erwartet.

Foto: Infografik Die Welt

Im Jahr 2010 stimmten die tatsächlich gemessenen Werte mit den von den Ländern gemeldeten Werten überein: Beide zeigten die Zunahme des CO2-Ausstoßes. Doch besonders in den Jahren vor 2000 gab es Diskrepanzen
Im Jahr 2010 stimmten die tatsächlich gemessenen Werte mit den von den Ländern gemeldeten Werten überein: Beide zeigten die Zunahme des CO2-Ausstoßes. Doch besonders in den Jahren vor 2000 gab es Diskrepanzen

Die früheren Länderangaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) waren scheinbar unzuverlässiger als bisher gedacht. Das schreibt ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift "Nature Climate Change".

Die Wissenschaftler um Roger Francey vom Centre for Australian Weather and Climate Research in Aspendale prüften eine Diskrepanz in der CO2-Bilanz: Demnach wichen die gemessenen Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre in den 2000er Jahren deutlich von den gemeldeten Emissionen des Treibhausgases ab.

Eigentlich ist die Berechnung der CO2-Bilanz einfach: Man nimmt die von den Ländern gemeldeten Emissionen und zieht davon den Zuwachs der in der Luft gemessenen Werte ab.

Die Differenz entspräche dann der Menge, die von der Erde in sogenannten CO2-Senken gespeichert wird – etwa in Wäldern oder Ozeanen. Allerdings fand Francey in einer früheren Studie, dass die Entwicklung der CO2-Werte in den 2000er Jahren von den gemeldeten Emissionen auffällig stark abwich.

2010 gab es einen deutlichen Anstieg der Werte

Nun nahmen die Forscher, darunter Christian Rödenbeck vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, die CO2-Entwicklung in der Atmosphäre seit den 1990er Jahren genauer unter die Lupe.

Dazu stützten sie sich vor allem auf Messdaten zweier Stationen – Mauna Loa auf Hawaii und Cape Grim in Tasmanien. Die Unterschiede zwischen den auf der Nord- und Südhalbkugel liegenden Orten sind wichtig.

Denn auf der Nordhalbkugel mit den vielen Industrie- und Schwellenländern müssten die Kohlendioxid-Konzentrationen stärker zunehmen als auf der Südseite des Planeten. Tatsächlich erwiesen sich die Daten als belastbar.

So spiegelte im Jahr 2010 etwa ein deutlicher Anstieg der gemessenen Werte die damals gemeldete Zunahme klar wider.

Messungen passten nicht zur Emissionsstatistik

Dagegen stiegen die tatsächlichen CO2-Werte von 2000 bis 2008 langsamer, als es laut deklarierter Angaben zu erwarten war, so die Autoren. Die Emissionsangaben seien nur schwer mit den Messdaten vereinbar.

Das könnte zwar auch daran liegen, dass mehr CO2 in Senken der Nordhalbkugel gespeichert wurde. Doch die Forscher neigen zu einer einfacheren Erklärung: Die angegebenen Werte waren in den 1990er-Jahren zu niedrig.

"Was man während der 2000er-Jahre in der Atmosphäre beobachtet hat, passte nicht zur Emissionsstatistik", sagt Martin Heimann, Leiter des beteiligten Max-Planck-Instituts. "Die berichteten Emissionen sind ein größerer Unsicherheitsfaktor als man bisher dachte."

Möglicherweise, so Heimann, seien die damaligen Daten lückenhaft gewesen. Der tatsächliche Ausstoß ließe sich künftig aber einfacher kontrollieren, schreiben die Wissenschaftler.

Denn mit einem gut kalibrierten Stationsnetz würden die gemessenen CO2-Daten die Emissionsrate zuverlässig widerspiegeln.

Quelle: dpa/fj
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